Sonntag, 22. Oktober 2017
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Groth kreist am Gleimtunnel

Gleimtunnel im Sommer 2013

Das Bezirksamt Mitte plant die öffentliche Auslegung des B-Plans I-64, oder zumindest eines Teils des vorhabenbezogenen Plans zur Bebauung des Nordgeländes des Mauerparks, nördlich des Gleimtunnels. Doch über den möglichen Termin der Auslegung gibt es derzeit noch keine Klarheit. Pressemeldungen über eine Auslegung mitten in der Osterzeit waren falsch.

Gleimtunnel im Sommer 2013
Gleimtunnel im Sommer 2013 – Fotograf steht im Zentrum des geplanten Kreisverkehrs

Derzeit gibt es noch keinen festen Termin, und womöglich erkennt man nun auch, welches „Ei“ gelegt werden soll, denn zwei Gutachten für die Groth-Gruppe sind geleakt worden.

Groths Gutachten und Pläne

Inzwischen kommt noch mehr Licht in das Firmengeflecht der Groth-Gruppe, die nun ihre „“Groth u-invest Elfte GmbH & Co Gleimstraße KG“ vorschickt, um Gutachter zu beauftragen.

So gibt es ein Kurz-Gutachten mit ellenlangen Titel, das bei Specht Kalleja und Partner GmbH Beratende Ingenieure in Auftrag gegeben wurde:

„Kurzgutachten I-463-13 G zum Gleimtunnel in 13555 Berlin-Wedding – Konzept zum Abbruch des nordwestlichen Flügels des Gleimtunnel-Widerlagers für einen Straßenanschluß an das Erschließungsgebiet im Rahmen des Projektes „AMP Am Mauerpark Berlin-Mitte“.

Das Gutachten befasst sich mit baustatischen Fragen und macht Vorschläge, wie eine Abbruchkante zu behandeln ist, falls hier das Brückenwiderlager angeschnitten wird.

Die Gutachter halten nach einer „Inaugenscheinnahme“ am 28.11.2013 einen geplanten Abbruch aus „konstruktiv-geometrischer Sicht“ für möglich. Sie stützen sich dabei aber auf Annahmen, etwa dass der tragende Querschnitt des Widerlagers aus Mauerwerk besteht.
Immerhin: das Wort „Denkmalschutz“ kommt auf 14 Seiten einmal vor:

„Die geplanten Veränderungen am WL Nord müssen unter Berücksichtigung des Denkmalsschutzes erfolgen. Die im Rahmen der Genehmigung erteilten Auflagen sind einzuhalten.“

Widerlagerwand des Gleimtunnels mit Markierungen
Denkmalschutz: Widerlagerwand des Gleimtunnels mit Markierungen

Ein Kreis! ein Kreis! ein Kreis!

Im Brandenburger Umland von Berlin liegen Kreisverkehre im Straßenbau seit einigen Jahren im Trend. Die Groth-Gruppe hat sich nun getraut, einmal ein Ingenieurbüro aus dem Brandenburger Umland zu beauftragen, ein paar Striche zu einer möglichen Erschließungsstraße zu zeichnen.
Tatsächlich hat die Firma PST GmbH aus Werder an der Havel zwei Varianten gezeichnet, von denen die Groth Gruppe inzwischen eine als Vorzugsvariante ansieht.

Das Gutachten trägt den Titel: „Wohnbebauung Mauerpark – Anbindung an die Gleimstrasse“. In der Variante „Erschließungstraße“ ist die Einmündung gezeichnet, die nicht ohne Eingriff in bestehendes öffentliches Straßenland auskommt.

Die Planer aus Werder schlagen eine saloppe Behandlung der öffentlichen Gehwege vor, die zwecks Optimierung der „Schleppkurven für eine Bemessungsfahrzeug“ angeschnitten werden müssen. Ohne einen „Ankauf öffentlichen Straßenlandes“ wird diese Variante kaum gehen.

Die Vorzugsvariante aber ist ein „Kreisverkehr“, der mit 19 Metern Durchmesser vor den westlichen Gleimtunnel gezeichnet wurde.

