Mittwoch, 28. Juni 2017
Home > Aktuell > Kiezbus Blankenburg:
Vollrad Kuhn in der Expertenfalle

Kiezbus Blankenburg:
Vollrad Kuhn in der Expertenfalle

Rufbus im Landkreis Rottweil

/// Kommentar /// – Heinz Lott, Mitglied des Runden Tisches Blankenburg, hat zur Einwohnerfragestunde in der 6.Tagung der BVV am 5. April ein lange währendes Anliegen vorgetragen: die Einrichtung einer Kiezbuslinie.

Das Vorhaben wurde schon als Wahlversprechen der Parteien zur letzten Abgeordnetenhauswahl als sicher geglaubt. Doch inzwischen verschieben sich Planungen und Prioritäten. Die Blankenburger mussten aus der Zeitung erfahren: das Vorhaben wurde in die Zukunft verschoben.

Der Runde Tisch Blankenburg hatte schon am 16. September 2013 einen ausgearbeiteten Vorschlag mit einer Linienführung an den vormaligen Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Grüne) übergeben. Mit dem Amtswechsel ins Amt des Verkehrsstaatssekretärs ist das „Projekt“ offenbar unter den Schreibtisch gefallen.

Amtsnachfolger Vollrad Kuhn (Bündnis 90/Grüne) im Amt des Pankower Stadtrats für Stadtentwicklung und Bürgerdienste mühte sich in der BVV mit seiner Antwort auf die Bürgeranfrage sichtlich ab.

Er versuchte zu erklären, dass nun das Leitmotiv von der „wachsenden Stadt“ zugunsten der Priorität „Ressourcensteuerung“ verschoben sei, und erläuterte umfänglich die Sachzwänge seines neuen Amtes, die in der Mittelbereitstellung und notwendigen Vorplanungen bestehen. Er erwähnte dabei auch das städtebauliche Großprojekt „Blankenburger Süden“, das nun offenbar alle Prioritäten förmlich „umwirft“, um danach alle Ressourcen anzusaugen und in die ferne Zukunft zu verschieben.

Heinz Lott war sichtlich verärgert, denn vor allem die älteren Bürgerinnen und Bürger in Blankenburg leiden seit Jahren unter der schlechten Infrastruktur, und haben die Umbauten und Abwassererschliessungen mit großer Geduld ertragen.

Kuhn hob hervor, dass die Einrichtung einer Kiezbuslinie infrastrukturelle Mittel und umfangreiche Baumaßnahmen erfordert. Fachleute wissen: damit sind Haltestellen und Busborde gemeint, an denen der Bus-Einstieg und -ausstieg auch barrierefrei möglich ist.

Die Expertenfalle: ein Stadtplaner denkt daher in Dekaden, und baut Bushaltstellen erst nach einem Vollausbau der Straßen.
Interpretiert man Kuhns Aussagen, so wäre frühestens mit dem nächsten Doppelhaushalt eine Etatisierung möglich. Der erste BUS würde dann wohl erst nach 2019 oder 2020 fahren.

Das aber ist für die „wachsende und älter werdende Stadt“ und die Bewohner in Blankenburg schlicht unzumutbar.

Stadtrat Kuhn steckt offensichtlich in der Expertenfalle des Stadtentwicklungs-Stadtrates fest, die Kiezbuslinie ist für ihn ein „Stadtentwicklungsproblem“.

Technisch aber liegt es im Zuständigkeitsbereich von Senat und BVG, und gerade Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner ist hier auch doppelt in der Pflicht.

Die Baukosten für Busborde und Haltestellen sind überschaubar, wenn man ohne Straßenvollausbau beginnt. In Hanau hat man 2016 40 Haltestellen für 1,1 Mio. € realisiert, 27.500 € pro Stück. Damit könnte man also nicht nur in Blankenburg, sondern auch gleich in Karow und Französisch Buchholz Buslinien einrichten.

Blickt man in den Süden der Bundesrepublik, so hat man dort auch höchst flexible Verkehrslösungen eingesetzt, die bedarfsgerecht als Rufbusse, Stadtbusse und Nacht-/Discobusse unterwegs sind.

Vor allem müssen in Blankenburg nicht unbedingt schwere 12-Meter-Busse eingesetzt werden, die einen Straßenvollausbau voraussetzen.

Das Unternehmen Südbadenbus zeigt mit seinem Rufbus im Schwarzwald-Baar-Kreis und im Landkreis Rottweil, dass es auch etwas kleiner, kostengünstiger geht. Und es geht auf kurze Sicht, vielleicht sogar auch als Modellprojekt, denn ganz Berlin hat ähnliche Stadtrand-Probleme.

Die Pankower Bezirkspolitik sollte Stadtrat Kuhn aus der Expertenfalle befreien, und das Thema „Kiezbus“ und „Rufbusse“ auf die Senatsebene heben!

Wer Bürgerinnen und Bürger zum Umstieg vom Auto motivieren möchte, der sollte zuerst „intelligente Verkehrs-Angebote schaffen, die die Zeit für den Ausbau der Infrastruktur am Stadtrand überbrücken!“

Save this post as PDF