Sonntag, 22. Oktober 2017
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Herzlich Willkommen Daheim in München

Leuchtturmprojekte aus Bayern

Die Metropole Berlin ist in vielen Bereichen nur Mittelmaß, oder liegt weit unter dem Durchschnitt aller Bundesländer. Wie lässt sich das ändern? – Die neue Reihe „Leuchtturm-Projekte“ tourt durch die Bundesländer, und sucht vorbildliche und beispielhafte Projekte heraus, und stellt sie vor!

Heute geht es um „Willkommenskultur“ und den stillen Wettbewerb der beiden Weltstädte Berlin und München.

In der Landeshauptstadt München hat sich das Sozialreferat mit seiner „Stelle für interkulturelle Arbeit“ schon im Jahr 2012 mit einer über 100-seitigen Broschüre und einem Plakat umfassend zum Thema „Begrüßung“ befast.

„Herzlich Willkommen … in 43 Sprachen
Daheim in München

Von Albanisch, Amharisch, Arabisch, Assyrisch (Neuostsyrisch), Bosnisch, Chinesisch, Deutsch, Edo (Bini) und Englisch, geht es bis zu den Sprachen Thai, Tigrinya, Tschechisch, Türkisch, Uigurisch, Ungarisch Magyarisch), Vietnamesisch und Yoruba.

Die noch unter Ägide von Oberbürgermeister Christian Uhde (SPD) entstandene Broschüre spricht auf besonders menschliche Art an:

„Daheim sein in München“ sollte mehr sein als nur die Wahl eines Wohnortes. Den Lebensmittelpunkt nach München zu verlegen sollte bedeuten, seinen Platz zu finden in einer Stadt, in der Menschen aus über 180 Nationen gemeinsam leben, arbeiten, feiern und ihre Kinder großziehen. Es sollte sich das Gefühl einstellen, „daheim“ zu sein, ausgelöst auch durch ein klares Bekenntnis der Stadt zu ihren Einwohnerinnen
und Einwohnern, unabhängig davon, wo diese vorher gelebt haben.“

Herzlich willkommen ...
Herzlich willkommen …
Broschüre und Plakat der Landeshauptstadt München 2012

Anerkennung von Interkultur

Uhde hat damit einen ganz persönlichen Ton gefunden:

„„Daheim in München“ soll helfen, sich in unserer Stadt heimisch zu fühlen. Es ist ein Baustein der Umsetzung des Interkulturellen Integrationskonzeptes.
Unser Herzlich-willkommen-Plakat in 43 ausgewählten Sprachen und dieses Begleitheft möchte das Willkommensein und die Vielfalt der in München leben den Menschen und damit die Fülle und den Reichtum der Sprachenvielfalt in dieser Stadt ausdrücken.

Eine wichtige Anmerkung ist auch in der Fußnote zu finden: „Weltweit gibt es nach Schätzung der UNO etwa 200 Nationen, 640 Ethnien und 8 000 Sprachen (Gellner 1991).“

Zu jeder Sprache sind auch wichtige Eigenarten, Verbreitung und die geschätzte Zahl der Sprecher genannt, Zahlen, die heute jedoch nicht mehr aktuell sind und 25 Jahre Bevölkerungswachstum außer Betracht lassen.

Auf der Rückseite der Broschüre findet sich auch eine Weltkarte, die Orientierung gibt, wo welche Sprachen gesprochen werden.

Plädoyer für Mehrsprachigkeit

Dennoch ist es ein wichtige Brevier, in dem auch am Ende ein Plädoyer für Mehrsprachigkeit gehalten wird. Reyhan Kulac schreibt dort:
„Nicht nur in der Slowakei gilt das Sprichwort „Je mehr Sprachen du sprichst, desto mehr bist du Mensch“, sondern aufgrund der Aktualität des Themas nahezu im gesamten europäischen Raum. Das sich wie ein Plädoyer für das Sprachen lernen anhörende Sprichwort verdeutlicht die entsprechende Strategie auf europäischer Ebene und findet sich wieder in der Sprachenpolitik der Europäischen Union und ihrer Rahmenstrategie für Mehrsprachigkeit, Sprachenvielfalt und kulturelle Identität (EU-Kommission 2005). Dort heißt es weiter: „Sprache ist der unmittelbarste Ausdruck von Kultur. Sie macht uns zu Menschen und ist Teil unserer Identität“ (EU-Kommission 2005, S. 2).

Schon 2008 hat München sich entsprechend ausgerichtet:

Grundsatz 4: Sprachkompetenzen im Deutschen und in den Herkunftssprachen sind Schlüsselressourcen von
Integration.“ (Landeshauptstadt München, Sozialreferat, Stelle für interkulturelle Arbeit 2008, S.16).

Interkultur und Vielfalt – das bessere Konzept?

Anders als die in Berlin übliche Perspektive der „Begrüßung“ und „Integration“, setzt die Landeshauptstadt München auf den viel respektvolleren Ansatz der interkulturellen Arbeit. Unter dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister Uhde hat man eine andere Sprache als in Berlin üblich gefunden.
Statt „Institutionen-Sicht“ und „Ansprache einer Gruppe“ werden „Alle“ angesprochen.

Es ist ein Weg, das Bewusstsein sowohl der Zugewanderten als auch der Einheimischen dafür herzustellen und zu schärfen, Teil einer multikulturellen Stadtgesellschaft zu sein.

Zugleich stellt es die Menschen in den Mittelpunkt, und schafft ein Angebot. Es ist eine ganz andere politische Kultur – als übliche Verwaltungs- und Behördensicht in Berlin.

Weitere Information und Download:

Landeshauptstadt München: Herzlich Willkommen – Download-PDF

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