Donnerstag, 19. Oktober 2017
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Aix en Provence

Kalîla wa Dimna in
Aix en Provence

"Kalîla wa Dimna" von Moneim Adwan

Wie wäre es, am Wochenende zum Festival Aix en Provence zu reisen, und die Aufführung der ersten arabische Oper mit zu erleben? Die Karten sind jedoch schon ausverkauft! – Dennoch gibt es eine Möglichkeit, die Aufführung mit zu erleben: ARTE TV „streamt“ die Aufführung des palästinensischen Komponisten Moneim Adwan am 10. Juli 2016 um 17 Uhr live aus dem wunderbaren „Théâtre du Jeu de Paume“ in ´AIX. Schon der Trailer macht neugierig – selbst wenn man der arabischen Sprache nicht möchtig ist, zieht „Kalîla wa Dimna“ den Zuschaue in den Bann der Bilder und Musik.

"Kalîla wa Dimna" von Moneim Adwan
„Kalîla wa Dimna“ von Moneim Adwan – Screenshot Trailer – Festival d’Aix 2016

Kalīla wa Dimna ist eine arabische Märchensammlung, die aus dem 8. Jahrhundert stammt und heute bei allen Kindern im Nahen Osten bekannt ist. Der palästinensische Komponist Moneim Adwan hat die moralischen Geschichten als Musikstück adaptiert, das er auf dem Festival von Aix-en-Provence präsentiert.

Im Mittelpunkt steht dabei eine Fabel namens „Der Löwe und der Stier“, in der ein lügnerischer Schakal die Freundschaft zwischen den beiden Tieren zerstört. Eine Allegorie auf den Idealismus, der Verrat und Ehrgeiz nicht standhalten kann.
Eingelagert in dieses Märchen aus besseren orientalischen Zeiten findet sich die Fabel der Raubtiere, die reihum anbieten, sich angesichts einer Hungersnot zum Fraß zu opfern – bis auch das dumme Kamel dies tut.

Für seine internationale Produktion engagierte Moneim Adwan verschiedene Künstler aus dem gesamten Mittelmeerbecken. Kalīla wa Dimna ist die erste arabischsprachige Oper überhaupt; fünf Sänger und fünf Musiker steuern westliche Elemente bei. Der aus dem Gaza-Streifen stammende Komponist und Sänger Moneim Adwan bestritt die Partie des verräterischen Aufsteigers Dimna selbst. Er arrangiert eine eingängige arabische „Pop-Musik“ rund um die alte arabische Fabelgeschichte.

Das „Théâtre du Jeu de Paume“ wurde 1787 erbaut, und entspricht dem Vorbild klassischer italienischer Theater. Mit 492 Sitzplätzen ist es gerade groß genug, um großes Theater mit Publikumsnähe und räumlicher Präsenz zu inszenieren.

Théatre Jeu-de Paume - Aix-en-Provence
Théatre Jeu-de Paume Aix-en-Provence – Foto: Base Mérimée, French Ministry of Culture CC BY SA 3.0

Kritik – ein Beispiel für modernes Konsenstheater?

In Berlin tobt gerade die Diskussion um die Weiterentwicklung der Volksbühne, in der auch der Begriff einer „modernen Konsenskultur“ verwendet wird. Die Kritik an der Aufführung ist scharf; Frieder Reininghaus kritisiert etwa auf Deutschlandradio Kultur: „Olivier Letellier lieferte eine Produktion, die sämtlichen Zensurgeboten der Machthaber von Abu Dhabi gehorcht und eben das nicht probiert, was es auszuloten gälte. So erweist sich die vorsätzlich entpolitisierte Theaterkunst als mithin politisch instrumentalisiert – auf eine ziemlich faule Art. Wahrheitserkundung hinsichtlich der Willkür von Machthabern sieht anders aus.“
Sein Verdikt: „Möglicherweise ließe sich aus diesem gutgemeinten Kinderstück ein Musiktheaterabend kreieren, der so etwas wie einen heutigen „Fürstenspiegel“ entwickelt.“
Doch wird hier möglicherweite zu sehr mit „eurozentrisch-entwickelten Blick“ geurteilt? Ist es vielleicht notwendig, sich angesichts der Ungleichzeitigkeiten zwischen arabischer und europäischer Kulturwelt etwas zurückzunehmen? Wäre es nicht schon ein Gewinn, wenn arabische Herrscher überhaupt den Weg in ein Theater finden?

Mehr Information und Live-Streaming

Streaming-Link ARTE TV

FESTIVAL d´AIX – Kalîla wa Dimna – Link

FESTIVAL d´AIX – www.festival-aix.com

Théâtre du Jeu de Paume – Link

KulturEins
KulturEins | Kunst und Kultur in Berlin: www.kultureins.de

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m/s