Sonntag, 20. August 2017
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IKEA setzt auf Touchpoints

IKEA Touchpoint - Concept

Der Online-Handel und die mobile Revolution des Internets sorgen für verändertes Kaufverhalten. Das neue Zauberwort im Handel: Omnichannel-Präsenz: „der Einkauf wird überall möglich!“ Nicht mehr die Größe einer Filiale ist entscheidend, sondern die Zahl der Berührungspunkte, „Touchpoints“ mit dem Kunden. Das von Anne M. Schüller veröffentlichte Konzept des „Touchpoint-Marketing“ setzt sich immer mehr durch. Die großen Handelsketten in Deutschland stellen sich dem neuen Trend, denn in ihren Geschäften kann der Kunde jederzeit sein Smartphone zücken, und auch bei der Konkurrenz Preise vergleichen und online bestellen.

IKEA Touchpoint - Concept
IKEA Touchpoint mit 800 Quadratmetern Fläche – Grafik: IKEA Press release

Ein weiterer Trend beginnt im Markt zu wirken: das Einkaufen mit dem eigenen Auto wird immer unattraktiver. Schon 47% aller weiblichen Verbraucher haben Möbel und anderes sperrige Güter online gekauft. Bei den Männern sind es schon 37%. OTTO-Versand kalkuliert schon jetzt allein in Hamburg mit jährlich 6,5 Millionen „2-Mann-Auslieferungen“ für sperrige Güter wie Möbel und Hausgeräte.

Trend zu kleineren Läden

Die Handelsketten experimentieren inzwischen mit Läden im Mini-Format. Rewe hat mit NAHKAUF sein Händlernetz erheblich ausgeweitet. NETTO zieht inzwischen nach. Jüngstes Beispiel ist die Elektronikkette Media Saturn, die am Berliner Hauptbahnhof Ende Mai einen neuen Media Markt mit nur 800 Quadratmetern Verkaufsfläche eröffnet hat.
Der Media-Markt ist damit nur ein Drittel so groß wie eine bisherige Filiale. Das Schwesterunternehmen Saturn plant sogar, mit seinen neuen „Saturn Connect“-Märkten mit nur 300 bis 700 Quadratmetern auskommen, und beginnt damit das Geschäftsmodell der sächsischen Firma CYBERPORT zu kopieren, die ihr Filialnetz erfolgreich ausgeweitet hat.
IKEA zieht nun bei dem Trend mit und baut kleine Filialen mitten in der Stadt. Der schwedische Möbelgigant Ikea hat sein Konzept IKEA Touchpoints zuerst in Japan gestestet und damit begonnen, zusätzlich zu den klassischen Einrichtungshäusern auf der grünen Wiese kleine Möbelmärkte einzurichten.

Das neueste Bestell- und Abholcenter von IKEA in Ravensburg hat nur 800 Quadratmeter Fläche, so viel wie ein Supermarkt in Nahversorgungslage. Auf dieser Fläche sind neben einem kleinen Ausstellungsbereich vor allem Beratungsangebote sowie Bestellmöglichkeiten und ein dient Abholpunkt für online georderte Ware zu finden.
Interessant: der IKEA Touchpoint bringt eine Flächenverdichtung und hat höhere Quadratmeter-Umsätze als die bisher bekannten IKEA-Märkte mit rund rund 25.500 Quadratmeter Verkaufsfläche.

IKEA CityStore in Hamburg-Altona
IKEA CityStore in Hamburg-Altona – ein Möbelhaus für die Stadtmitte – Foto: Pressefoto

Werden große Möbelhäuser zu Dinosauriern?

Die in Gang gekommene Entwicklung sorgt für eine schleichende Revolution im Möbelhandel, denn „versandkostenfreie“ 2-Mann-Auslieferung per Kurierdienst bietet einen kaum überbietbare Komfort für die Kunden: die Ware kommt bis in die Wohnung und wird sogar montiert. IKEA schafft auch seine großen blauen Mehrwege-Einkaufstüten ab – ein unträgliches Zeichen für einen tiefgreifenden Wandel.

