Montag, 18. Dezember 2017
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Karower Dachse e.V. kämpft um das Weitermachen!

Sporthalle der Karower Dachse e.V.

Berlin hat 1050 Sport- und Turnhallen, ungefähr 50 Hallen sind als Notunterkünfte beschlagnahmt worden. Einige große Sportvereine sind davon sehr überraschend betroffen worden, wie etwa die Karower Dachse e.V.. Mit seinen rund 1.600 Mitgliedern zählt der Verein im Pankower Norden zu den größten Vereinen Berlins. Doch in der Sporthalle der Grundschule am Hohen Feld fielen plötzlich rund 75% des Sportangebotes aus. Die Verärgerung unter den Vereinsmitgliedern war genauso plötzlich sehr groß.

Sporthalle der Karower Dachse e.V.
Sporthalle der Karower Dachse e.V. mit Flüchtlingen belegt – Foto: Screenshot

Wichtige Sportangebote fielen aus – Sportgeräte mussten ausgelagert werden

Der Karower Verein hat ein sehr aktive und mitgliederorientierte „Sportpolitik“ im Verein aufgebaut. Es steht nicht nur Engagement und Herzblut dahinter, sondern auch eine echte Vereinsökonomie, die zur Beschaffung von Tischtennisplatten, Trampolinen, Rhönrädern und einer Vielzahl von Sportgeräten genutzt wurde. Nicht umsonst werden auch verhältnismässig hohe monatliche Vereinsbeiträge gezahlt. Viele Vereinsmitglieder bringen so über das Jahr sogar bis zu 2.000 € auf, um die Attraktivität Sportangebots des Vereins zu würdigen und zu erhalten.

Der Wegfall wichtiger und attraktiver Sportangebote sorgte nicht nur für Verärgerung, sondern auch für Kündigungen von Vereinsmitgliedschaften. Bis zu 200 Mitglieder sind bis zum Jahresende ausgetreten.

Der Einbruch in der Vereinskasse bedroht nun auch viele weitere Vorhaben. Überraschende Kosten für den Transport und Umlagerung von Vereinsgeräten sind auf den Verein zugekommen. Zudem sind die Arbeitsplätze von Übungsleitern plötzlich bedroht, wie Vorstandsmitglied Thomas Kaupel am 21.12.2015 gegenüber RBB verlauten ließ. 26.000 € weniger Vereinsbeiträge im Jahr, das drückt schwer in der Vereinskasse, denn in der Geschäftsstelle arbeiten auch hauptamtliche Mitarbeiter.

Immerhin hat die Stellungnahme des Landessportbundes die Berliner Politik erreicht, und die Botschaft, dass Sportvereine auch für die Integration sehr wichtig sind, ist angekommen.

Was selbst der Sportverwaltung und dem Lageso zu denken geben sollte: Vereine sind keine bloße ehrenamtliche „Manövriermasse“ – sondern bieten selbst wichtige organisatorische Ressourcen, und ausgebildetes Personal.

Mit seinem Trainern, Übungsleitern und der Geschäftsstelle ist der Verein Karower Dachse e.V. praktisch ein Wirtschaftsunternehmen, das übrigens seinen bisherigen Erfolg auch einer klaren wirtschaftlichen Vereinsführung und einem Riesenengagement von Mitarbeitern, Vorstand und Mitgliedern verdankt. So eine Gemeinschaft könnte selbst helfen – wenn man nur deren Stärke nutzen könnte.

Vorstandsfrau als Krisenmanagerin: Kirsten Ulrich
Karower Dachse e.V. Vorstandsfrau Kirsten Ulrich als Krisenmanagerin

Die geheime Stärke der Karower Dachse

Während Thomas Kaupel über den Landessportbund und den RBB an die Politik wandte, hatte man im Verein schon über eine Strategie entschieden, die auf die Stärken den Verein setzt: Engagement, Kreativität und der Wille, die schwierige Phase bis zum Frühjahr mit sportlichen Ersatzangeboten zu überbrücken.

