Mittwoch, 16. August 2017
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Herzbericht 2016: Interdisziplinärer Austausch sichert den Behandlungserfolg

Pressefoto des BVMed - Bundesverband Medizintechnologie

Am 25. Januar 2017 wurde der Jahresbericht 2016 der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie in Berlin vorgestellt. Die DGTHG zieht eine positive Bilanz: Interdisziplinäre Herzteams sichern eine bestmögliche Patientenversorgung. Dr. Wolfgang Harringer, erster Vizepräsident der Gesellschaft erklärte: „Trotz des kontinuierlichen Anstiegs des Lebensalters, und den damit einhergehenden Begleiterkrankungen, liegen die Überlebensraten der Patienten dank der kontinuierlichen Weiterentwicklungen bestehender, und Initiierung minimalinvasiver, schonenderer Operationsverfahren, weiterhin bei ca. 97 Prozent.“

Herzchirurg Harringer stellte fest, das die Anzahl der herzchirurgischen Eingriffe in den letzten Jahren mit dem Anstieg von Patienten höheren Alters kontinuierlich zunimmt. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass koronale Herzerkrankungen bei Männern viel häufiger auftreten als bei Frauen. Im Jahr 2015 erhielten beispielsweise zu 78 Prozent Männer und nur zu 22 Prozent Frauen eine Bypass-Operation. Durch vielfältige Behandlungsverfahren und individuell abgestimmten Therapien können heute größere Erfolge verzeichnet werden, als es vorher der Fall war.

Herzteam mit vier Spezialisten
Ein Herzteam besteht heute im Kern aus Herzchirurgen, Kardiologen, Kinderkardiologen und Anästhesisten – die optimale personelle Basis für eine erfolgreiche Patientenbehandlung. Dieses Konzept ist in vielen nationalen und internationalen Richtlinien als wünschenswert festgelegt, zum Beispiel auch in den „Nationalen Versorgungsrichtlinie chronische Koronare Herzkrankheit 2016“.
Gleichzeitig wird auch betont, dass es noch ein hohes Verbesserungspotential hinsichtlich der Behandlung von koronalen Herzkrankheit gibt.

Koronare Herzkrankheiten nach wie vor häufige Todesursache
Die koronare Herzkrankheit ist die häufigste Todesursache in Deutschland und den westlichen Industrieländern. Ablagerungen in den zum Herzen führenden Arterien verursachen Gefäßverengungen bis hin zu Verschlüssen. Die Folge ist eine Mangelversorgung des Herzens mit Sauerstoff. Daraus entstehen Beschwerden, die von Angina pectoris, über Herzrhythmusstörungen bis zum Herzinfarkt reichen.

Bypass bis ins hohe Alter möglich
Bei komplexen Gefäßverengungen ist eine Bypass-Legung die medizinische Indikation. Ein Höchstalter ist für diese Operation nicht festgesetzt. Selbst Patienten in sehr hohem Alter können diese Operation durchführen lassen. 2015 betrug die Anzahl der über 70jährigen, die sich einer Bypass-OP unterzogen 48,4 Prozent aller koronaren Bypass-Patienten.

Die Ergebnisse der fünfjährigen Syntax-Studie bestätigen die vielen Vorteile einer Bypass-Operation. Die betroffenen Patienten profitieren in Bezug auf die größere Beschwerdefreiheit. Auch Überlebenschancen und Lebensqualität haben sich verbessert. Insgesamt wurden 2015 bundesweit rund 52.000 isolierte und kombinierte Bypass-Operationen durchgeführt.

Vorteile für alle Patientengruppen
Von den interdisziplinären Verfahren bei der Behandlung von koronaren Herzkrankheiten haben insbesondere Diabetiker überproportional profitiert. Bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern werden die besten Ergebnisse bei einer engen Zusammenarbeit von Herzchirurgen und Kinderkardiologen erzielt, die bereits seit mehreren Jahrzehnten praktiziert wird.

Auch Patienten mit besonderem Risiko im hohen Lebensalter werden mit koronaren Bypass-Operationen erfolgreich behandelt. Neben den konventionellen Operationsverfahren werden hier auch minimalinvasive kathetergestützte Techniken eingesetzt. Sie bieten eine besonders schonende Behandlungsweise.

Privatdozent Dr. Harringer erklärt dazu: „Die kathetergestützte Aortenklappen-implantation und die transvenöse Clip-Rekonstruktion der Mitralklappe unterliegen in Deutschland besonderen Voraussetzungen und dürfen seit dem 20. Juli 2015 nur nach interdisziplinärem Konsens des etablierten Herzteams mit festgelegten Prozessen und verbindlich definierter Infrastruktur durchgeführt werden.“

Zwei Herzzentren in Berlin
In Berlin gibt es zur Zeit die folgenden zwei herzchirurgischen Zentren:
– Charité – Universitätsmedizin Berlin | Charitèplatz 1 | 10117 Berlin
– Deutsches Herzzentrum Berlin | Augustenburger Platz 1 | 13353 Berlin

Im Deutsches Herzzentrum Berlin wird auch die Chirurgie Angeborener Herzfehler und Kinderherzchirurgie praktiziert.

Weitere Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) | www.dgthg.de

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a/m