Freitag, 18. August 2017
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Visionen auch!

Kultur tut Not –
Visionen auch!

bat-Studiotheater: DasSchloss, Foto: © Stini-Mimissonsdottir

Berlin ist in Kultur und Künsten, in Literatur, Theater, Musik und Tanz weit über sich hinausgewachsen, und entwickelt eine magische weltweite Anziehungskraft. Stadt als Kommunikations-, Lebens- und Arbeitsraum – auch als Experimentierraum entfaltet hier eine neue Qualität. Die rapide Entwicklung überrascht noch immer, weder Politik noch Wirtschaftswissenschaft verstehen genau, was die Kulturstadt eigentlich heute antreibt.

bat-Studiotheater: DasSchloss, Foto: © Stini-Mimissonsdottir
bat-Studiotheater: DasSchloss, Foto: © Stini-Mimissonsdottir

Immerhin: der Kulturetat ist scheinbar groß genug, um Entwicklungen in einzelnen Künsten und Branchen gezielt voran zu treiben.

Die große Bilanz ist positiv: Bestandschutz für Clubs im Baurecht – ein weltweit beachtetes Novum! Das Musicboard: eine erfolgversprechende Geschichte beginnt gerade. E-Musik und Hochkultur ziehen internationale Künstler, Publikum aber auch Manager und Firmenansiedlungen an. Die großen Theater glänzen im Feuilleton und in der kulturellen Perzeption. Sie kosten aber immens viel Geld und haben nicht genug Publikum.
Von allen drei großen Berliner Opernhäusern ist das „vierte und kleinste Opernhaus“, die Neuköllner Oper, eine freie Spielstätte mit dem höchsten Auslastungsgrad von über 90%.

Doch groß genug ist der Kulturetat nicht! Es gibt harten Streit um den Kulturhaushalt in dieser Stadt. Es sind fast 400 Millionen Euro, die verteilt werden. Ein Drittel davon fließt in nur drei Opernhäuser. Nur rund 10 Millionen € sollen davon für die freie Szene ausgereicht werden. Das schafft Verdruß – und viel Energie fliesst nun in Streit – statt in neue Ideen und Chancen.

Die Koalition der Freien Szene ist verärgert, und geht nun auf die Straße zum Protest – zu Recht.

Berlin steht vor einer neuen Situation

Wie funktioniert überhaupt Kulturpolitik, wenn Kunst, Kultur- und Kreativwirtschaft binnen zwei Dekaden in Berlin zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszweige einer Stadt heranreifen? Wenn Kreativität und Diversität in einer „Creative City“ kulminieren, explodieren – und einen Tourismusboom auslösen? Kann Politik im gleichen Tempo mithalten, und der laufenden Entwicklung noch angemessen vorausdenken?

Oder hängt sie der Entwicklung rettungslos hinterher?

Kann man die vorhandenen finanziellen Mittel des Kulturetats noch wie im vorigen Jahrhundert üblich, einfach in Töpfe teilen – und auf Häuser und Ensembles verteilen, ein Stipendium hier, eine Tariferhöhung da?
Befriedigt man einfach Interessengruppen, herausragende Köpfe und rechnet dann auf hunderten Tabellenzeilen den Gesamtetat aus?
Folgt man den lauten Äußerungen der Freien Szene, und legt noch hier und da ein paar Milliönchen drauf?

Oder braucht die ganze Stadt vielleicht ein neues radikales Konzept von „Kulturpolitik“, das Herausforderungen, Notwendigkeiten, Chancen, Risiken und Nöte erkennt – und Wege, Auswege, Strategien und Ziele benennt?

Ist etwa eine „Kulturwirtschaftspolitik“ nötig, die die Produktionsfaktoren Mensch, Geist & Kapital nach humanen, kulturellen und wirtschaftlichen Prinzipien ordnet?

Was sind die Ziele der Kulturpolitik?

Was – wenn die Politik nicht in der Lage ist, Pläne zu entwerfen, weil sie das Phänomen der Performativität und Anziehungskraft von Kultur in der Stadt nicht handgreiflich genug versteht? Wenn sie so jeglichen Zugang zu nachhaltigen Zukunftsstrategien verpasst?

Hat man die Ziele einer möglichen Kulturentwicklungsplanung aus dem Auge verloren?

Sollen der Regierende Bürgermeister Wowereit und sein Staatssekretär Andre Schmitz Finanz-Mittel wie Mäzene verteilen – oder braucht die Stadt inzwischen eine „Kulturwirtschaftspolitik“ mit nachhaltigen Zuschuß, Förder- und Entwicklungsperspektiven?

