Montag, 23. Oktober 2017
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Heinersdorfer „Hunger“-Habicht gerettet

Habicht in der FU-Tierklinik - Foto: NABU/Hallau

Die Winterzeit in Berlin ist für die einheimischen Greifvögel nicht einfach. Besonder Jungtiere, die im vorherigen Frühjahr aus dem Ei geschlüpft sind sind seit dem Spätsommer auf sich gestellt und müssen ohne die Hilfe erfahrener Altvögel jagen. Einer dieser hungrigen „Grünschnäbel“ wurde in Heinersdorf aufgefunden.

Habicht in der FU-Tierklinik - Foto: NABU/Hallau
Heinersdorfer "Hungerhabicht" in der FU-Tierklinik - Foto: NABU/Hallau

Der junge Habicht war schon fast am Ende seiner Kräfte. Tierfreunde haben ihn im Garten gefunden und suchten nun nach Hilfe, um den „Hungerhabicht“ zu versorgen.

Pechsträhnen machen hungrig

Die jagdlichen Misserfolge führen zu leeren Mägen, trainieren aber. Nach und nach verbessern die jungen Greifvögel ihre Jagdtechnik. Wenn die Pechsträhne allerdings nicht abreißt, wird es dramatisch, da sich der Körper von den eigenen Reserven zehrt. Neben Körperfett werden dann auch Muskeln abgebaut. In der Natur ist dies das Todesurteil, denn es setzt ein Teufelskreis ein: der Vogel braucht dringend Energie, um Muskeln aufzubauen, seine Muskeln sind aber zu schwach zum erfolgreichen Jagen und irgendwann auch zu schwach zum Fliegen und das Tier verhungert kläglich oder wird von einem Fressfeind erbeutet.

In diesem Teufelskreis befand sich Anfang Januar auch ein junges Habichtmännchen in Pankow-Heinersdorf. Nachdem er über einem längeren Zeitraum regungslos von einem Anwohner im eigenen Garten beobachtet wurde, rief er Anfang Januar beim NABU Berlin an, um von einem sehr großen, in Not geratenen Vogel zu berichten.

Transportmittel gesucht

Der Anwohner sah sich leider nicht in der Lage, dem Vogel selbst zu helfen und ihn in einem geschlossenen Karton in die Kleintierklinik der Freien Universität Berlin zu bringen.

Die Kollegen aus der NABU-Wildvogelstation konnten das Tier auch nicht abholen – der Stationswagen war gerade zur Jahresinspektion in der Werkstatt.

So sprangen die Kollegen vom NABU Berlin aus Pankow ausnahmsweise ein. Vor Ort wurde sehr schnell klar, dass es sich um einen fast verhungerten jungen männlichen Habicht handelte, der dringend Hilfe benötigte. Er wurde sicher in einen Karton verstaut und durfte das erste und hoffentlich das letzte Mal in seinem Leben S-Bahn fahren.

Entwarnung nach aufwändiger Pflege

In der Klinik angekommen, wurde der Jungvogel untersucht und gewogen. Während das Röntgenbild keinen Befund ergab, deuteten Körpergewicht und Zustand der Muskulatur auf eine Unterernährung hin.

Die Flugmuskeln hatten sich schon so weit zurückgebildet, dass er bereits flugunfähig war. Bis zum 15. Januar blieb der Habicht zur Beobachtung und zur Zwangsfütterung in der Klinik. Erst dann konnte Entwarnung gegeben werden: das Tier hatte sein Gewicht stabilisiert, sodass die NABU-Wildvogelstation ihn endlich abholen konnte.

Der Habicht wurde in der Wildvogelstation in einer Zimmervoliere untergebracht. Hier ist der Stress minimal, da kein Baulärm – im Außenbereich entstehen zurzeit neue Volieren – ihn stört.

In der Zimmervoliere hingegen kann der Habicht sich mit den angenehmen Dingen des Lebens beschäftigen: Fressen und schlafen.

Sobald er ein Wohlfühlgewicht von mindestens 800 Gramm auf die Waage bringt und somit sicher gestellt ist, dass er in dieser Winterperiode nicht wieder zu verhungern droht, wird der Habicht ausgewildert.

Die Pflege und Wiederauswilderung eines Eulen- oder Greifvogels ist immer kosten- und zeitintensiv. Sie beläuft sich jeweils auf mindestens 300 Euro. Geschäftsführerein Anja Sorges vom NABU Berlin hofft deshalb auf Spenden: „Helfen Sie mit, indem Sie Pate für ein solches Tier, wie diesen jungen „Hungerhaken“ werden!“

Weitere Informationen:

NABU Berlin (Naturschutzbund Deutschland e.V.) Wollankstr. 4, 13187 Berlin-Pankow
Pressestelle, Anja Sorges (verantwortlich, Geschäftsleitung)

presse@NABU-Berlin.de,
Tel. 030-9 86 08 37-17/ -19

Soforthilfe für die NABU-Wildvogelstation per SMS!
Mit 5 Euro einfach helfen: Senden Sie „NABU“ an die 81190.

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m/s