Mittwoch, 13. Dezember 2017
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Kunst in Zwischenwelten #2

Kultur in Pankow

Die „Kunst“ im Kulturportal KULTUR IN PANKOW ist wieder sichtbar, doch die Vielfalt der Einträge wurde stark reduziert. Der Link „ART“ steht in der Mitte des Hauptmenüs, ein stilles Statement. Kunst und Kreativität haben einer „Creative City“ Schlüsselfunktionen und werden zum Dreh- und Angelpunkt künftiger Ökonomien.

Einige Galerien sind praktisch ganz verschwunden, geschlossen, oder verdrängt. Eine intermediäre Galerie meldet sich inzwischen immer mit Themen aus New York.

Erfreulich: eine Galerie aus Berlin-Mitte ist nach Pankow umgezogen, und kommt demnächst dazu, sie wird einen bisher schwach mit Kunst besetzten Ort grundlegend inspirieren, und hat schon Einladungen aus Übersee. Mehr sei noch nicht verraten.

Eine Galerie in der Parkstraße in Alt-Pankow wurde aus Altersgründen aufgegeben – und eine lange Phase der Inspiration in der Bildhauerei, mit mamhaften Künstler und Skulpturen im öffentlichen Raum droht im 18. Jahr zu enden. Es wäre schön, wenn die gute Tradition bis ins 20. Jahr fortgeführt, und dann in öffentlicher Trägerschaft mit Bürger-Jury fortgeführt werden kann.

Galerie im Rathaus

Die Bezeichnung „Galerie im Rathaus“ wurde aufgegeben, denn hier finden nur Ausstellungen, aber kein Kunstbetrieb im engeren Sinne statt. Es ist praktisch die Etage des Bürgermeisters, in der vor ein paar Jahren durch Hilfe einer geförderten Mitarbeiterin der Galerie Parterre mehrere Hängungen aus der kommunalen Pankower Kunstsammlung stattfanden. Wenn dieser Ort künftig kuratiert wird, wäre es ein guter Ort, um an „Pankow beflügeln“ anzuknüpfen.

Hier sollten künftig besondere Künstlerinnen und Künstler gezeigt und gewürdigt werden. Für die „Galerie im Rathaus“ sollte es auch eine öffentlich tagende Jury geben, denn Kunstförderung muß in Pankow öffentlicher werden. Die heimliche Intendanz des Kulturamtes muß transparenter gemacht werden. Und die Politik muß sich endlich um die Kultur in der Kunst, Kultur- und Kreativwirtschaft kümmern.

Der für Wirtschaft zuständige Bürgermeister wird daher bei diesem Thema besonders herausgefordert – und kann sich schon für das Jahr 2016 mit einer qualifizierten Gegenkandidatur für sein Amt auseinandersetzen.
Der Muff von behördenfreundlicher, weichgespülter Kiez- und Soziokultur im Rathaus muß durch Öffnen der Fensterflügel entweichen können, damit ganz Pankow beflügelt werden kann.

Die Pankower Bürgerinnen und Bürger haben auch Anspruch, auf einen richtigen handfesten Kunstskandal im Pankower Rathaus, und seine inspirierenden Wirkungen. Was immer da kommen mag! In jedem Fall wird auch erwartet, dass Künstler sich befreien, und nicht mit „Förderantrags-Bücklingen“ durchs prekäre Leben schreiten, um danach holde Grußworte zu hören!

Die Kunst im Rathaus muß wieder dampfen, statt Politik und Bürgerschaft wohlig einzulullen!

Schleppende Organisationshürden

Einige Galerien haben sich noch nicht gemeldet. Echte Absagen gibt es praktisch nur von einer Galerie, die aber noch nie im Kulturportal vertreten war. Aus der Rückschau von drei Jahren lässt sich sagen: prekäre Beschäftigung und Mitarbeiter-Fluktuation lassen sich praktisch kaum beherrschen. Ehrenamtliche Vorstände von Vereinen sind zudem auch bisweilen überfordert, eine Position einzunehmen, weil sie eine ökonomische Schwelle nicht übertreten wollen, oder können. „Wir sind doch nicht kommerziell“ heißt es dann, eine Formel, die in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie an „ökonomische Selbstenthauptung“ grenzt.