Muß eine Stadt, die alljährlich hunderte neue Künstler und Kreative ausbildet, auch ein Konzept für die Zukunft haben? Soll über den regionalen Bezug und den Kiez hinaus auch ein europäischer und globaler Markt betrachtet werden? Braucht die Stadt mehr Vernetzungen – und einen „Kultur-Export“? Vielleicht auch etwas mehr Kulturaustausch und Festivals mit den Aberdutzenden Partnerstädten der Bezirke?

Oder belebt man Kooperationen von Hauptstadt zu Hauptstadt auch mit interessierten Partnerländern? Oder sollte das weltweite Netz der „Creative Cities“ kulturell belebt werden?

Die große Frage steht im Raum – der kreative Geist ist ungeduldig:

„Dürfen Künstler und Kreative in dieser Stadt auf eine vorausschauende Kultur- und Chancen-Politik hoffen, die vorhandene Mittel besser ausschöpft, Synergien und neue Marktzugangschancen schafft? Reizt Berlin seine Fantasien und Potentiale schon aus?“

Kultur der Kulturpolitik

Kreativität, Kunst und Kultur treiben heute Kulturszene, Wirtschaft und Wissenschaft und den Städtetourismus an – die Politik wird davon leider nicht in ausreichendem Maße inspiriert. Ein genaues Studium der Prozesse in der „Creative City“ erlaubt tiefe Einblicke in ein neues entstehendes Zivilisationsmodell, das prekäre aber auch stabile und zuwachsende Strukturen hervorbringt.

Wie aber entstehen lebendige und zuwachsende Strukturen? Gibt es auch für alle Platz?

Sind es immer nur „Verrückte“, die solche Zukunftsprozesse antreiben – die gegen Windmühlen ankämpfen, und bisweilen bluten, bisweilen furios siegen? Oder gibt es auch stabile soziale Verbundprojekte, Genossenschaften und Compagnien? Und was ist mit genialen Galeristen, Kuratoren und Organisatoren?

Gibt es auch „Inseln der Excellenz“, die einfach deshalb entstehen, weil irgendein Mensch in Politik und Verwaltung mit ruhiger Perspektive 10 Jahre lang Geld und institutionelle Förderung für Entwicklungszeit gegeben hat? Müssen kreative Ensembles oder Compagnien einfach nur vor der „Förderprojektitis“ bewahrt werden, um richtig gut zu werden?

Braucht die Kulturpolitik auch eine neue „Kultur der Politik“ im Umgang mit Künstlern und Kreativen?

Was ist eigentlich die Freie Szene?

Ist die Freie Szene eine große Vertretung aller Künstler- und Kreativen mit Zugehörigkeit zum Kulturbetrieb? Oder ist es auch nur eine kleine, aber aktive Lobby?

Wieso ist der Landesverband freie darstellende Künste Berlin e.V. (LAFT e.V.) so schlecht ausgestattet, und kaum in der Lage, als Lobby zu wirken?
Ist es vielleicht auch „kulturpolitischer Wahnsinn“, wenn es einen ebensolchen schwachen Landesverband 12 Meilen westlich in der Schiffbauergasse in Potsdam gibt? Dazwischen sind Fördergrenzen, die selbst länderübergreifende Theater-Gastspielreisen mit dem Omnibus unmöglich machen.

Was ist mit den stillen Akteuren der Kulturszene, den Bürger- und Kulturvereinen, die bisweilen sehr wertvolle touristisch interessante Galerien, Museen, Ausstellungsorte und Kulturorte betreiben? Müssen diese nicht auch gestärkt werden, weil sie in der Fläche viele Potentiale neu erschaffen können? Könnten manche Vereine auch kostentragend wirtschaften, wenn sie nur genügend wirtschaften dürfen?

Villa Liebermann, Café K. am Kolbe Museum sind solche einzigartigen Orte, die Stabilität erlangt haben. Es könnte noch viele andere „einzigartige Orte“ geben! Und es sind auch Spielorte – mindestens für Musik!

Zählen auch Bildende Künstler zur Freien Szene, Galeristen und Kunsthistoriker und Kritiker? Und welche Rolle spielen die Medien, wenn gerade erst wieder ein renommierte Kunstzeitschrift ihren Sitz nach Berlin verlegt?

Zählt auch der relativ gut organisierte BBK Berlin e.V. zur Freien Szene? Oder grenzt man sich dort auch gegen allzuviele „Freie“ und „Hartz4-Aufstocker“ ab?

Müßte man die „Aufstocker-Mittel“ nicht längst anteilig zum Kulturwirtschafts-Etat hinzurechnen, um Haushaltswahrheit und Klarheit und politische Gestaltung in Einklang zu bringen? Könnte hier mehr Flexibilität auch längeren Öffnungszeiten möglich machen?

