Dienstag, 21. November 2017
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Käthe Kollwitz Sonderausstellung zum 150. Geburtstag

Damenmalklasse München 1890, 2.Reihe mittig K.Kollwitz

Am 8. Juli wird der 150. Geburtstag von Käthe Kollwitz begangen. Das Kollwitz Museum der Fasanenstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf feiert die berühmte Künstlerin mit einer Sonderausstellung: „Käthe Kollwitz und ihre Freunde“. In der Aussstellung wird der Persönlichkeit Käthe Kollwitz und ihrem Wesen nachgespürt, wie es sich in den Augen und Zeugnissen von Kollegen, Freunden und Bekannten wiederspiegelt.
Mehr als 30 Leihgeber aus Deutschland, der Schweiz und Kanada gestalten die Ausstellung mit Kunstwerken, Briefen, Dokumenten und Fotografien aus dem Leben der bedeutenden Allround-Künstlerin.

Bis Mitte Oktober sind Präsentationen ihrer bekannten Werke zu sehen, umrahmt von schriftlichen Quellen, biografischen Fotos und Kunstwerken von Künstlerfreunden. Sie dokumentieren die persönlichen Beziehungen von Käthe Kollwitz, die ihren künstlerischen Werdegang stark beeinflusst haben.

Der Austausch mit Freunden und Arbeitskollegen war der Künstlerin enorm wichtig, regelmäßig tauschte sie sich in zahlreichen Briefen mit der Familien, mit Förderern und Schülern aus und führte ihr ganzes Leben lang Tagebuch. Bekannte Persönlichkeiten mit klangvollen Namen zählten zu ihrem Freundeskreis, wie Albert Einstein, Gerhart Hauptmann und Otto Nagel, um nur einige zu nennen. Nicht nur berufliche und persönliche Fragen wurden in den Briefen und persönlichen Aufzeichnungen erörtert, auch politische Themen fanden darin sehr viel Raum. In ihrem persönlichen Netzwerk wuchs Käthe Kollwitz zu der Künstlergröße heran, als die wir sie heute kennen und schätzen.

Freundschaften aus einer ganzen Ära von Kunst und Widerstand

Die Sonderausstellung befasst sich auch mit bisher weniger beachteten Menschen aus ihrem Beziehungskreis, die aber eine große Rolle in ihrem Leben spielten. Der Kunstsammler Julius Freund, die Studienfreundin Marianne Fiedler und weitere bekannte Persönlichkeiten, wie Max Liebermann und Heinrich Zille wird eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Käthe Kollwitz schaffte auch einen gesellschaftlichen Spagat, den zu den damligen Zeiten nur ganz wenige Menschen vollbrachten, sie pflegte Beziehungen zu Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten: Sie hatte Umgang mit Industriellen und Großbürgerlichen, mit Menschen aus dem Kleinbürgertum und auch aus dem Arbeitermillieu.

Die Künstlerin widersetzte sich auch weitgehend politischer Instrumentalisierung, war nie Mitglied einer Partei und bezeichnete sich selbst mal als Pazifistin, Demokratin, Sozialistin, oder als Revolutionärin – je nach ihrer persönlichen Einschätzung der jeweiligen politischen Lage. Sie blieb sich Zeit ihres Lebens treu, ihren Idealen und Visionen. Die lebenslange Suche nach Orientierung und einer Vision einer besseren Welt spiegelt sich auch in den Schriftstücken, die im Austausch mit ihren Freunden bis heute überlebt haben.

Berlin als Lebensraum und Mittelpunkt

Die derzeitige Sonderausstellung setzt Berlin als den Lebensraum der Künstlerin in besonderer Weise in den Mittelpunkt. Sie zeigt Berlin im Wandel der Zeiten und zeigt die Stadt, wie Käthe Kollwitz und ihre Freunde sie erlebt, gesehen und geliebt haben. Dem Titel der Ausstellung folgend „Käthe Kollwitz und ihre Freunde“, werden die Beziehungsgruppen und Persönlichkeiten im Leben der Künstlerin in den Blickpunkt gerückt:

– Literaturfreunde: Gerhart Hauptmann
– Studienfreundinnen: Marianne Fiedler
– Freunde der Söhne auch Freunde der Mutter: Fritz Klatt
– Sammlerfreunde/Unterstützer: Julius Freund, Julius Elias, Hermann F. Reemtsma
– Künstlerkollegen-Freunde: Max Liebermann, Otto Nagel, Heinrich Zille
– Freundschaft zu jungen Künstlerin/Schülern: Reinhard Schmidhagen
– Freundschaft im Geiste: Albert Einstein.

Käthe Kollwitz wuchs in einer Zeit auf, als sich gerade in Deutschland die Frauenbewegung gründete und grundlegende Rechte einforderte. Der Allgemeine Deutsche Frauenverein forderte ab 1865 die „erhöhte Bildung des weiblichen Geschlechts und die Befreiung der weiblichen Arbeit von allen ihrer Entfaltung entgegenstehenden Hindernissen mit vereinten Kräften.“ 1886 ging Käthe Kollwitz in die sogenannte Damenakademie des Vereins der Berliner Künstlerinnen.

Käthe Kollwitz wurde in einer Ära geprägt, in der das Recht für Frauen auf Bildung, Arbeit, Abitur, Kommunalwahlrecht und Frauenwahlrecht erst erkämpft wurde. Käthe Kollwitz gehörte damit der ersten Bildungsgeneration der Frauenbewegung an, die in Deutschland und Europa bis 1918 die volle Gleichberechtigung und das Frauenwahlrecht erkämpfte.

Ausstellungsplakat - Bild: Afrikanerin, 1889
Ausstellungsplakat – Bild: Afrikanerin, 1889, Privatbesitz – Foto: © Kienzle Oberhammer

Käthe Kollwitz und ihre Freunde
Sonderausstellung aus Anlass des 150. Geburtstages der Künstlerin
Vom 26. Juni bis 15. Oktober 2017

Öffnungszeiten: Täglich 11.00 – 18.00 Uhr | Eintritt 7 €, erm. 4 €. Jugendliche unter 18 J. frei

Begleitprogramm zur Ausstellung
– Kuratorenführung: Jeden dritten Donnerstag im Monat, 17 Uhr
– Themenführungen zu Albert Einstein, Fritz Klatt, Heinrich Zille, Max Liebermann u.a.

Kollwitz Museum | Fasanenstr. 24 | 10719 Berlin – Charlottenburg | www.kaethe-kollwitz.de

Weitere Beiträge:

150 Jahre Frauenbewegung 1865-2015 | 18.10.2015 | Pankower Allgemeine Zeitung

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a/m