Vielfach begreifen ehrenamtliche Vorstände nicht, dass sie ganz selbstverständlich eine „geschäftliche Organisation“ mit vier Säulen des gemeinnützigen Geschäfts leiten: ideeller Bereich, ideeller Zweckbetrieb, wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb und unabdingbar die Vermögensverwaltung.
Tatsächlich muß jeder Verein Überschüsse erzielen und erwirtschaften – und erfolgreiche Vereine erkennt man an der „Überschußerzielungsabsicht“, die mitunter zu beachtlichen Gewinnen führen kann, wie man beim ADAC und beim Verein zur Förderung des Ballsports in München erkennen kann.

Eine namhafte Galerie sendet weiter tapfer Pressemitteilungen, obwohl sie darüber informiert wurde: KULTUR IN PANKOW ist keine Presse. Das Eingangspostfach heißt auch: kulturpartner@kultur-in-pankow.de . Hier wird auf einen konstruktiven Klärungsprozeß vertraut, denn alle Vorstandsmitglieder des Kunstvereins sollen „mitgenommen“ werden.

Projektraum in Gefahr

Ein Projektraum ist mit dabei, der in höchster Gefahr ist, ab Januar 2015 seine Miete nicht mehr zahlen zu können. Hier wird Solidarität gezeigt, und weitere Hilfe angeboten.

Es gibt noch weitere Projekträume in Prenzlauer Berg, die nicht oder noch nicht dabei sind. Die größte Hürde ist wohl hier die fehlende Kontinuität der Ansprache, und natürlich das fehlende Geld, weil alle unter schweren Druck steigender Mietzahlungen stehen. Ein Projektraum in der Schönhauser Allee war nie sonderlich in Erscheinung getreten.

Und die große KUNSTHALLE mit den militärisch-olivgrünen Containern bildet praktisch ein exklusives Facebook-Biotop, das auch im Weltall schweben könnte.

Bötzow Berlin wird nun umgebaut, und hier wird sich erst im nächsten Jahr zeigen, ob man weiter ein eigenes Biotop mit Einladungslisten bilden wird, oder ob man sich auch der Kunstszene des Bezirks stärker zuwendet.
Das Netzwerk der Berliner Projekträume hat zumindest teilweise Präsenz gezeigt. Und im Monat der Fotografie haben auch mehrere Galerien und Fotogalerien aus Pankow sich gezeigt.

Kunst ganz eigen

Die Degewo-Galerie Remise wurde auch herausgenommen, ebenso die Helios-Galerie, weil diese wohl beide keinen unangemeldeten Besuch vertragen können. Beide Kommunikationsabteilungen von DEGEWO und Helios reagieren nicht auf Mailanfragen, was mindestens die Künstler und Kuratoren interessieren sollte. Sie sind zu bedauern, denn sie haben auch ein Recht auf Öffentlichkeit!
Kunst hinter einer Gated-Community – auch das war eine neue Erfahrung in den letzten drei Jahren. Auch die Kunst in der Caritas Klinik Maria Heimsuchung war zeitweilig im Kulturportal vertreten – doch zu einem geregelten Engagement ist es bisher nicht gekommen.

Künstlerhof Buch

Die Galerie 8 Tauben im Künstlerhof wurde ganz herausgenommen, weil sich hier offenbar niemand so recht kümmern mag. Zwei Künstler stehen als Ansprechpartner bereit – jedoch ohne finanzielle Mittel. Schade eigentlich, denn mehrere Versuche, dort zumindest zweitweise Kinderkunst zu etablieren, schlugen fehl.
Hier wären Engagement und Bürgersinn gefragt, der Künstlerhof Buch ist schönes touristisches Ziel. Das Kulturamt ist wohl auch zu weit entfernt, die Distanz zwischen Buch und Prenzlauer Berg ist sehr groß. Sogar so groß, dass man nicht merkt, wie im Bereich Kunst unterproportional wenig Geld in Buch ausgegeben wird. Stattdessen protzt das Kulturamt mit Fördermitteln in Prenzlauer Berg.

Kommunale Galerie herausgenommen

Nicht vertreten ist die Galerie Parterre, die als kommunale Galerie in Berlin eigentlich eine höchst wichtige und anspruchsvolle Arbeit macht. In der Galerie Parterre treffen die alte Kunstszene Ost-Berlins und die hochmögende Kunstszene der Hauptstadt zusammen. Eine Vernetzung mit Hamburger Bahnhof und Akademie der Künste trägt sich bereits.

Angesichts einer hohen sechsstelligen Summe der Kosten des Kulturstandorts Thälmannpark und Einnahmen in der Getränkekasse wurde hier jedoch ein „politischer Schnitt“ gemacht. Die Galerie Parterre ist aktuell nicht in KULTUR IN PANKOW drin!