Hat sich etwa in Berlin inzwischen eine „kreative Klasse“ entwickelt – und weder Politik noch Akteure haben dies aufgrund ihrer Fördertopf-Denkweisen und Spartenbezüge je erkennen können? Oder haben wir es alle ganz schlicht übersehen?

Wie steht es um die Kunst?

Rund 5.600 Bildende Künstlern leben in der Stadt, viele machen hier „transitorische Prozesse“ mit, ein Kommen & Gehen als Stipendiat, als Artist in Residence, als Absolvent – aber auch als prekäre Starter in eine harte selbst gewählte Welt.

Sie stehen im Wettbewerb mit den arrivierten bodenständigen Künstlern, die hier schon lange arbeiten, Ateliers und Wohnungen erarbeitet haben und weite Netzwerke und Künste pflegen – und bisweilen überregional ausstellen. Es entsteht längst eine immense Bilderflut, ein mörderischer Wettbewerb – für den es nie ausreichend „Hängungsflächen“ geben kann.

Soll man beide Gruppen in einen immerwährenden harten Wettbewerb um knappe Ausstellungsflächen schicken, oder bedarf es hier auch eine Förderung und Entwicklung stabiler Strukturen? Gibt es hier auch eine soziale Verantwortung, um Künstlerbiografien gedeihen zu lassen? Oder lässt man Künstler wie Schmetterlinge am heißen urbanen Licht des Marktes einfach verbrennen?

Sollten Galerien stabile Orte sein – in denen Kunst sich entwickelt – oder ist die Pop-Up-Galerie mit Facebook-Community und „Flash-Mob-Vernissagen“ ein tragendes Modell?

Kann man das Schisma zwischen Ost- und Westkunst auch als Aufgabe verstehen, um die deutsche Teilung in den Köpfen zu überwinden?
Sollen die geplanten Ausstellungen in Schloß Schönhausen und Schloß Biesdorf zu den „Künstlern des Nordens“ und zur „DDR-Kunstgeschichte“ vielleicht auch helfen, den Berliner Kunstmarkt wieder neu zu inszenieren? Oder ist es nur Geschichte?

Hilft es, die Bestände aus dem Archiv Beeskow mit 26.000 Bildern und die Sammlung der Sozialen Künstlerförderung aus West-Berlin mit rund 14.500 Werken einmal miteinander in Wechselwirkung bringen? Es könnte Überraschungen geben!

Kultur tut Not!

Kultur tut Not, nicht nur im Umgang mit dem Gast oder Besucher – sondern auch im Umgang mit Akteuren, Kulturproduzenten – und mit Haushaltswahrheit und Klarheit. Auch Verschwendung muß bekämpft werden! Spielorte mit 5 Monaten Leerstand und Sommerpause können sicher besser genutzt werden – und auch tragende Einnahmen erwirtschaften. Manchmal genügt es, ein Literaturcafé mit Pizzaofen zu bauen, um einen ganzen Kulturstandort Thälmannpark energetisch und wirtschaftlich zu sanieren.

Auch Kulturämter müssen heute anders funktionieren, und nicht nur Jahrestöpfe hegen und Klientels pflegen, sondern jahresübergreifende, stabile Strukturen schaffen.

Was wäre, wenn es in den bezirklichen Kulturämtern „begnadete Drittmittel-Akquisiteure“ gäbe, die zudem alle Tricks kommunaler Kosten-Leistungsrechnung beherrschen – und neue Chancen etatisieren und hervorzaubern? In Pankow fängt ein Kulturstadtrat gerade erst an – und wühlt sich durch den ideologischen Muff „enger, ängstlicher staatsfixierter Kulturpolitik“.

Das Ergebnis ist Vielen in der Stadt lange bekannt: „Schielen auf den Staat“, „Ungewißheit und Projektitis“ erzeugen erst das Prekariat, das mit bürokratischen Mitteln gesteuert werden soll. Der Staat muss dabei versagen – es kann nicht auf Dauer „so“ weiter gehen.

Kultur braucht mehr: die Verstetigung von Mitteln für Chancen und Räume, für attraktive Experimentier- und Spielräume, die nah am Publikum sind. Die „Projektitis“ ist der ökonomische Kern prekärer Beschäftigung und steter Quell wackeliger Biographien, auch Ursache von Ängsten und realen Versagen.

