Sonntag, 20. August 2017
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Können Syrer Deutsche in den Weltmarkt integrieren?

Sanierung der Kreuzritterburg Krak de Chevaliers

/// Kommentar /// – Deutschland betreibt eine Politik der offenen Tore, und lädt mit praktisch offenen Grenzen zur Zuwanderung ein. Die europäischen Nachbarn werden düpiert, und unter Zugzwang gesetzt. Wolfram Weimer warnt im Handelblatt vor moralischer Arroganz und Überheblichkeit (What’s right? Migrationspolitik – die Besserwisser des Guten | 19.9.2015 | Handelsblatt).

Sanierung der Kreuzritterburg Krak de Chevaliers
Sanierung der Kreuzritterburg Krak de Chevaliers (Syrien) – Foto: Jäger Ingenieure GmbH, Radebeul

Deutschland erlebt nun eine beispiellose Zuwanderungswelle, eine Welle der Hilfsbereitschaft und Unterstützung. Doch inzwischen mehren sich die Zeichen: auch Deutschland wird logistisch überfordert. Die vielen Helfern können unmöglich auf Dauer auf so hohen Niveau Unterstützung leisten. Staatliche Strukturen müssen neu aufgebaut werden. Die Integration muss verbessert werden, Sprachkurse und Weiterbildung müssen organisiert werden.

Vor allem aber: es müssen wintersichere und dauerhafte Unterkünfte neu gebaut werden.

Die Politik hat bereits reagiert, nach bewährten Mustern: Geld wird bereit gestellt. Bundesagentur für Arbeit und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge werden faktisch „zusammengelegt“. Ganz nebenbei werden dabei Arbeitslose und Grundsicherungsempfänger im Nebeneffekt mit Flüchtlingen und Migranten gleich gestellt.

In Deutschland wächst nun vor allem der „sozialindustrielle Komplex“. Mit dem Bauen kann man nur langsam anfangen, weil man eine hoch spezialisierte Bauwirtschaft entwickelt hat, und sich vom „Wissen der Wiederaufbauprogramme“ der 1950er Jahre entfernt hat, als Bergarbeiter neben der schweren Arbeit ihre Heime selbst bauen durften. Gleichzeitig gibt es eine hohe strukturelle Arbeitslosigkeit für Ungelernte und einfache Arbeitskräfte.

Erst sind es Initiativen, dann Vereine, dann Trägergesellschaften und Betreuungsprojekte, die „Flüchtlinge“ unter das „kulturelle Regime“ des deutschen Sozialgesetzbuches bringen, um aus ihnen „Arbeitskräfte“ und „Facharbeitskräfte“ zu machen.

Die Integrationspolitik bekommt damit eine „Richtung“: aus Afghanen, Syrern, Irakern und Libanesen, Pakistanern und anderen sollen „zugewanderte Deutsche“ werden, ganz so, als sei die deutsche Kultur das überlegene Modell – eine Einbahnstraße.

Auf dem Weltmarkt wachsen gleichzeitig noch mehr Not und ein noch viel höherer Fachkräftebedarf, um Strukturen des Überlebens zu schaffen – in Gang zu halten.

Blickwechsel – sind die Deutschen richtig in die Welt integriert?

Doch ist das deutsche Modell überhaupt noch zukunftsfähig? Diese Frage stellt man bisher nicht! Auswanderung und Zuwanderung sind zwei dynamische Größen. Auf rund 900.000 im Jahr angewachsene Auswandererzahlen sollten Besorgnis auslösen. Eine negative Gesamtbilanz zwischen Zuwanderung, Auswanderung und Demografie kann sich mittelfristig einstellen.

Hat sich unser medial geprägtes Bild von der Welt vielleicht auch entfremdet? Nehmen wir uns selbst als bedeutender wahr, als wir es sind? Prognosen sagen heute bereits: um 2030 wird es weltweit in allen Schlüsselbranchen nur noch rund 1,4% deutsche Beschäftigte geben. Soll man das akzeptieren? Oder ist das Ergebnis einer falschen Kultur und Strategie?

