Montag, 23. Oktober 2017
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Klaus Wowereit tritt zurück!

Klaus Wowereit - Regierender Bürgermeister von Berlin

Zur Stunde läuft eine Senatssitzung, die eine wichtige Vorentscheidung für die Stadt behandelt. Nach ersten noch unbestätigten Berichten wird Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, seinen bevorstehenden Rücktritt am 11. Dezember 2014 ankündigen. Die Entscheidung wird inzwischen von Kreisen des SPD-Landesvorstandes in Berlin bestätigt.

Die ersten Meldungen kamen gegen 10:31 Uhr von der Berliner Morgenpost und dem Berliner Kurier. Inzwischen ist die Meldung auch beim Tagesspiegel und vom RBB in den laufenden Nachrichten bestätigt worden.

Klaus Wowereit ist seit 2001 im Amt und damit einer der am Längsten regierenden Länderchefs.

Biografisches

Der am 01. Oktober 1953 in Berlin-Tempelhof geborene Klaus Wowereit wuchs ohne Vater zusammen mit vier Geschwistern auf. Aus einfachen Verhältnissen heraus absolvierte er das Gymnasium und studiert Juras an der FU Berlin.
Schon seit Schulzeiten war Wowereit den Jungsozialisten beigetreten und trat in die SPD ein.

1984 wurde Wowereit mit 30 Jahren jüngster Stadtrat für Volksbildung und Kultur in Berlin-Tempelhof. Nach elf Jahren Amtszeit kandidierte Wowereit für das Berliner Abgeordnetenhaus.

Nach vier Jahren im Abgeordnetenhaus wurde Wowereit im Dezember 1999 zum Vorsitzenden der SPD-Fraktion gewählt. Nach dem Bruch der damaligen Großen Koalition und einer nachfolgenden Wahl am 16. Juni 2001 zum Regierenden Bürgermeister einer rot-grünen Minderheitsregierung gab Wowereit den SPD-Fraktionsvorsitzich ab.

In der vorgezogenen Neuwahl im Oktober 2001 trat Klaus Wowereit als Spitzenkandidat der Berliner SPD an. Die SPD wurde damals stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus. Klaus Wowereit begründete die ersten rot-rote Koalition von SPD und PDS in Berlin.
Am 17. Januar 2002 wurde Wowereit zum Regierenden Bürgermeister gewählt.

Seine hohe Popularität verdankt er wohl auch seinem klaren Bekenntnis zu seiner Herkunft. Auf seiner Homepage findet sich ein bemerkenswerter Spruch: „„Nach heutigen Maßstäben hätte meine Familie wahrscheinlich zum Prekariat gezählt – jener von den Wortkünstlern meiner Partei erfundenen Gesellschaftsschicht, deren richtigen Namen man nicht auszusprechen wagt: Malocher.“

Mut für Berlin

In der Regierungserklärung vor dem Abgeordnetenhaus erklärte Wowereit am 21. Februar 2002 „Mit Mut für Berlin – wir werden es schaffen“.
Mit diesem Motto hat er die Wiederwahl 2006 und 2011 gemeistert und Berlin insgesamt 12 weitere Jahre regiert.

Doch nun ist der politische Weg dem Ende nah. Das Versagen als Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin und die fehlende politische Kraft, eine Olympiabewerbung über politsche Initiative durchzusetzen, dürften den Ausschlag gegeben haben.

Wowereits zweites Motto „Berlin verstehen“ – dürfte den Ausschlag für seine Rücktrittsentscheidung gegeben haben. Wowereit hat selbst verstanden, er kann das politische Blatt nicht mehr selbst wenden.

Auch dürfte Wowereits letzte Erkärung, die Olympiabewerbung von einer Bürgerabstimmung abhängig zu machen, beim Koalitionspartner CDU erheblichen Unwillen ausgelöst haben.

Stimmen zum Rücktritt:

Die IHK Berlin meldete sich kurz nach dem Ende der Pressekonferenz zum Rücktritt des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit:

„Es ist schade, dass der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit zum Jahresende seinen Rücktritt vom Amt des Regierenden Bürgermeisters erklärt hat. Klaus Wowereit hat in seinen mehr als 13 Amtsjahren Berlin geprägt – in guten wie in schlechten Zeiten. Er hat einen großen Anteil am positiven Image und der Strahlkraft Berlins – nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Durch seine Art, seinen Charme und seinen Esprit hat er maßgeblich dazu beigetragen, der Stadt Aufmerksamkeit und Jugendlichkeit zu verschaffen.

Zu seinen großen Leistungen gehört auch, die finanzielle Konsolidierung der Stadt eingeleitet und durchgeführt zu haben – gegen viele Widerstände und Ärger, die nicht ausbleiben konnten, wenn die Stadt nicht weiter über ihre Verhältnisse leben wollte.

Vor allem in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit hat Klaus Wowereit auch die wirtschaftlichen Geschicke der Stadt in die Hand genommen und hier national und international viel bewegt. Die gute Entwicklung der Wirtschaft in den vergangenen sieben Jahren trägt auch seine Handschrift.“

Dr. Eric Schweitzer, Präsident der IHK Berlin: „Er war für uns in allen diesen Fragen, ob in Berlin oder gemeinsam international unterwegs, immer ein verlässlicher, dynamischer und anpackender Förderer der Berliner Wirtschaft. Sein internationales Standing in Politik und Wirtschaft ist herausragend. Bei all dem war Klaus Wowereit auch menschlich stets ein angenehmer und humorvoller Gesprächspartner, der mit seiner einnehmenden Art für unsere Stadt und ihre Wirtschaft überall Türen und Tore geöffnet hat. Klaus Wowereit wird uns, der Berliner Wirtschaft und sicherlich auch der Stadt Berlin fehlen. Wir bedanken uns bei ihm sehr für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit, auf die wir uns auch in seinen letzten Amtsmonaten freuen.“

Weitere Kommentare und Stimmen:

Aufstieg und Fall eines Ausnahme-Politikers: Wie seine Arroganz Wowereit nach oben spülte – und ihn dann zerstörte – so ist der
scharfe Kommentar bei FOCUS-online überschrieben.

SPIEGELonline kommentiert etwas milder: „Wowereits Abgang: Gut so“ – und sieht in Klaus Wowereit den „alten Leitwolf, der den Respekt in seinem Rudel verloren hat“.

Weitere Informationen:

www.klaus-wowereit.de

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m/s