Donnerstag, 14. Dezember 2017
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Je suis Charlie

Kommentar /// – Der feige Terroranschlag auf die Redaktion und die Autoren des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ macht tief betroffen. Den Opfern und Angehörigen gehören auch mein Mitgefühl und Mitleid.

Der Terroranschlag sorgt für eine weitreichende Betroffenheit, weil höchste zivilisatorische Errungenschaften neu auf den Prüfstand und auf eine harte Probe gestellt werden: Freiheit, Sicherheit und Zuversicht.

Die ganz persönliche Betroffenheit wird durch zeitliches Zusammentreffen und das Engagement mit besonderen Themen der letzten Wochen verstärkt:

Vor wenigen Tagen wurde über „Toleranz und Schlagworte“ geschrieben. Wenige Tage vor Weihnachten wurde von der Initiative “KULTURGUT-Französisch Buchholz-BIENCULTUREL“ berichtet – und ein Hinweis auf die französische Geschichte gegeben, die so wichtige Errungenschaften wie Freiheit und Toleranz erst nach blutige Kämpfen und Religionskrieg hat hervorbringen können.

Ein neuer Hinweis auf die Austellung “L’hôtel particulier à Paris” im Architekturzeichnungsmuseum wurde veröffentlicht. Und erst am vergangenen Montag war das „FranceMobil“ in der Grundschule Wilhelmsruh.

Auch entstand die Idee, der „Auberge de Berlin“ eine Inspiration, die aus einer persönlichen Verbundenheit mit der französischen Sprache und persönlich erlebter Gastfreundlichkeit entstand, die ich in Frankreich erleben konnte.

Am letzten Montag war auch der Pankower Neujahrsempfang, und in einigen Gesprächen wurde über neue Pläne für 2015 gesprochen.

Eines der geplanten Themen dieses Jahres: „Interreligiöser Dialog“, um Gedanken, Diskussionen und neue Akzente in aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen zu setzen.

Am letzten Dienstag kam der Suhrkamp-Newsletter mit aktuellen Buchneuerscheinungen, ein Rezensionsexemplar des neues Buches von „Mahmoud Bassiouni: Menschenrechte zwischen Universalität und islamischer Legitimität“ wurde im Verlag angefordert. Es wird vermutlich erst heute oder morgen in der Post sein.

Am Mittwoch die Meldung vom Terroranschlag in Paris, ein Schlag der tiefe Gefühle und Gedanken auslöste. Unmöglich, keinen Kommentar zu schreiben, unmöglich, sich nicht öffentlich zu persönlicher Betroffenheit zu äußern.

Die Achtung vor den Toten, und die nur dürftige und ferne Nachrichtenlage ließen mir dennoch Besonnenheit als allein angemessene Haltung erscheinen.

Sind die Pressefreiheit und Freiheit in Gefahr, wenn Kriminelle oder Verrückte Menschen aus persönlichen Motiven töten? Nein? Gab es ein politisches Bekennerschreiben – ein politischer Erklärung? Nein? War es überhaupt ein „islamistischer Anschlag“, oder waren es politische Irrläufer, die etwas für sich reklamierten? Die Frage ist noch offen.

Ist es möglich, inne zu halten, und erst Abzuwarten, bis ein Kommentar geschrieben wird? Ist es möglich, abzuwarten, bis die Toten begraben und letztes Geleit erfahren haben?

Ich nehme mir die Freiheit, abzuwarten, denn das Buch von Mahmoud Bassiouni möchte ich erst lesen können. Über Zuversicht kann erst geschrieben werden, wenn Überblick hergestellt ist, und ein Urteil über das Geschehene möglich wird.

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Unter den von mir bereits gelesenen Kommentaren in anderen Medien möchte ich jedoch zwei Kommentare weiterempfehlen:

Malte Lehming: „Durch das Massaker bei „Charlie Hebdo“ dürfen wir uns nicht mundtot machen lassen!“

Anschlag auf „Charlie Hebdo“ in Paris: Jetzt müssen wir zu unseren Werten stehen! 07.01.2015 von Malte Lehming.

Und ein zweiter Kommentar erreichte mich per Newsletter des Handelsblatt: Gabor Steingart warnte: „Zwei Gefahren lauern, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit auf dieselbe abschüssige Bahn führen: Die Kultur der publizistischen Verzagtheit und die Lust am Zurückschlagen.“

Und seinen nachfolgenden Worten möchte ich erst mit einigem zeitlichen Abstand etwas hinzufügen:

„Die Extreme aller Länder sind heute Morgen in Empörung vereint. Munter wird das Abendland gegen das Morgenland, der Islam gegen das Christentum, das Fremde gegen das Bekannte in Stellung gebracht. Man könnte meinen, Pegida, Front National und die Salafisten arbeiten in derselben Munitionsfabrik. Ihr Ziel: Der religiöse Kulturkampf, ein Re-Import aus dem Mittelalter, soll auf den Marktplätzen des 21. Jahrhunderts ausgetragen werden.

Doch die Pressefreiheit wird nicht mit der Kalaschnikow verteidigt. Wir dürfen nicht zurückhassen. Die Kriegserklärung, die uns islamische Extremisten zur Unterschrift vorlegen, muss unsigniert bleiben. Journalistische Unabhängigkeit verbietet den Vergeltungsschlag. Eine Zeitungsredaktion ist eben nicht die Fortsetzung des Kulturkampfes mit publizistischen Mitteln.

Die andere Gefahr ist das Angsthaben und das Flüchten in die Fabelwelt der Political Correctness. Ein Journalist, der Probleme, auch solche der Ausländerintegration und der Zuwanderer-Kriminalität, nicht mehr Probleme nennt, der mit getönter Brille die Wirklichkeit bereist, macht sich selbst überflüssig. Unsere Rolle im großen Gerichtssaal des Lebens ist so vielfältig wie eindeutig: Wir sind manchmal Ankläger und manchmal Richter. Aber immer sind wir Zeuge.“

„Und manchmal sind wir leider auch Opfer. Wir trauern um Chefredakteur Stéphane Charbonnier und seine Mitarbeiter, die für die Pressefreiheit ihr Leben gelassen haben. Sie wussten, was sie taten. Und wir wissen es heute Morgen auch. Es klingt pathetisch und ist doch nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit: Ihr Tod ist unsere Verpflichtung.“ (aus: HANDELSBLATT Morning Briefing Donnerstag, 08. Januar 2015).

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