Sonntag, 22. Oktober 2017
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Schauspieler der Zukunft

KAELBERMARKT –
Schauspieler der Zukunft

KAELBERMARKT Ladenfront

Zum Jahresende 2013 stand der Laden in der Schönhauser Allee noch leer, dann mietete sich kurzfristig ein Händler mit Feuerwerksartikeln ein und zeigte die branchenüblich bunte und grelle Werbung in den Schaufenstern. Der in Prenzlauer Berg lebende Fotograf Henrik Pfeifer (45) entdeckte den Laden, und ging seiner Vermutung nach, der Hausverwalter könne womöglich für eine kurzfristige Zwischenvermietung sehr aufgeschlossen sein.

KAELBERMARKT Ladenfront
KAELBERMARKT Ladenfront in der Schönhauser Allee 122

Der Gedanke war richtig – man wurde sich schnell handelseinig, und das Konzept für eine Pop-Up-Ladengalerie wurde sehr wohlwollend aufgenommen. Henrik Pfeifer konnte sein Fotoprojekt rechtzeitig zur Berlinale in unmittelbarer Nähe zum Kino Colosseum in Szene setzen.

Henrik Pfeifer fotografiert schon seit vielen Jahren junge Schauspieler, und er hat inzwischen eine Riesensammlung angelegt, die er über die Zeiten aufbewahren kann. Einige Schauspieler porträtierte er schon im Jugendalter, eine junge Schauspielerin stand mit 19 Jahren vor seiner Kamera, und ist heute fest gebuchte Charakterdarstellerin, die nicht nur gereift ist, sondern auch eigene Kinder hat.

So gibt es ein weit gespanntes Beziehungsnetz, und die Idee für die Ausstellung entstand. Gezeigt werden 232 Exponate, die
Henrik Pfeifer in den letzen Monaten fotografierte und als Tesaprints weiterverarbeitete und dicht aneinander hängte.

KAELBERMARKT
Henrik Pfeifer in der Ausstellung KAELBERMARKT

Tesa-Fotos

Henrik Pfeifers Leidenschaft gilt dem Inszenieren offener und ehrlicher Momente. Emotionale Augenblicke bauen eine vertraute Verbindung zwischen Betrachter und Portraitiertem auf.

Bei seinen Tesa-Bildern handelt es sich um montierte Portraits von Schauspielern und Modellen. Am Computer zerlegt er Fotos in ihre Einzelteile, die er in DinA4 Format ausdruckt und dann zusammenklebt und mit Klebefilm überklebt.

Beim Zusammensetzen lässt er zwischen den Ausdrucken Linien entstehen, die die Bildkomposition unterstützen oder bewusst brechen. Durch das überkleben entsteht eine glänzende Oberfläche, die durch ihre Spiegelungen das darunter liegende Bild teilweise verdeckt. Der Betrachter ist gezwungen eine Position zu finden aus der er das gesamte Motiv erfassen kann. Die Ergebnisse sind großflächige Exponate, die trotz mehrfacher Reproduktion durch seine Technik zu Unikaten werden.

Webcam-Fotos

Henrik Pfeifers Webcam-Portraits zeigen stille, intime Momente. Modell und Fotograf sind räumlich getrennt und über das Internet verbunden – ein Treffen via Skype vor der Webcam. Der Fotograf ist irgendwo auf der Welt, das Modell irgendwo anders. Ein interaktives Spiel entsteht. Wie in einem Fotoshooting gibt der Fotograf dem Modell Anweisungen. Das Modell sieht sich und den Fotografen auf ihrem Monitor. Durch ihre Selbstbeobachtung hat sie einen entscheidenden Einfluss auf ihre Pose sowie ihren Ausdruck und damit auf das Foto. Ein gemeinsamer kreativer Prozess entwickelt sich. Trotz der Entfernung und dem Medium erscheint dem Betrachter der anonyme Moment intim. Henrik Pfeifer macht keine Screenshots, er fotografiert mit seiner Kamera vom Monitor ab. Übertragungsfehler, auftretende Bildstörungen, Verzerrungen und grobe Pixel werden zum Stilmittel. Harte Kanten verschwimmen und verschleiern den Augenblick.

Die Fotografie an sich sieht er ausschließlich als dokumentierendes Medium und Handwerk. Das Spiel mit verschiedenen Ansätzen des Fotografierens und der Präsentation interessiert ihn dabei mehr, als technische Perfektion. Durch den innovativer Umgang mit neuen Medien und das unorthodoxe Vermischen analoger und digitaler Techniken gelinkt es ihm, seinen Bildern eine weitere Ebene hinzuzufügen.

Henrik Pfeifer zeigt seine Webcam-Portraits und Tesa-Bilder als großformatige Montagen, in alten Schellackrahmen sowie auch als Videoinstallationen.

KAELBERMARKT
KAELBERMARKT – das rote Sofa lädt ein zum Gespräch

Der Ausstellungsraum

Der Ausstellungsraum hat eine ganz eigene Aura, viel Haut und „Fleisch“ sind zu sehen, in zurückhaltend fotografierten, aber hochauthentischen schwarz-weiß-Fotografien.

Ein rotes Sofa lädt zum Verweilen und zum Gespräch – ein intensiver Kontrast im hellen Raum, der voll ausgeleuchtet ist.

In der Mitte steht ein Tisch mit dem grellen magentafarbenen Katalog, der die ironisierte Überschrift trägt:

KAELBERMARKT.

Die Miethöhe wollte für den Ladenraum Henrik Pfeifer nicht verraten – aber das Experiment lädt geradezu zu einer Verlängerung ein.

Das Geld für die Ausstellung sammelte Henrik Pfeifer per Crowdsourcing. Bei Startnext sind auch mehr als die gewünschten 10.000 € eingegangen. Für das Projekt sind 11.050 € über das Crowdsourcing zusammen gekommen.

Das Experiment ist noch wenige Tage lang zu besichtigen! m/s

KAELBERMARKT
Die Schauspieler der Zukunft präsentieren sich in einer Ausstellung

Ausstellung vom 7. – 16. Februar 2014
täglich 14 bis 23 Uhr
Schönhauser Allee 122 ((direkt neben dem Berlinale-Kino Colosseum) – 10437 Berlin-Prenzlauer Berg

Weitere Informationen:

KAELBERMARKT – www.kaelbermarkt.blogspot.de

www.startnext.de/kaelbermarkt

www.henrik-pfeifer.de.

email: contact@henrik-pfeifer.de

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m/s