Mittwoch, 16. August 2017
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Joschka Fischer sieht Abschied vom Westen

Joschka Fischer

Der ehemalige deutsche Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer hat sich in der letzten Woche mit besorgten Worten gemeldet. In einem Beitrag für die weltweite Meinungsseite PROJECT SNDICATE sieht Fischer mit der Wahl von Donald J. Trump zum 45. Präsidenten der USA zugleich einen Abschied vom dem, was man bis dato „den Westen“ nannte.

Fischer meint damit die „transatlantische Welt… , die aus den zwei Weltkriegen des 20. Jahrhunderts hervorgegangen war und über den vier Jahrzehnte dauernden Kalten Krieg hinweg eine feste Form angenommen und bis in unsere Gegenwart hinein den Globus dominiert hatte.“

Zugleich warnt Fischer davor, den Westen mit dem Abendland zu verwechseln, das religiös, kulturell und normativ den Westen mit geprägt hat.

Doch Fischer sieht diese Ordnung in Gefahr:

„Der Westen gründet also auf einer gemeinsamen, von den USA garantierten transatlantischen Sicherheit und auf geteilten politischen und gesellschaftlich-kulturellen Werten und umfasst in seinem Kern den transatlantischen Raum, genauer: den Nordatlantik. Es gibt den Westen nicht ohne Europa und nicht ohne Nordamerika, und genau darum geht es heute, denn Amerika ist unter Präsident Trump dabei, sich aus dieser Rolle zurückzuziehen.“

Fischer sieht Trump an der Devise „Make America great again!“ als Grundbasis gebunden, und zieht daraus Schlu0folgerungen.

„Die USA werden zwar die mit weitem Abstand mächtigste globale Macht bleiben, aber nicht mehr der Sicherheitsgarant des Westens, die Führungsmacht einer liberalen Weltordnung und einer auf Freihandel beruhenden Weltwirtschaft. Die USA unter Trump werden sich in Richtung Isolationismus und Nationalismus bewegen.“

Fischer stellt auch die Frage in den Raum:“Ukraine, Osteuropa und den Kaukasus mit Putin zu einem Jalta 2.0, zu einer De-facto-Anerkennung von Einflusszonen?“ – Das wäre eine Rückkehr in eine vergangene Ära ….

Fischer warnt mit ernsten Worten:

„Man soll sich aber keine Illusionen machen – ohne die USA in der Führungsrolle wird der Westen wie man ihn bisher kannte nicht überdauern. Europa kann die Führungsrolle nicht übernehmen; dazu ist es viel zu schwach und zu zerrissen. Und so wird die westliche Welt, wie wir sie kannten, vor unseren Augen versinken.“

Letztlich sieht Fischer große Gefahren für Europa, und lässt die Leser mit einer düsteren Befürchtung allein:

„Das große China aber macht sich auf, in die Schuhe der ermüdeten Weltmacht zu schlüpfen, während sich im alten Europa ein weiteres Mal die Grüfte des Nationalismus öffnen und ihre Nachtmahre entlassen.“

Es klingt resignativ – doch mit seiner Meinungsäußerung reizt er auch zum Widersoruch. Man darf auf alternative Sichtweisen und Reaktionen gespannt sein – denn die Geschichte ist offen und geht weiter.

Weitere Informationen:

Joschka Fischer ist heute Geschäftsführender Gesellschafter der Joschka Fischer & Company GmbH (www.jfandc.de) und berät Politiker und Unternehmen zu Zukunftsthemen, Politik und Wirtschaft

www.project-syndicate.org

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m/s