In einem Interview der Zeitschrift absatzwirtschaft erläutert Heiko Klauer, Country Marketing Manager bei Ikea, die Omnichannel-Strategie des Möbelhauses: er sieht die Omnichannel-Strategie als Gesamtverantwortung des Unternehmens. „Es ist keine Funktion, sondern eine Einstellung. Wenn man Omnichannel über Funktionen abbildet, wird das nicht funktionieren, weil man in Prozessen denken muss. Wenn man den Kunden in den Mittelpunkt stellt und fragt, wie und über welchen Kanal er einkauft und wie die Kanäle zusammenspielen, dann kann es nicht die Funktion oder die Abteilung geben, die dafür verantwortlich ist.“

Die Entwicklung könnte sogar noch viel weiter gehen: hin zu Showrooms mit Augmentet Reality, die die präsentierten Waren gar nicht mehr vorrätig haben, sondern nur zum Anschauen und Ausprobieren zeigen. Die Bestellung erfolgt dann durchgängig online – die Lieferung geht direkt zum Kunden nach Hause. „Dafür reicht deutlich weniger Platz im Möbelhaus – der heute noch benötigt wird.“
In der Stadtplanung wird das neue Konzept der IKEA Touchpoints kaum auf Hindernisse stoßen, denn die Genehmigungsvoraussetzungen sind ortsüblich überall dort vorhanden, wo es Einzelhandelskonzepte und bereit bestehende Supermärkte gibt.

Überdies werden im Lebensmitteleinzelhandel potentielle Standorte frei: Supermärkte mit 800 Quadratmetern Fläche werden durch Märkte mit 1.500-2.500 Quadratmetern ersetzt.

Die großen Möbelhäuser werden damit in den kommenden Jahren wichtige Umsatzanteile verlieren, und müssen sich selbst eigene „Omnichannel-Strategien“ aufbauen. Auch das Projekt am Pankower Tor muss an die Entwicklung angepasst werden.

Mehr Transparenz und Preiswettbewerb im Möbelmarkt

In Deutschland gibt es zahlreiche namhafte Möbelhersteller, doch ihre Marken und Firmennamen sind oft nicht bekannt. Nur die großen Desigern-Marken schaffen es, dem Möbelhandel ihren „Stempel“ aufzudrücken. Marken wie BENZ, Hülsta sind praktisch bundesweit bekamnt.
In Möbelhäusern wird meist ungern der Hersteller preisgegeben, der hinter den Sitzgarnituren, Schränken, Küchen, Stühlen und anderen Möbeln steckt. Als Verbraucher könnte man nun auf den Gedanken kommen, nach Testberichten im Internet zu suchen, doch „es gibt sie nicht!“.
Zwei Insider und Aussteiger aus dem Möbelhandel berichten:

Sie finden nirgendwo Testberichte (Ausnahme: Matratzen und Lattenroste), an denen Sie sich orientieren können – denn es gibt sie weder von der bekannten „Stiftung Warentest“, noch von irgendeiner anderen seriösen Zeitschrift oder Institution. Warum das?

Weil weder die Möbelhersteller – und erst recht nicht die Möbelhäuser – daran interessiert sind, dass Sie einen Qualitäts- und Preisvergleich anstellen … im Gegenteil!“

Ihr Buch „Clever Möbel kaufen – der Bestseller von Heinz G. und Olaf Günther zum Thema Möbelkauf – ist gerade in der zehnten Auflage erschienen und verrät für nur 20 € alle Tricks der Möbelhändler, wie man Rabattfallen und Tiefpreisgarantien umgeht, Qualitätsmängel entdeckt und wie man dem Ärger mit Mängeln und Widerruf per Formbrief aus dem Weg geht.

Vor allem aber zeigen die beiden Insider die Besonderheiten beim Möbelkauf in punkto Sonderangebote, Rabatte und den Preisvergleich – sowie die 9 wirksamsten Verkaufstricks der Händler.

Bei Online-Bestellung gibt es noch zwei Gratis-E-Books mit den Adressen und Links von über 700 Möbelherstellern und zum Möbel-Werksverkauf, die vier- und fünfstelligen Einsparungen beim Möbel- und Küchenkauf möglich machen!

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www.clevermoebelkaufen.de

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