Donnerstag, 17. August 2017
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HKW: Ein Blick auf die andere Karibik

Jacques Schwarz-Bart: Jazz Racine Haïti © Marc Baptiste

Im Rahmen des diesjährigen multimedialen Festivals WASSERMUSIK im Haus der Kulturen der Welt Berlin zeigt das internationale Kulturzentrum ein hierzulande eher weniger bekanntes Bild der Karibik. Karibische Musikalität eroberte in den letzten Jahrzehnten weltweit die Bühnen und Charts. Merengue und Mambo, Dub und Son, Calypso und Konpa, später Reggaeton und Rapso – die musikalischen Innovationen, die in Wellen um die Welt gehen, machen die Karibik zu einer der musikalisch interessantesten Regionen der Welt.

Jacques Schwarz-Bart: Jazz Racine Haïti © Marc Baptiste
Jacques Schwarz-Bart: Jazz Racine Haïti © Marc Baptiste

Vor allem jamaikanische und kubanische Musiker, Komponisten und Ensembles feierten große musikwirtschaftliche Erfolge. Durch ihre Dominanz geriet die Diversität der karibischen Musik ein wenig in den Hintergrund. Die andere Karibik bringt deshalb an vier Wochenenden Musik von Inseln wie Guadeloupe, St. Lucia und Providencia zur Wassermusik, darüber hinaus vom angrenzenden Festland, etwa aus Venezuela, Kolumbien und Mexiko.

Das Festival findet Open air auf der Dachterrasse des Haus der Kulturen der Welt statt, nur bei Regen zieht die Konzertbühne in das Restaurant. Auch das Filmprogramm wird Open air gezeigt.

Impressionen von der Eröffnung © Foto: Laura Fiorio/HKW
Impressionen von der Eröffnung © Foto: Laura Fiorio/HKW

Spielfilme, Dokumentationen und großartige Soundtracks tauchen tief ein in die Wellen und Welten der anderen Karibik. Die Lesungen und Gespräche der zwei Literaturabende umkreisen die französischsprachigen Teile der Inselregion – in Robinsonaden, Irrfahrten und Spielarten des archipelischen Denkens.

An diesem Wochenende erwartet das Publikum zwei interessante und inspirierende Abende im Grünen, am Ufer der Spree.Samstag und am Sonntagabend treten ab 19 Uhr viele hervorragende Musiker auf, das Programm wird jeweils um 22 Uhr mit einem spannenden karibischen Film abgerundet.

Heute stellt der Tenorsaxofonist Jacques Schwarz-Bart eine musikalische Kombination aus Gwoka Jazz und Vodou vor. Nachdem er für Größen wie Roy Hargrove, Meshell Ndegeocello, oder Chucho Valdes gearbeitet hatte, startete er seine Solo-Karriere. Dabei verbindet er die traditionellen Musik seiner Heimat Guadeloupe mit Jazzharmonien und erzeugt dadurch eine betörende Stimmung zwischen New Yorker Jazz-Bar und erhebender Spiritualität.

Bituin - Puppen: Nicov Botelladearroz Foto: Valentina Annez
Bituin – Puppen: Nicov Botelladearroz
Foto: Valentina Annez

Danach stellen zwei Geschwisterpaare aus Bogotá, Bituin, das klassische Cantautor-Genre auf den Kopf und übersetzen es in Neue Musik. Sie experimentieren mit der Musik von Größen wie Violeta Parra, Astor Piazzolla oder Chabuca Granda. Der eindringliche, oft schwebend-dissonanten Gesang der Schwestern Juanita und Valentina Añez wird untermalt von jazziger Perkussion und einem funky Kontrabass.

Der Abend klingt aus mit dem Film von Raoul Peck, Meurtre à Pacot / Mord in Pacot. Er spielt in der Zeit nach dem großen Erdbeben in Port-au-Prince, im Jahr 2010. Der Film lehnt sich dabei an Pasolinis Klassiker Teorema – Geometrie der Liebe (1968). Thema sind die selbstzerstörerischen Überlebensstrategien seiner Helden in der ausgehebelten Gesellschaftsordnung Haitis.

We all Break © Wes Orshoski
We all Break © Wes Orshoski

Am Sonntag Abend stehen die beiden Klangkünstler, die Gebrüder Teichmann, auf dem Programm.
Zwei Wochen lang inszinierten sie mit Can „Khan“ Oral ein Soundcampim mexikanischen Malinalco. Zusammen mit Elektro-, Noise- und Rockmusiker*innen aus Mexiko, Panama, Costa Rica und Guatemala formten sie dort die Band Mondmaschine. Mit dem Videokunst-Duo +viral inc. entstand ein surreal-poetische Musikfilm, der
als Film und Soundtrack live im Haus der Kulturen gezeigt wird.

Das zweite Ensemble des Abends ist „We All Break“, das sich um Ches Smith, einen bekannten Schlagzeuger der New Yorker New-Jazz-Szene formiert hat. Er schrieb Jazz-Kompositionen für Schlagzeug und Klavier auf der Grundlage haitischer Rhythmusstrukturen. Zusammen mit Daniel Brevil und Markus Schwartz, Meistern an der Rada- und der Petwo-Trommel, sowie dem Jazz-Pianisten Matt Mitchell kreiren We all Break eine ganz eigene vielschichtig nuancierte und verspielte musikalische Sprache.

Der Open air Abendfilm am Sonntag gibt Einblick in den Kosmos des exzentrischen Dub-Pioniers Perry. Der Filmemacher Volker Schaner hat den exzentrischen Künstler fünfzehn Jahre lang begleitet, nach London, Äthiopien, Jamaika und in ein schweizerisches Bergdorf.

Gesamtprogramm HKW – Wassermusik | Die andere Karibik

08. — 30. Juli 2016 – Veranstaltungen finden vor allem an den Wochenenden statt

Tickets für zwei Konzerte und einen Film: 16 € | 12 €
Nur Film: 6 € | 4 €

Haus der Kulturen der Welt | John-Foster-Dulles-Allee 10 | 10557 Berlin-Mitte | www.hkw.de

KulturEins
KulturEins | Kunst und Kultur in Berlin: www.kultureins.de

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