Wer aus Prinzip nicht zahlen will, sollte das einmal allen Bezirksverordneten in der BVV erklären – und sich auch von Bürgern befragen lassen. Außerdem wäre hier längst eine publizistische Öffnung fällig: Kunstkritik, Kommentare und wichtige Themen sollten auch in öffentlichen Medien abgehandelt werden. Autoren, Kunstkritiker und Mittler sollten sich öffentlich äußern, und auch in Tageszeitungen, überregionalen Zeitungen schreiben.

Vielleicht kümmert sich auch einmal die Akademie der Künste darum, denn hier wird sich künftig eine zentrale Frage auftun, wie sich die europäische Kultur angesichts der Herausforderungen des Internets und des „Internets der Dinge“ aufstellen wird.

Auch bei der zweiten kommunalen Galerie gibt es Hindernisse, die hintergründig zu klären sind. Es wäre vermutlich auch schwer erklärbar, wenn ausgerechnet die älteste Galerie nicht im Kulturportal KULTUR IN PANKOW vertreten wäre. Zumindest kann man sich nun bis zur Sommerpause 2015 verständigen:
Aus dem Freundeskreis der Galerie Pankow hat sich ein Mitglied bereit erklärt, zunächst mit 60 € zum Betrieb des Kulturportals KULTUR IN PANKOW beizutragen. Aus diesem Grund wird also die Galerie Pankow auch weiter im Kulturportal vertreten und redaktionell präsentiert sein.

Die Galerie Pankow hat sich bereits im letzten Jahr besonders um die philosophische Auseinandersetzung mit Kunst und Kreativität gekümmert, und wertvolle Gespräche und Vorträge inszeniert. Leider wurden die Inhalte nicht ausreichend publiziert – und die für alle Bürgerinnen und Bürger bedeutsamen Impulse und Inspirationen bleiben im kleinen Kreis.

Die Medien könnten das aufgreifen, immerhin hat die Pankower Allgemeine Zeitung seit ihrem Erscheinen die Medienlandschaft ein wenig aktiviert. Es werden seit 2012 vermehrt Journalisten finanziert, die sich um den Bezirk, seine Menschen und Geschichten kümmern. Und sogar der TAGESSPIEGEL ist aus jahrelangen Schlaf erwacht.

Sonderfall Kunsthalle am Hamburger Platz

Auch die Kunsthalle am Hamburger Platz wurde herausgenommen. Hier liegt ein Sonderfall vor, weil die Kunsthalle eben auch ein „Lab of Tomorrow“ der Kunsthochschule Weißensee ist. Welches „Tomorrow“ die Studenten und Hochschullehrer anstreben, ist auch der wissenschaftlichen Freiheit geschuldet.
Für die Kunsthalle wird weiter die Möglichkeit offen gehalten, einen experimentellen Redaktionskanal zu schaffen, sogar eine alleinverantwortlichen Redaktion der Kunsthalle in Künstlerhand ist möglich. KULTUR IN PANKOW steht auch weiter für Experimente zur Verfügung. – Aber ohne „Knete keine Fete“ – rund 200 € sind mindestens im Jahr aufzubringen!

Vielleicht entwickelt die Kunsthalle am Hamburger Platz auch einen eigenen innovativen Ansatz für eigene Öffentlichkeit, denn Facebook scheint dafür nicht besonders geeignet zu sein. Vor allem sollte die Absolventen fragen, wie ihre persönliche Kulturökonomie 4.0 aussehen soll.

Publikationen und Themen der Kunsthochschule Weißensee

Die Kunsthochschule Weißensee wurde bisher immer prominent behandelt. In der Pankower Allgemeine Zeitung gibt es sogar eine „Kachel“ mit offiziellen Logo, unter dem Meldungen verbreitet wurden. Für diese wichtige redaktionelle Arbeit gibt es derzeit keine Kostendeckung. Und so liegt auch hier eine wichtige Thematik brach.
Journalistische Themen zur Kunst und Liegenschaftspolitik fristen ohnehin nur ein Randdasein in der Hauptstadtöffentlichkeit.

Auch der Rat für die Künste, der BBK und der VBK e.V. könnten auf derartige Ideen kommen, wenn die jährlichen anteiligen Betriebskosten von rund 180-200 € mitfinanziert werden. Zumindest sind schon einmal erste Namensbeiträge erschienen.

