Donnerstag, 19. Oktober 2017
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Holzbauten statt Container in Konz

Leuchtturmprojekte aus Rheinland-Pfalz

Die Metropole Berlin ist in vielen Bereichen nur Mittelmaß, oder liegt weit unter dem Durchschnitt aller Bundesländer. Wie lässt sich das ändern? – Die neue Reihe „Leuchtturm-Projekte“ tourt durch die Bundesländer, und sucht vorbildliche und beispielhafte Projekte heraus, und stellt sie vor!

Die zweite Reise führt nach Konz (von lateinisch Contionacum), eine Stadt im Landkreis Trier-Saarburg im sozialdemokratisch regierten Bundesland Rheinland-Pfalz.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat im letzten Jahr ein „Bündnis für bezahlbares Wohnn und Bauen in Rheinland-Pfalz“ ins Leben gerufen, und den Stellenwert des Wohnens betont: „Wohnen ist ein soziales Gut. Es ist für die Lebensqualität und die gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen von elementarer Bedeutung. Ich bin froh, dass wir in Rheinland-Pfalz gemeinsam mit allen Akteuren an einem Strang ziehen. Wir wollen bezahlbaren Wohnraum schaffen, gerade auch in angespannten Wohnungsmärkten“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer am 15.12.2015.

Anders als in Berlin, das von einem fachfremden Bausenator regiert wird, setzt man in Rheinland-Pfalz auf eine breite fachliche Basis des Mittelstands:

„Um zügig zu Lösungen für guten, preiswerten und für viele Standorte anwendbaren Wohnungsbau zu kommen, haben Architektenkammer, Kommunale Wohnungswirtschaft und Kommunale Spitzenverbände ein Konzept zur Durchführung eines Ideenwettbewerbes entwickelt. Ziel ist es, über vorgefertigte, serielle Bauelemente den Wohnungsbau – ohne Qualitätsabstriche – zu beschleunigen.“

Ferner setzt man auch auf soziale Wohnraum-Förderung und Investitionsanreize und fördert damit auch private Vorhaben.

Eines der Ergebnisse dieses Wettbewerbes ist heute in der Stadt Konz zu besichtigen. Es sind Typen-Holzhäuser, die auch bei Bedarf an einen anderen Standort versetzt werden können, und eine sehr viel höhere Lebensdauer und Wohnqualität aufweisen, als etwas sogenannte „tempohomes“ in Berlin. Ähnlich wie im Bundesland Bayern ist die Baufertigstellung in rund 12 Wochen möglich.

Holz-Typenbauten in Konz
Holz-Typenbauten in Konz – Foto: KOMMUNAL. DStGB

Der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz e.V. (GStB) hat mit seiner Tochtergesellschaft Kommunalberatung zusammen mit der Stadt und Verbandsgemeinde Konz sowie mit Unterstützung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes die Architektengemeinschaft Manfred Müller und Partner / Gerd Kintzinger aus Trier gebeten, ein Holzbaumodul als Wohnhaus für Flüchtlinge zu entwickeln.

Gegen eine Schutzgebühr von 682 Euro werden die Bauunterlagen allen interessierten Kommunen zur Verfügung gestellt. Die Planungskosten werden so erheblich reduziert. Nur das örtliche Genehmigungsverfahren muss durch einen lokalen Architekten begleitet werden.

Die Holzbauten amortisieren sich auch binnen zwanzig Jahren, und werden zum Teil von der Gemeinde als Bauherr finanziert. Die Bauvergabe an die örtliche Bauwirtschaft sorgt auch für eine Stärkung der regionalen Wirtschaft.

Die Zeitschrift KOMMUNAL stellt das Projekt ausführlich und in Bildern vor.

Christian Erhardt-Maciejewski | 1.6.2016 | KOMMUNAL
Integration ist auch Stadtentwicklungspolitik

Der Autor von KOMMUNAL sieht hier auch eine „moderne Verbindung von Stadtentwicklung und Integrationspolitik“.

Leuchtturmprojekt-Award – das Urteil der Redaktion

Rheinland-Pfalz hat sich ähnlich wie Bayern auf die Vorgaben des Bundesbauministeriums eingestellt, und anstelle von „Sonderbauprogrammen“ für Flüchtlinge durchgängige Konzepte zum sozialen Wohnen in Gang gesetzt.

Mit den Holz-Typenhäusern werden Flüchtlingsunterbringung und soziale Stadtentwicklung gleichermaßen möglich. Überdies können die Häuser viel länger genutzt werden. Experten schätzen mindestens 20-30 Jahre bis zur möglichen Teilsanierung. Damit wird eine Lebensdauer eines Fertighauses erreicht.

Zum Vergleich: Die in Berlin georderten „tempohomes“ sollen nur drei Jahre lang genutzt werden und haben eine maximale Lebensdauer von nur etwa 10 Jahren. Bei vergleichbaren Kosten entsteht somit ein immenser Wertverlust. Experten von pro Asyl sehen auch bei den „tempohomes“ den Grundsatz für „gesunde Lebens- und Wohnverhältnisse“ verletzt.

Fazit: Die Typen-Häuser in Konz sind ein Leuchtturmprojekt, von dem sich andere Bauherren und Bundesländer einiges abschauen und übernehmen können! Statt Sonderprogrammen für große Bauträger und Betreiber setzt eine sozialdemokratische Ministerpräsidentin auf eine durch und durch mittelständische Lösungsstrategie, die soziales Wohnen und Integration verbindet.

Weitere Informationen:

Großes Lob für Konzer Holzhäuser: Wohnraum für Flüchtlingsfamilien ist fast fertig – Volksfreund 26.4.2016

Das Foto der Holztypen-Bauten in Konz wurde von der Redaktion von KOMMUNAL. DStGB zur Verfügung gestellt.

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m/s