Donnerstag, 19. Oktober 2017
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Im Gespräch: Luciano Floridi

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Unsere Welt und Umwelt verändert sich. Internet und Medien und das Internet der Dinge verändern auch das Verhältnis zwischen dem Indiviuuum und seiner erfahrbaren Umwelt. Dies wirkt auf unser Denken zurück – folglich muss sich auch unsere erfahrene Realität und das Denken über Realität verändern.

In einem Gespräch mit dem italienischen Daten-Philosophen Luciano Floridi spüren Katharina Laszlo und Friedemann Bieber den Veränderungen nach stellen wichtige Fragen, die unsere Selbstwahrnehmung betreffen.

Frage: „Das Gefühl der Editierbarkeit und Umkehrbarkeit bringt also eine Art Kurzsichtigkeit mit sich?

Floridi: „Ja, und ein schwindendes Gefühl der Verantwortung, eine Unterschätzung der Gefahr, einen Punkt zu erreichen, an dem sich etwas nicht mehr rückgängig machen lässt. Jedes Kind, jede Frau, jeder Mann, der im Mittelmeer ertrinkt, ist so ein Wendepunkt.“

Floridi verweist auf mögliche politische Implikationen, die unser Zeitgefühl und unsere Möglichkeiten beschränken.

„Es gibt da einen wunderbaren Essay von Nietzsche, „Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“. Nietzsche weist darauf hin, wie die Geschichte unser Denken über die Zukunft einschränkt, unsere Fähigkeit, Dinge neu zu sehen. Jedes Mal, wenn wir vorwärts schreiten, bleibt weniger Freiraum fürs Denken. Es gibt mehr Einschränkungen, es wird schwieriger, sich nicht all dessen bewusst zu sein, was geschrieben, gesagt und versucht wurde. Wir werden alt, als Menschheit.“

Mehr nachzulesen in:
Luciano Floridi „Wir brauchen eine neue Definition der Realität“
FAZ | 6.10.2015 | im Gespräch mit Katharina Laszlo und Friedemann Bieber

Who is L.F.?
Luciano Floridi (* 16. November 1964 in Rom) ist ein italienischer Philosoph, der maßgebliche Beiträge zur Informationsethik und zur Philosophie der Information geleistet hat. Er studierte Philosophie an der Universität La Sapienza in Rom, danach an der Universität von Warwick (Großbritannien) und promovierte hier 1990. Nach Lehr- und Forschungsaufträgen an verschiedenen Hochschulen wird Floridi im Jahr 2008 auf den Forschungslehrstuhl für Informationsphilosophie der Universität von Herfordshire sowie auf den UNESCO-Lehrstuhl für Informationsethik und Computerethik berufen. Er ist außerdem Fellow am St. Cross College der University of Oxford.
Seit 2014 gehört Floridi einem honorarfreien Beirat mit insgesamt acht externen Experten aus europäischen Ländern an, den Google Inc. zur Umsetzung des EuGH-Urteils vom 13. Mai 2014 zum Recht auf Vergessenwerden gründete. Der Beirat soll den Suchmaschinenbetreiber bei der Erarbeitung eines Lösch-Leitfadens beraten.

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m/s