Die Gutachter der PST GmbH schlagen allen Ernstes vor:

„A) Kreisverkehr
Diese Variante stellt die optimale Lösung für die verkehrliche Situation im Bereich der Anbindung des Wohngebietes „Mauerpark“, an die Glelmstraße dar. Der Kreisverkehr kann auf Grund des Platzangebotes nur maximal 19 m Durchmesser haben‚ das ist aber noch im Rahmen der geltenden Vorschriften. Das Linksabblegen aus der Gleim- in die Erschließungsstraße wird bei dieser Variante‚ in Verbindung mit den aktuellen Belegungszahlen der Gleimstraße. nur geringfügige zusätzliche Erschwernisse im fließenden Verkehr auf der Gleimstraße hervorrufen.
Das Linksabbiegen aus der Erschließungsstraße in die Gleimstraße wird wesentlich erleichtert und gefahrloser. Trotz der höheren Kosten, stellt diese Variante aus verkehrstechnischer Sicht die Vorzugsvariante dar.“

Die Gleimoase muss weg

Die Gutachter aus dem Havelland sorgen sich auch nicht um den bestehenden Straßenzustand:

„Der Rückbau des Hochbeetes und die Asphaltierung des Straßenbelages ermöglicht es, den Radverkehr auf die Fahrbahn zu verlegen und somit die Situation für die Verkehrsteilnehmer angenehmer und sicherer zu gestalten,“ schreiben sie.

Auch bei der anderen Variante ist die Gleimoase im Weg: „Dies trifft aber auch auf die Variante B zu“ – und meinen damit, die bestehende Radverkehrslösung zu verändern, die aus getrennten Radwegen besteht, die im Gleimtunnel neben der Hauptfahrbahn liegen, weil diese mit Kopfsteinpflaster gebaut ist.

Ein Oster-Ei für Groth

Die Gutachter der PST GmbH schreiben aber auch wichtige Worte zur anderen Variante:

„B) Einmündung
Die Variante der Einmündung ist technisch machbar und entspricht ebenfalls allen technischen Vorschriften. Die Linksabbiegevorgange sind aber beim Befahren und beim Verlassen des Wohngebietes wesentlich schwieriger. so dass es hier durchaus zum Rückcstau, sowohl in das Wohngebiet, als auch in der Gleimstraße kommen kann. Der Platzbedarf ist etwas geringer als beim Kreisverkehr.

Vorzugsvariante Kreisverkehr - Plan: PSTt GmbH, Werder
Vorzugsvariante Kreisverkehr – Plan: PSTt GmbH, Werder

Stadtplanung und Bauträger Groth stehen nun vor einem Dilemma, das schon Erich Kästner in trefflichen Worten beschrieben hat:

Je üppiger die Pläne blühn, desto verzwickter wird die Tat.
Erich Kästner (1899-1974), dt. Schriftsteller

Denn ein einfacher Blick in die Berliner Bauordnung reicht aus, um sich zu vergegenwärtigen, welches „Ei“ nun gelegt ist:

Voraussetzung für die Bebaubarkeit eines Grundstücks ist: „Die Zufahrt muß öffentlich-rechtlich gesichert sein!“.

Die Baujuristen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz, und die von der Groth-Gruppe beauftragten Baurechtsjuristen müssen sich nun fragen, ob das Bauvorhaben überhaupt auslegungsreif ist, solange weder denkmalrechtliche noch verkehrsplanerische Grundvoraussetzungen für eine „Zufahrt“ vorliegen. m/s

Weitere Informationen:

Mauerparkpläne ohne Zufahrt – 13.5.2013 – Pankower Allgemeine Zeitung

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m/s

One thought on “Groth kreist am Gleimtunnel

  1. Im ersten Moment dachte ich ja an einen verspäteten Aprilscherz.Ist der
    Groth denn überhaupt nicht zu stoppen?Soviel Mist kann man sich ja
    wirklich selten einfallen lassen.Wenn dem Mann wirklich gelingt unsere
    ganze Strassenführung zu ändern dafür glaube ich an nichts mehr.

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