Sonntag, 20. August 2017
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Kombibad für Pankow

Wellenbad am Spreewaldplatz

Der neue Chef der Berliner Bäderbetriebe hat ein neues Bäderkonzept ausgearbeitet, und sich zum einem Teil mit neuen Ideen durchgesetzt. Die Berliner rot-schwarze Regierungskoalition hat sich aufgrund der Haushaltsüberschüsse 2014 zur Bildung eines Investitionsfonds von 200 Mio. € entschlossen.

Wellenbad am Spreewaldplatz
Wellenbad am Spreewaldplatz in Kreuzberg – Foto: Berliner Bäderbetriebe

Für die Berliner Bäderbetriebe heißt das nach fast zwanzig Jahren harter Sparpolitik wieder: Neubau. Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU) hat mit seiner Verwaltung fleissig und konstruktiv an einem neuen Bäderkonzept gearbeitet, und nach dessen Präsentation ist es nun beschlossen: Berlin bekommt zwei neue sogenannten 365-Tage-Bäder oder auch Kombi-Bäder.

Pankow bekommt damit früher als erwartet einen Ersatz und eine erhebliche Aufwertung des Bäderstandortes an der Wolfshagener Straße in Alt-Pankow. Das andere Multifunktionsbad soll in Mariendorf entstehen.

Die alte Schwimmhalle am Sommerbad Pankow ist schon lange wegen Baufälligkeit geschlossen und praktisch reif für den Rückbau.

Schwimmhalle Pankow
Schwimmhalle Pankow: Abriß – der Neubau eines Kombibades ist geplant

Das Bad in der Thomas-Mann-Straße an der Grenze zu Prenzlauer Berg wird derzeit saniert und öffnet frühestens 2016 wieder.

Die vom Vorstandsvorsitzende der Bäder-Betriebe (BBB) Ole Bested Hensing 2014 vorgeschlagene Schließung von Bädern ist vom Tisch. Hensing hatte die Finanznot der Bäderbetriebe für seine Vorschläge angeführt, und bekommt nun auch mehr Geld für notwendige Sanierungen.
Im neuen Bäderkonzept heißt es: „Der Senat erwartet den Erhalt des Wasserflächenangebots der BBB in Hallen- und Sommerbädern zur Erfüllung der öffentlichen Daseinsvorsorge.“

Damit stellt sich der Senat den Anforderungen der wachsenden Stadt. SPD-Fraktionschef Raed Saleh sagte auch, dass der Neubau nicht auf Kosten der bestehenden Bäder finanziert werden soll.

60 Millionen € für zwei Bäder

Aus dem neuen „Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt“ soll die Finanzierung der beiden neuen Multifunktionsbäder zu je gleichen Teilen in Höhe von je 30 Mio. Euro gesichert werden.

Die beiden Bäder sind für Berlin Pilotprojekte, das Pankower Bad soll mit Schwerpunkt „Freizeit & Wellness“ gebaut werden. In Mariedorf liegt der Schwerpunkt auf „Sport und Freizeitbad“, was auf unterschiedliche Ausstattungen hinweist.

Im Bäderkonzept sind langfristig zwei weitere Multifunktionsbäder geplant. Grundsätzlich soll auch weiterhin in die mehr als 60 Berliner Bäder investiert werden. Der aktuelle jährlichen Zuschuss für die Bäder-Betriebe in Höhe von 50 Millionen Euro wird daher auf hohen Niveau bleiben müssen.

Ob die Ziele des neuen Bäderkonzeptes erreichbar sind, mit den neuen Bädern Geld zu verdienen, darf jedoch in Frage gestellt werden. In der Schweiz liegt der Kostendeckungsgrad bei öffentlichen Bädern um 50%. In der Stadt Hannover hat das beste Freizeitbad einen Kostendeckungsgrad von etwas über 46%.

Bäderbau – keine leichte Sache

Ernsthafte Vorwarnungen gibt es übrigens auch aus dem Nachbarland Brandenburg: hier zeichnet sich ein Fiasko beim Bäderbau in Werder ab, das mit einem der erfahrensten Bäderbetreiber in öffentlich-privater Partnerschaft gebaut wird, und von ursprünglich geplanten 18 Millionen Euro inzwischen bei fast 25 Millionen angelangt ist, und wohl noch weitere 2,7 Millionen Nachforderungen kosten wird, bis es bauschadensfrei in Betrieb gehen kann.
Auch das in Potsdam entstehende neue Bad liegt schon in der Planung über den veranschlagten 30 Mio. € – und wird nun in der Kostenschätzung mit 36 Mio. € veranschlagt.
Auch die Naturtherme Templin mit über 36 Mio. € Baukosten ist ein warnendes Beispiel. Sie wurde mit über 450 Baumängeln in Betrieb genommen – und mußte nach wenigen Jahren für über sieben Millionen Euro saniert werden.

Weitere Informationen:

Neue Bäderpläne für Pankow? | 7.8.2013 | Pankower Allgemeine Zeitung

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m/s