Stabilität und kalkulierbare Förderzeiträume bringen künstlerischer Entwicklungen erst hervor. Das kreative prekäre Durcheinander schafft nur Leid – und zerstört auch viele Biografien. Besser sind Absagen – und klare Bedingungen, als unkalkulierbare Hoffnungen und Enttäuschungen. Tänzer haben nur 10 Jahre Zeit – wer diese mit Bürokraten versäumt, verbrennt sein ganzes Leben!

Wir brauchen deshalb auch eine neue Kultur der Kulturarbeit! Im Mittelpunkt der Mensch, die Idee, das Projekt – danach das Geld!

City-Tax als bürokratisches Monster

Die Möglichkeit der Erhebung einer City-Tax ist das Einzige, was im traditionellen steuerbürokratischen Politikansatz einfällt, und vorhersehbar im steuerrechtlichen Dickicht scheitert. Die geplante City-Tax bringt womöglich ein Mißverhältnis von Ärger und mickrigen Ergebnis zustande.

Geht es vielleicht einfacher? Intelligenter?

Eine einfache „Regenwetterversicherung“ als leistungsbezogene Komponente einer Berlin-Reise wäre keine Steuer, und könnte sich bei über 160 trüben Tagen im Jahr als starker Anreiz entwickeln. An Regentagen wird die Regen-Police direkt in Kulturtickets entgolten – dazu gibt es einen Regenschirm mit 15 € Pfand. Das Geld landet ohne Umweg an den Kassen der Kulturorte und Theater. Und manche nehmen den Schirm als Souvenir mit nach Haus, weil der Schirm jährlich künstlerisch neu gestaltet wird.

Die Vorteile der Berliner Kulturlandschaft müssen nicht durch eine Steuer ausgereizt werden. Künftig sollte jede Geschäftsreise auch zur „Kulturreise“ werden können. Mindestens doppelte Einnahmen gegenüber der City-Tax-Variante wären gesichert.

Kunst am umd im Bau als schlafende Chance

Sollten wir ganz einfache ideologische Denkfallen beseitigen, die uns hindern, Naheliegendes zu tun?

Vor genau 85 Jahren wurde in der Weimarer Republik vom „Minister des Innern“ der Erlass vom 28. Juni 1928 herausgegeben, wonach den bildenden Künstlern „bei der Errichtung und Ausstattung staatlicher oder kommunaler Bauten mehr als bisher, unter besonderer Berücksichtigung der beschäftigungslosen und in Not geratenen bildenden Künstler, Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten zu schaffen“ seien.

„Kunst am Bau“ gibt es bis heute als Programm für öffentliche Bauten – 1950 hat die Bundesrepublik dazu Regeln fotgeschrieben, und in der alten DDR wurde 1952 ähnliches mit 1-2% „Planbaukosten“ als „Anordnung über die künstlerische Ausgestaltung von Verwaltungsbauten“ umgesetzt.

Leider hat man heute in den Berliner Bezirken die Zuständigkeiten zwischen Bau, Kultur und Facility Management aufgeteilt – und es ist nun offen, ob Kunst am Bau überhaupt noch ausreichend umgesetzt wird.

Hier sollte daher reformiert und ausgeweitet werden! Auch hier ist das alleinige „Schielen nach dem Staat“ kontraproduktiv.

Warum bezieht man nicht längst die Investoren in ein kreatives Netzwerk ein: „Kunst am & im Bau“ – mindestens 1,2%-2% der Baukosten?

Das Bauen wird davon nicht teurer – weil die Bauarbeiter nur etwas früher die Regie abgeben müssen. Am Ende entsteht ein Wert, der Immobilien einzigartig macht. Bis in das 20. Jahrhundert waren Kunst, Kunsthandwerk und Bauen eng verwoben – heute sind es die attraktivsten Wohngebiete, mit Stuck an Fassaden und kunstvollen Fluren Treppenhäusern, wie in Prenzlauer Berg.

Soll der Künstler heute schon bei den ersten Entwürfen dabei sein? Oder erst am Schluß, wenn Fassade und Flure bemalt werden? – Das können Künstler und Investoren mit den Architekten frei regeln – der Staat sollte nur auf freie und gerechte Wettbewerbe achten!

Wieviel Geld kommt wohl zusammen, wenn das Common-Sense wird? Wenn jeder Bauinvestor schon bei der Bauvoranfrage eine Anleitung bekommt, wie Kunst und Bauen miteinander verwoben werden können?

Kulturentwicklungsplanung & Visionen

Kultur, Künstler & Kreative und Kreativwirtschaft in Berlin brauchen einen neuen Plan, um die wilden Wachstumsschmerzen zu überwinden, die das Wachstum der „Creative City“ begleiten. Es ist auch kein 5-Jahres-Plan gemeint – sondern ein Fördern und Entwickeln und Begleiten von längst vorhandenen Projekten, Prozessen und Aktivitäten.

