Freitag, 18. August 2017
Home > Themen > Junge Turmfalken mit „Personalausweis“

Junge Turmfalken mit „Personalausweis“

Turmfalken erstmalig beringt

Vier junge Turmfalken sind im Nistkasten der Park-Klinik Weißensee aufgewachsen. Ende Juni waren sie groß genug, um beringt zu werden und ihren „Personalausweis“ zu bekommen. Die Identitätsringe ermöglichen es, den weiteren Lebensweg der Turmfalken zu verfolgen und vogelkundliche Erkenntnisse zu gewinnen.

Turmfalken erstmalig beringt
Turmfalken aus der Parkklinik in Weißensee

André Hallau, Greifvogelexperte der NABU- AG Greifvogelschutz Berlin/Bernau, und NABU-Artenschutzreferent und Ornithologe Jens Scharon nahmen die Beringung vor.

Turmfalken vor der Kamera

Erst seit drei Wochen sind sie auf der Welt – und werben jetzt schon im Internet für den Artenschutz: vier junge Turmfalken, die in einem Nistkasten am Gebäude der Park-Klinik Weißensee das Licht der Welt erblickten, stehen im Mittelpunkt des NABU-Projektes „Turmfalken vor der Kamera“. Dank einer installierten Webcam können die Zuschauer ihre Entwicklung auf www.nabu-berlin.de live mitverfolgen. Erst im Mai hatte die Pankower Allgemeine Zeitung berichtet: „Horch & Guck – Turmfalken in Wei0ensee“

Beringung ist Grundlage für wissenschaftliche Erkenntnisse und den Artenschutz

Im Alter von 21 Tagen sind sie schon so weit entwickelt, dass den Jungfalken je ein Ring aus Aluminium um den Fuß gelegt werden kann. Die Ringe sind mit einer individuellen Buchstaben- und Zahlenkombination versehen sowie dem Aufdruck „Vogelwarte Radolfzell“. Findet man einen dieser Vögel wieder, kann so seine Herkunft exakt bestimmt werden.

Turmfalken in Weißensee beringt
André Hallau Leiter der NABU-Wildvogelstation nimmt die Beringung vor. Bildnachweis: NABU / W. Geißler

Die wissenschaftliche Vogelberingung hilft, Erkenntnisse über Vogelpopulationen zu gewinnen. Über einen langen Zeitraum kann so das Verhalten einzelner Vögel verfolgt werden und man erhält Aufschluss über Vogelzug, Lebensdauer, Sterblichkeit, Ernährung und Fortpflanzung der Art.

Die vier jungen Falken sind augenscheinlich bestens entwickelt. Bei der Beringung wird ihr Gewicht genauere Auskunft darüber geben, wie gut sie von ihren beiden Elternvögeln mit Nahrung versorgt wurden und ob die berechtigte Hoffnung besteht, dass alle vier Falkenjungen flügge werden.

Etwa in 20 Tagen werden sie den Nistkasten für erste Flüge verlassen und ihren Eltern entgegen fliegen, wenn diese mit Beute zum Brutplatz kommen. Im Spätsommer löst sich der Familienverband auf und die harte Zeit des Selbstständigwerdens beginnt.
So sie den Winter gut überstehen, werden unsere Falken im kommenden Frühjahr ein eigenes Revier besetzen.

Turmfalken in Weißensee beringt
André Hallau, Leiter der NABU-Wildvogelstation bei der Beringung Bildnachweis: NABU / W. Geißler

Artenhilfsprogramm für Turmfalken

Die Ornithologen der AG-Greifvogelschutz des NABU Berlin haben seit 1986 etwa 5000 Jungfalken beringt. So erfuhren sie u.a., dass der größte Teil der in Berlin brütenden Turmfalken auch aus Berlin stammt, d.h. es gibt nur wenig Zuzug aus dem Umland. Die Anzahl der Brutpaare konnte sich seit Mitte der 1980er Jahre mittels intensiver Artenhilfsmaßnahmen auf nunmehr 180 bis 240 Brutpaare verdoppeln.

Zur Unterstützung gefährdeter Vogelarten installieren die Naturschützer Nisthilfen in Kirchen oder wie in diesem Fall in der Weißenseeer Park-Klinik. Die Webcam, die im Mai online ging, ermöglicht allen Interessierten Einblicke in die Kinderstube der Greifvögel. Die Aktion fördert das Verständnis für die hohe Bedeutung solcher Nisthilfen und begeistert für den Artenschutz. Die Küken werben praktisch in eigener Sache.

Am Beispiel der Berliner Turmfalken wird deutlich, wie NABU Mitglieder auf der Basis jahrzehntelanger Beobachtungen und Erfahrungen erfolgreich Artenschutz praktizieren.

Ohne deren ungezählte ehrenamtliche Arbeitsstunden wären heute die Turmfalkenpaare aus einer Reihe von Stadtbezirken verschwunden, denn sie fänden dort keine Nistmöglichkeiten mehr.

Die Zusammenarbeit von Gebäudeeigentümern und Kirchengemeinden mit dem NABU sowie die Unterstützung durch weitere Förderer – wie aktuell durch die Parkklinik – ist die Voraussetzung für nachhaltige Erfolge im gesamten Stadtgebiet.

Turmfalken in Weißensee beringt
Junger Turmfalke mit Identitätsring

Weitere Informationen

NABU Berlin (Naturschutzbund Deutschland e.V.)
Wollankstr. 4, 13187 Berlin-Pankow

www.nabu-berlin.de

presse@NABU-Berlin.de
Tel: (0 30) 9 86 08 37-17/ -19
70 51

Save this post as PDF

m/s