Donnerstag, 23. März 2017
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Im Zweifel für
die Zauneidechsen

Zauneidechse (Lacerta agislis)

Im Oktober 2014 klagte der NABU Berlin gegen das Land Berlin, um das Abfangen der streng geschützten Zauneidechsen vom Gebiet des ehemaligen Rangierbahnhofs Schöneweide zu stoppen. Die Naturschützer kritisierten den „Fang ohne jeglichen Grund“ und klagten erfolgreich gegen die fehlende Beteiligung der Naturschutzverbände.

Zauneidechse (Lacerta agislis)
Zauneidechse (Lacerta agislis) – Foto: NABU/Gehring

Damit war das Thema zwar nicht vom Tisch, doch eine umfangreiche Diskussion mit der Bahn und der Obersten Naturschutzbehörde wurde in Gang gesetzt, was nun zu einem überraschenden Erfolg für den Naturschutz führte.

Rückzug
Die Nachricht aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt war so kurz wie eindeutig: „(…) der (o.G.) Antrag auf Ausnahmeerteilung wurde soeben zurückgenommen. (…)“ Damit war der Antrag der Deutschen Bahn gemeint, eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für das Abfangen der Zauneidechsen von der Gleislinse in Schöneweide zu erhalten. Zuvor hatte der NABU Berlin in verschiedenen Gesprächen deutlich gemacht, dass sie es sowohl rechtlich als auch artenschutzfachlich für äußerst bedenklich halten, Flächen von Zauneidechsen zu „beräumen“, ohne dass ein konkreter Bebauungsplan, geschweige denn ein Kaufinteressent für eine der Flächen vorhanden wäre. Auch zog der NABU Berlin in Zweifel, ob die vorgesehenen Zielflächen alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsiedlung erfüllten. Ähnliche Zweifel scheinen nun auch der Deutschen Bahn gekommen zu sein.

Artenschutz-Engagement auf DB-Flächen gefordert
Die Flächen der Deutschen Bahn sind aufgrund ihrer Struktur häufig ein interessanter Lebensraum für Zauneidechsen oder andere, an Wärme, Trockenheit, Sand, Steine und lockere Grasvegetation angepasste und meist selten Arten. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass sich auf der Fläche des ehemaligen Rangierbahnhofs Schöneweide die FFH-Anhang IV-Art Zauneidechse angesiedelt hatte und eine Population von mehr als 1.700 Stück aufbauen konnte – die größte Ansammlung in Berlin bislang.
„Eine Gewerbefläche von rund 40 Hektar ist nicht von heute auf morgen bebaut“, kritisiert Anja Sorges, Geschäftsführerin und Pressereferentin das Vorgehen der Deutschen Bahn. „Einfach Zauneidechsen umsiedeln – was schon schwer genug ist – und darauf hoffen, dass die Fläche sich nicht in den nächsten fünf Jahren wiederbesiedelt, entspricht nicht unseren Erfahrungen.“ Schon früh schlug der NABU Berlin vor, in diesem großen Gebiet ein Nebeneinander von Mensch und Natur zuzulassen.

DB-eigenes Konzept notwendig
„Die Fläche ist dafür absolut geeignet“, betont Sorges. „Da die Deutsche Bahn auch zukünftig mit den Themen Zauneidechse und Erhalt ihrer Habitate wird umgehen müssen, fordern wie sie auf, ein eigenes Ausgleichskonzept unter Berücksichtigung ihrer eigenen Flächen zu entwickeln. Gerne stehen wir dafür als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung.“
Text: Anja Sorges und Ulrike Kielhorn – NABU-Berlin.

Weitere Informationen:

NABU Berlin e.V. | Wollankstr. 4 | 13187 Berlin Pankow | www.nabu-berlin.de

“Solidarisches Berlin” – aber ohne “Zauneidechsen” | 11.10.2014 | Pankower Allgemeine Zeitung

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m/s