Es gibt auch längst konkrete Wunder und Ventile in der Stadt, von denen gelernt werden kann:

Eine wundersame Geschichte von einer Schweizer Stiftung, die einer Tanzcompagnie in Prenzlauer Berg eine Immoblie fördert und 11 Jahre wunderbare Arbeit belohnt. Eine Compagnie Toula Limnaios, die auch auf Reisen geht und Premieren in Bregenz feiert.

Ein einziger Bunker macht Berlin zu einem der weltweit wichtigsten Musikproduktionsstandorte, nach Los Angeles, Nashville und London. Mit bis zu 90 to Deckenlast kann das Equipment von RAMMSTEIN und anderen Bands erprobt werden – und es passen dabei noch 300 Zuschauer und Techniker hinein. Konzertprobe mit 100 dBA in Wilhelmsruh.

Es gibt auch Investoren, die sich mit Kunst & Kulinarik schmücken – und einen neuen Geist von Außen in die Stadt bringen. Es trifft nicht immer auf Wohlwollen der bodenständigen Szene, es wird als fremd empfunden. Dennoch kommt Kunst auf diese Weise neu mit neuem Geld in die Stadt. Mehr Dialog und Austausch mit solchen Investoren wären für beide Seiten lohnend.

Auch Synergien müssen entwickelt werden, zwischen den Berliner Bezirken. Wir brauchen auch mehr Wettbewerbe und Preise – und der „Kulturexport“ sollte zum ernstzunehmenden Faktor werden.

Berlin sollte sich besser mit Europa und der Welt vernetzen – und auch Tourneen und weltweite Formate fördern. Gibt es dafür nicht auch längst Förderung und Kredit – und vielleicht fehlende Antragsteller? Fehlen auch Mittler und Agenturen?

Warum nicht auch einen „Cirque du Berlin“ entwickeln, der nach dem kanadischen Vorbild weltweite Engagements unterhält und heute 1.300 Künstler, Tänzer und Artisten und 3.700 weitere Mitarbeiter in 50 Ländern beschäftigt?

Warum nicht auch ein Projekt, ähnlich dem Centre Pompidou in Paris? Genau auf dem Marx-Engels-Forum – in dem jedes Jahr ein anderes Land aus Europa zu Gast ist? Ko-Finanziert aus Brüssel?

Haben wir nicht unendlich viele Ideen, viel schlummerndes Potential in dieser Stadt und viel, viel mehr Geld verfügbar, als wir gemeinhin in Berlin denken? m/s

Veranstaltungshinweis:

“Das Schloss” nach Franz Kafka
Neuinterpretation des berühmten Romans im bat-Studiotheater.
Freitag, 6. September, 20 Uhr – ca. 90 Minuten. Keine Pause

bat-studiotheater: Das-Schloß - Foto: Stini Mimissonsdottir
bat-studiotheater: Das-Schloß - Foto: Stini Mimissonsdottir

„Da schien es K., als habe man nun alle Verbindung mit ihm abgebrochen und als sei er nun freilich freier als jemals und könne hier auf dem ihm sonst verbotenen Ort warten, solange er wolle, und habe sich diese Freiheit erkämpft, wie kaum ein anderer es könnte, und niemand dürfe ihn anrühren oder vertreiben, ja kaum ansprechen; aber – diese Überzeugung war zumindest ebenso stark – als gäbe es gleichzeitig nichts Sinnloseres, nichts Verzweifelteres als diese Freiheit, dieses Warten, diese Unverletzlichkeit.

Es spielen: Lucie Thiede, Mehmet Sözer, Max Thommes alle 3. Studienjahr Schauspiel HfS Naemi Simon 3. Studienjahr Schauspiel UdK Hannah Müller 2. Studienjahr Schauspiel UdK sowie Gina Henkel, und Florian Prokop.“

Regie: Lucia Bihler 3. Studienjahr Regie HfS
Dramaturgie: Sonja Laaser MA Dramaturgie HfS Sven Björn Popp
Fassung: Bihler, Laaser, Popp
Choreographie: Mira Mann
Bühne: Kerstin Narr
Kostüme: Josa David Marx
Musik: Jacob Suske
Bühnenbildassistenz: Lucie Müller
Bühnenbildassistenz: Wiebke Müller
Regieassistenz: Lea Volke
Dramaturgieassistenz: Olga Siebrecht
Kostümassistenz: Sarah Nose

bat – Studiotheater – Belforter Str. 15 , 10405 Berlin-Prenzlauer Berg

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m/s