Sonntag, 22. Oktober 2017
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Hufelandschule mit Modularen Schulergänzungsbau

Modularer Ergänzungsbau (MEB)

Die Hufeland-Schule in Berlin-Buch hat gestern den Neubau eines Modularen Schulergänzungsbaus eingeweiht. Zur Einweihung waren der Staatssekretär für Bauen und Wohnen, Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, und die zuständige Stadträtin für Soziales, Gesundheit, Schule und Sport, Lioba Zürn-Kasztantowicz gekommen. Ebenfalls mit dabei: Christine Keil, Stadträtin für Jugend und Facility Management, sowie Jens-Holger Kirchner, Stadtrat für Stadtentwicklung.

Modularer Ergänzungsbau (MEB)
Modularer Ergänzungsbau (MEB) Hufelandschule in Berlin Buch – Foto: P. Dohmke

Der im besten Bürokraten-Deutsch formulierte Begriff „Modularen Schulergänzungsbau (MEB) ist eine typische Berliner Erfindung, die auf den Nichtbaufachmann Andreas Geisel zurückgeht, der als damaliger Baustadtrat in Berlin-Lichtenberg nach schnellen Baulösungen zu realisierbaren Festpreisen suchte.

Modulare Schulergänzungsbauten bestehen jedoch nicht aus „Bau-Modulen“ und fertigen Raumzellen, sondern aus industriell vorgefertigten Systembauteilen für Außenwand, Zwischenwand, Fensterwand und Tür- und Technikwänden. Sie sind deshalb, schnell, wirtschaftlich und vor allem schlüsselfertig zu Festpreisen herstellbar.

Das Unternehmen GOLDBECK aus Bielefeld hat diese Bauweise ursprünglich für Bürogebäude, Hallen und Parkhäuser entwickelt, und bietet die sehr flexibel aufeinander abstimmbaren Systembauteile heute für eine Vielzahl von Einsatzwecken an. Schulbauten, Flüchtlingsheime und Seniorenheime werden nach dem System gebaut.

Nachteil: die Vorfertigung erfordert lange Vorlaufzeiten in der Produktion – die Bauteile werden nach Bauteilkatalog gefertigt, gelagert, zur Baustelle geliefert und sofort montiert. Das kann zu Versäumnissen führen, wenn nachträgliche Änderungen eintreten.

Energiesparend konzipiert – Belüftung konventionell

Der neue dreigeschossige Schulneubau ist barrierefrei konzipiert. Er enthält 24 Klassen- und 12 Gruppenräume, dazu gibt es die erforderlichen Lehreraufenthaltsbereiche, sanitäre Anlagen und einen Aufzug. Das moderne Gebäude erfüllt den Berliner Energiestandard und unterschreitet den Referenzwert beim Primärenergiebedarf um rund 33 Prozent.

„Modulare Schulergänzungsbauten sind ideal, um schnell und kostengünstig auf die Herausforderungen der wachsenden Stadt reagieren zu können. Aus diesem Grund unterstützt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt aus Mitteln der Städtebauförderung die Bezirke, um den erheblich gestiegenen Bedarf an Schulplätzen kurzfristig decken zu können“, sagte der Staatssekretär für Wohnen und Bauen, Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup bei der Einweihung.

Was nicht optimiert wurde: die Belüftung der Klassenräume geschieht über Kippfenster. An windstillen Tagen kann es daher auch schon einmal zu stickiger Luft im Klassenraum kommen. Beschwerden von anderen MEB sind schon bekannt.

Plattenbau-Schule abgerissen – MEB neu gebaut

Nach einer Teilsanierung des leerstehenden Doppelschulstandorts in der Walter-Friedrich-Straße war die Integrierte Sekundarschule 2011 dorthin umgezogen. Nach eingehender Prüfung entschied sich das Bezirksamt Pankow, den bisher nicht erneuerten Plattenbau aus den 1980er Jahren abzureißen, da er nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren war. Zur Schaffung der fehlenden Unterrichtsräume wurde auf diesem Grundstück ein dreigeschossiger MEB mit 24 Unterrichtsräumen errichtet.

Der MEB-Standard wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft entwickelt. Für die Hufeland-Schule wurde dieser MEB-Standard in Abstimmung mit dem Bezirksamt Pankow an den Standort angepasst.

Nicht angepasst: WC-Anlagen und Körpergröße der Schüler

Die Aussschreibung für die Modularen Schulergänzungsbauten liegt schon Monate zurück. Der Bauträger Golbeck Bau Ost GmbH hatte wie gefordert Grundschulen mit Grundschulausstattung angeboten. Inzwischen wurden erfolgreich mehrere Grundschulstandorte mit MEB bebaut, wie etwa in der Mendel-Grundschule in Pankow (Modulare Schulergänzungsbauten | 14.8.2014 | Pankower Allgemeine Zeitung)

Und so ist eine dicke Panne in der Hufelandschule passiert, wie sie wohl nur mit Modulbauten und Schulbürokraten passieren kann:
Für die Hufelandschule wurde praktisch eine „Grundschule“ für eine Integrierte Sekundarschule geliefert. Die Raumhöhen und Türgrößen passen schon, aber in den WC´s hängen die Urinale und Waschbecken zu tief.

Peinlich für die zuständige Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD), für die Stadträtin für Jugend und „Facility Management Christine Keil (DIE LINKE), und für den für Baugenehmigungen zuständigen Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Grüne).
Man kann sich schon die nächste „schulbürokratische Krisensitzung“ bildhaft vorstellen, in denen dann neue Namen für „Modulare Schulergänzungsbauten gefunden werden müssen: MEB-G (Grundschule), MEB-IS (Integrierte Sekundarschule) und MEB Gym (Gymnasium).
Noch problematischer wird es, wenn man dann nachprüft, welche BVV-Beschlüsse zu Unisex-Toiletten und zur geschlechterneutralen WC-Kennzeichnung man eigentlich noch in dem Neubau umsetzen muss.

Immerhin: es wird eine Lösung geben! Der Generalbauunternehmer wird nachbessern und nachrüsten. Dazu gehört auch die Ausstattung von einigen Zwischenwänden, um Schränke und interaktive Whiteboards installieren zu können.

Schulleiterin Manuela Gregor und ihr Lehrerkollegium sind „not amused“, weil sich nun keine erhoffte problemlose Inbetriebnahme realisieren lässt. Auch Baufachleute können nun hinzulernen: Schlüsselfertig heisst nicht automatisch „pinkelfertig“!

Weitere Informationen:

www.goldbeck.de

Siehe auch:
Susanne Vieth-Enthus | Berlin-Buch: Posse in Pankow: Schulklos sind zu niedrig | 29.4.2016 | TAGESSPIEGEL

www.stadtentwicklung.berlin.de/staedtebau/foerderprogramme/stadtumbau/Hufeland-Schule-MEB.7391.0.html

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m/s