Donnerstag, 14. Dezember 2017
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Kinder wünschen sich eine Spielstraße

Spiel in der Gudvanger Strasse

Die Auseinandersetzung um die temporäre Spielstraße in der Gudvanger Straße hat Symbolcharakter, hier werden Interessen der nachwachsenden Generation, Kinder-Interessen – und komplementäre Autofahrer-Interessen gegenüberstellt. Am 11. September wurde auch hier Wahlkampf geführt, und eine „Spielstraße als Veranstaltung“ angemeldet, so wie es Auflagen des Verwaltungsgerichts als derzeit einzige Ausnahme zur Straßensperrung zulassen. Parteiübergreifend setzen sich alle Kandidatinnen und Kandidaten für die temporäre Spielstraße ein, die „temporäre Spielstraße muss kommen!“.

Ein Gespräch mit Jasmin Giama-Gerdes (DIE LINKE) förderte eine interessante Facette zutage, die in der Auseinandersetzung zwischen Anwohnerklage, Gerichtsentscheidung und tageweisen Spielstraßen-Aktionen untergegangen ist. Jasmin Giama-Gerdes berichtete vom letzten Sonntag in der Gudvanger Straße.

Die Spielstraße – ein Bürgergespräch

„Letzten Sonntag ging es auf dem Humannplatz Ecke Gudvanger Str. heiß her: viele spielende Kinder eroberten für ein paar Stunden die Straße. Veranstaltet wurde die Aktion von der Initiative Temporäre Spielstraße und dem Volksentscheid Fahrrad, sie riefen zu einer gemeinsamen Demonstration auf. Am Roten Rathaus begann die Fahrraddemonstration und endete in einer Podiumsdiskussion mit den im Bezirk vertretenen Parteien.

Am Rande der Diskussion führte ich einige Gespräche mit Anwohnerinnen und Anwohnern des Humannplatzes. So unterhielt ich mich auch mit Katrin, der Kitaleiterin einer der umliegenden Kitas, die auf Spielflächen in der Nähe angewiesen sind. Viele der kleinen Kitas haben keine eigenen Freiflächen für ihre Kinder.

Spiel in der Gudvanger Strasse
Spiel in der Gudvanger Strasse: Wahlkampfaktion am 11.9.2016

„Im Laufe der letzten Jahre sind in unserer Nachbarschaft mindestens fünf weitere kleine Kitas entstanden, alle ohne Garten. Hinzu kommen die Tagesmütter die auch immer mehrere Kinder haben. So ist seit mindestens zwei Jahren der Humannplatz auch vormittags sehr voll mit Kita-Kindern. In den Ferien kommen häufig noch die Kinder aus den umliegenden Schulen dazu. Wir können dann nur noch selten hingehen.“

Bereits seit einem Jahr kämpft die Initiative Temporäre Spielstraße trotz vieler Unterstützer wie Greenpeace Berlin, den Freunden der Jugendverkehrsschule Moabit und Prenzlauer Berger Kitas für die temporäre Nutzung der Straße durch Kinder. Auch der einstimmige Beschluss der Parteien auf der kommunalen Ebene konnte nichts daran ändern, dass die Straße nur ein einziges Mal als Spielstraße genutzt werden konnte. Denn durch gerichtliche Schritte von Anwohnern dagegen verzögert sich die Umnutzung immer wieder.

Dabei ist der Kiez mit Spielplätzen unterversorgt. Normalweise wären ein Quadratmeter Spielfläche pro Person notwendig, tatsächlich stehen aber den über 14.000 Einwohnern nur etwa ein Drittel dessen zur Verfügung, gar nicht eingerechnet die Kitas und die Kinder der Tagesmütter.

Die Straße tagsüber Kindern zur Verfügung zu stellen und nur noch nachts die Autos parken zu lassen, ist vielleicht keine optimale Lösung, sie funktioniert aber schon in anderen Städten wie Bremen oder Frankfurt. Es ist notwenig hier umzudenken: Wir brauchen mehr Platz für Kinder in Berlin.“

Klarheit – statt temporäres Verwaltungs-Deutsch

Die Auseinandersetzung um die Gudvanger Straße gewinnt so eine ganz andere Dimension: die Fixierung auf Verwaltungssprache hat die Perspektiven verschoben, und die Sicht auf den besten alltäglichen Kompromiß versperrt: es geht nicht nur um ein paar „Spielstraßen-Veranstaltungen“, sondern um die Frage, wem die im Straßennetz durchaus entbehrliche Stra0enfläche vor einer Schule am Tag gehört – und wem in der Nacht!

Jasmin Giama-Gerdes Stellv. Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion war in der laufenden Wahlperiode Mitglied im Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Bürgerdienste, Wohnen und GO – obendrein Sprecherin der Linksfraktion in Fragen der Bürgerbeteiligung.
Sie kandidiert im Wahlkreis 7 in Prenzlauer Berg. Beruflich ist sie Mediatorin und interkulturelle Trainerin.

Jasmin Giama-Geerdes
Jasmin Giama-Geerdes kandidiert im Wahlkreis 7 in Prenzlauer Berg

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m/s