Erleben wir im Gefolge der Exzesse der Finanzkrise nicht eine beispiellose wirtschaftliche und organisatorische Kontraktion?

Sind nicht wichtige Wachstumsfelder in der Weltwirtschaft praktisch kampflos aufgegeben worden? Mobilfunk, Solartechnologien, Anlagenbau im Bereich Zementwerke, Betonpumpen. Sind nicht ganze Schlüsseltechnologien an asiatische Firmen verkauft worden?
Werden sogar die letzten industriellen Kerne wie Eon und RWE in Deutschland durch die Energiewende-Politik vernichtet? Schrumpfen trotz großer Exportzahlen die Wertschöpfungsanteile in den Produktionsketten? Gründen wir den deutschen Wohlstand vielleicht immer noch zu sehr auf „Billiglohn und Ausbeutung“ in der Welt? Lösen wir damit Krisen sogar selbst aus?

Weltweiter Bedarf nach Bauen, Städtebau, Infrastruktur und Urban Tech

Weltweit gibt es einen gigantischen Verstädterungsprozess, einen immensen Infrastrukturbedarf und Baubedarf. Doch die deutsche Bauwirtschaft und deutsches Ingenieurwesen spielen auf dem Weltmarkt inzwischen eine völlig untergeordnete Rolle – obwohl das Wissen um Baustatik, sicheres und erdbebensicheres Bauen sehr hoch entwickelt ist.

Warum ist das so? Hängt es nur an billigen Löhnen? Oder hat man in Deutschland die Fähigkeit vergessen, vor Ort Projekte entwickeln, finanzieren und bauen zu können? Haben wir uns in der Finanzkrise zu sehr auf „Finanzfragen“, Kreditabsicherung und Compliance Regeln konzentriert, und uns so vom Weltmarkt abgewendet?

Ist es heute richtig, wenn mehr Araber Deutsch lernen – oder wäre es besser wenn mehr Deutsche Arabisch lernen?

Mangelnde Integration der Deutschen in den Weltmarkt?

Haben wir es heute infolge unserer Exportorientierung mit einer besonderen Form der politischen und wirtschaftlichen Selbstwahrnehmung zu tun? Kann es sein, wir haben einfach vergessen, dass Flüchtlinge in Flüchtlingslagern auch Essen, Arbeit und Lebensperspektiven brauchen? Hat unser Außenministerium nicht erkennen können, was es bedeutet, wenn für 2-3 Mio. Menschen die UN-Nahrungshilfe eingestellt wird? Wieso reist unser Außenminister erst jetzt in die Türkei, die schon seit Jahren große Lasten der Syrien-Flüchtlinge trägt?

Die zu uns geflüchteten Syrer können uns viel erzählen, mitteilen – aber auch lehren! Vielleicht ist es genau umgekehrt: sie sind zu uns gekommen, um uns von ihren Nöten, ihrer Kultur und ihren Lebensweisen zu erzählen, und etwas zu lehren!

Vielleicht auch, wie es Deutsche besser schaffen könnne, auf dem Weltmarkt vor Ort mehr Projekte mit nachhaltigen Perspektiven aufzubauen. Auch könnten syrische Ingenieure und Fachkräfte helfen, die Deutschen von ihrem „Betreuungswahn“ zu heilen, und stattdessen mehr auf „Vorsorge“, „Vorbeugen“ und direktes Handeln zu orientieren.

Tatsächlich kann man gemeinsam sehr viel erreichen – und vor allem vor Ort den Wiederaufbau und die Zukunftssicherung der Region anpacken! Der ganze Mittlere Osten, Iran und Südasien leiden heute bereits an Wasserknappheit und Klimafolgen – es ist sehr viel zu tun!

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