Sonntag, 20. August 2017
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Kamel Daoud warnt vor Naivität

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Der algerische Journalist Kamel Doud schreibt für den Quotidien d´Oran und vielgelesener Kolumnist. Sein erster Roman hat in Frankreich viel Lob erfahren: „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“. Daoud wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem Prix Goncourt du Premier Roman.

Das Buch greift eine klassische Geschichte der Literatur auf, einen Roman von Albert Camus: »Der Fremde« und gibt einem namenlosen Toten seinen Namen zurück. Es ist ein Roman aus Algerien, in Frankreich ein Riesenbestseller, in den USA und England wird er als literarische Sensation gefeiert. Jetzt erscheint er in deutscher Übersetzung bei Kiepenheuer & Witsch.

Daoud setzt sich mit dem Islam und dem Islamismus auseinander. In einem zuerst auf Repubblica und Le Monde erschienenen Text warnt der Kolumnist:

„In den Ländern Allahs herrscht ein krankes Verhältnis zur Frau und zum Begehren. Das muss wissen, wer bei der Bewertung der Kölner Silvesternacht der Naivität entkommen will.“

Islam und Körper:
Das sexuelle Elend der arabischen Welt
Kamel Daoud | 18.02.2016 | FAZ

Daoud wendet sich gegen Naivität im Umgang mit kulturellen Unterschieden:

„Die Aufnahme der Flüchtlinge, der Asylsuchenden, die vor dem IS oder den jüngsten Kriegen fliehen, stößt im Westen auf einige Naivität. Man denkt beim Flüchtling an dessen Status und nicht an seine Kultur. Er ist ein Opfer, das die Projektionen der Europäer auf sich zieht, die Pflicht zur Menschlichkeit oder Schuldgefühle. Man sieht den Überlebenden und vergisst, dass der Flüchtling in einer Kultur gefangen ist, in der das Verhältnis zu Gott und zur Frau eine wichtige Rolle spielt.“

Daoud sieht das Problem, nach der Aufnahme der Flüchtlinge der Verantwortung gerecht zu werden, die kulturellen Unterschiede zu überbrücken, und unsere Werte verständlich zu machen, zu verteidigen – und durchzusetzen.

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m/s