Die Vereinsleitung, die sich selbst als „geschäftsführender Vorstand“ bezeichnet, hat wenig mit den eher gemütlichen Bildern von „Vereins-Vorsitzenden“ zu tun. Das Dreier-Team mit Kirsten Ulrich, Ramona Schwarzer und Thomas Kaupel steckte die „Köppe zusammen“ und sorgte zusammen mit den Mitarbeitern Kathrin Goede, Christa Pulz und Erik Hahn aus der Geschäftsstelle für ein „geschäftsmässiges Krisenmanagement“.

Inzwischen wurden Ersatzräume angemietet, wie etwa die Räume des ehemaligen Drogeriemarktes in der Achillesstraße. An über zehn Ersatzstandorten wird das Sportprogramm bis auf Weiteres fortgesetzt.

Noch vor Weihnachten wurde ein Programm mit zusätzlichen Sportangeboten aufgelegt, die bereits am 11. Januar 2016 starten werden. Das Programm wurde schon auf der Internetseite der Karower Dachse veröffentlicht.

Und im neuen Jahr sollen weitere Möglichkeiten gefunden werden, denn eine Rückgewinnung der Vereinsmitglieder ist aufgrund der Attraktivität des Vereins jederzeit möglich, zumal sich viele Vereinsmitglieder auch wie eine große Gemeinde gut kennen und wie eine Familie fühlen.

Gesundheitstrainung im ehemaligen Drogeriemarkt
Karower Dachse weichen mit Gesundheitstraining in ehemaligen Drogeriemarkt aus

Neue Gesundheitsinitiative und neue Mitgliederwerbung

Geplant wurde eine neue Gesundheitsinitiative und der „Kilokiller-Kurs“ wird neu aufgelegt. Das Gesundheits-Kompetenzteam, bestehend aus Physiotherapeuten, Trainern mit A- und C-Lizenz, Rehasport-Trainern, Ernährungsberatern und Heilpraktikern begleitet die neuen Angebote.

Außerdem wirbt der Verein um neue Mitglieder: „Jedes neue Mitglied mit Eintritt bis zum 31. Januar 2016 kann kostenfrei an allen Veranstaltungen der Gesundheitsinitiative und an dem Kilokiller-Kurs teilnehmen.“

Versäumnisse von Politik und Senatsverwaltungen

Ungeachtet der schweren Belastungen für die Mitarbeiter und Leitungsebene des Lageso und der Senatsgesundheitsverwaltung durch die immense Flüchtlingszahl, besteht ein kaum entschuldbares Handlungsdefizit: wieso haben der Sozialsenator Mario Czaja (CDU) und der Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU) kein eigenes Krisenteam für ihre Zuständigkeiten gebildet, um gemeinsam mit Vereinen und Schulen nach Ausweichmöglichkeiten zu suchen?

Rund 4,3% aller zur Verfügung stehenden Turn- und Sporthallen im Land Berlin sind mit Flüchtlingen belegt. – Gleichzeitig sind aber auch rund 4% aller Turn- und Sporthallen wegen baulicher Mängel gesperrt. Hätte man nicht auch sofort mit der Instandsetzung von leicht zu ertüchtigenden Sporthallen beginnen können?

Sollten Hallen, die aufgrund statischer Bedenken für den „Lastfall Sport“ gesperrt sind noch einmal überprüft werden, ob die für den „Lastfall“ Flüchtlinge mit geringeren Anforderungen wieder freizugeben sind?

Ist es vielleicht auch möglich, Traglufthallen auf Freiflächen zu errichten, die später als Sportstätte weiter betrieben werden?

Kann man vielleicht auch bei den großen Vereinen nachfragen, ob diese vielleicht auch eigene Baupläne für Sporthallen und Sportunterkünfte haben, die sich zu Integrationsprojekten weiterentwickeln lassen?

Ein Anruf in der Geschäftsstelle der Karower Dachse könnte sehr erhellende Erkenntnisse liefern, denn der Verein bemüht sich schon eine Weile um ein Baugrundstück, das sogar verfügbar ist.

Vor allem aber: wenn man für tausende Menschen neue Wohnungen plant, müssen dann nicht auch Sportanlagen mit geplant werden, und längst ein „Sportentwicklungsplan“ aufgelegt werden?

Weitere Informationen:

www.karower-dachse.de

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