Die Pankower Allgemeine Zeitung wurde als Hebel eingesetzt, und ist praktisch weitgehend werbefrei. Anders als bei bisherigen Online-Zeitungen sollen keine 53 Werbetracker eingesetzt werden, die Daten absaugen, Big-Data noch mächtiger machen. Inzwischen ist auch klar: Online-Werbung hat künftig eine andere Zukunft. Der ganze Gestus des Werbens ist am Kippen.

Es wird auch eine andere Kultur geben müssen, die künftig Zeitungen trägt. Natürlich auch eine andere Technik, ein ganz anderes digitales Engineering. Auch hier beginnt eine spannende Herausforderung, deren Roadmap bereits existiert, die auch in einem ganz anderen Erdteil bereits getestet wird, in dem das Internet ganz anders funktioniert, als bei uns.

Es wird Zeit, dass die Kunsthochschule sich mit der Zukunft der Zeitung befasst!

Sponsoring für Kunst ohne digitale Öffentlichkeit?

Für Kunstkenner, für Sponsoren und Förderer stellt sich künftig eine interessante Frage: sollen Kunst und Galerien gefördert werden, wenn sie praktisch kaum öffentlich sichtbar sind? Wie geht man mit Kunstsponsoring um, wenn die Zielgruppe 18-45 Jahre praktisch nur über Smartphone ansprechbar ist? Wie geht man mit Galerien um, die sich in virtuellen Dörfern bei Facebook tummeln, und für die man keine systematische Gesamtübersicht bei Facebook erlangen kann?

Vor allem: wie lange dauert es, bis man 10 oder 20 oder 30 Orte bei Google gefunden hat? Bitte probieren Sie selbst: www.gidf.de.
Google ist vermutlich kein Freund, sondern zuerst ein Zeitdieb! – Im Zeitalter der Smartphones ist ein Sprachassisstent, der immer mit „Zeige mir Galerien im Umkreis“ hören will, störend. Er sorgt wohl eher für die „Neuerfindung“ einer „mobil wandernden digitalen Bildschirm-Provinz“, als für Weltläufigkeit. Der physische und geistige Horizont gerät dabei in jeder Hinsicht aus dem Blickfeld.

Kultur in Bürgerhand

Die strategische Überlegung, KULTUR IN PANKOW zu einem passenden Zeitpunkt in „Bürgerhand“ zu geben, ist immer noch im Spiel.

Die grundlegende Innovation, sich nicht von kalifornischen Großkonzernen vorschreiben zu lassen, wie Kunst im Internet dargestellt, synoptisch zugreifbar gemacht und gefunden wird, wird 2015 weiter ausgebaut.

Die grundlegenden Innovationen sind komplexer Natur: eine ganz andere Ökonomie steht hinter der Idee:

– gleiches Recht auf Zugang zu einer digitalen Öffentlichkeit in einer Kulturstadt, egal ob Künstler oder Galerie
– permanente Sichtbarkeit, damit Dienste und Kulturökonomien 4.0 (vierter Ordnung) möglich werden
– permanente Aktualität und künftig auch Echtzeit-Aktualität.

Technisch vollzieht sich auch eine Revolution: die bisherigen proprietären Standards großer kalifornischer Unternehmen werden künftig durch offene Standards ersetzt. Moderne semantische Techniken, moderne Frameworks und Programmiersprachen neuester Generation werden das Internet der neunziger Jahre revolutionieren.

Das Internet der Dinge kommt, und mit dem „Internet der Dienste“ wird eine neue „Humanität“ möglich: nicht der Mensch im Dienste des Internets, sondern das Internet im Dienste der Menschen, der Citoyens, der Bürgerinnen und Bürger.

Vor allem: es entsteht eine große Vision von „Kulturökonomien vierter Ordnung“, die auf völlig basisdemokratische Weise etwas aufbauen helfen, das einst Peter Hacks als „Reiche Gleichheit“ in Worten vorweggenommen hat.

Die Kunst und die Kultur gehören deshalb in „Bürgerhand“ – und bis 2016 wird KULTUR IN PANKOW aus der derzeitigen „Entwicklerhand“ in eine „Open-Source-Trägerschaft“ übergehen. Ähnliche Projekte sind übrigens geplant, oder längst am Start.

Vor allem gibt es das Ziel: Kreative, gute und kluge Arbeit entstehen zu lassen!

Die Kulturpolitik muß sich auf eine kreative Debatte „Kulturökonomie 4.0“ einlassen, denn gibt eine feste tief strukturierte Absicht, die Zukunft des Internets der „Dienste und der Dinge“ in Berlin zu „erschaffen“, und weltweit ausstrahlen zu lassen.

Kunst in Zwischenwelten #3 folgt demnächst.

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m/s