Montag, 11. Dezember 2017
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im Interview

Lars Zimmermann
im Interview

Lars Zimmermann an der Alten Mälzerei - Foto: Pankower Allgemeine Zeitung

Kurz vor der Bundestagswahl wurde Lars Zimmermann, Bundestagskandidat der CDU interviewt. Der erwartete knappe Wahlausgang hat in dieser Woche noch einmal für Spannung gesorgt. Auch Lars Zimmermann ist ständig im Wahlkampfeinsatz und sucht das Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern.

Lars Zimmermann an der Alten Mälzerei - Foto: Pankower Allgemeine Zeitung
Lars Zimmermann an der Alten Mälzerei - Foto: Pankower Allgemeine Zeitung

Frage: Herr Zimmermann, nun sind es noch zwei Tage bis zur Bundestagswahl. Wie beurteilen Sie den bisherigen Wahlkampf in Pankow?

Lars Zimmermann: „Pankow ist, und dies wird immer wieder deutlich, ein spannender Bezirk. Und dieser Bezirk erlebt auch einen spannenden Wahlkampf. Laut infratest dimap gibt es in Pankow derzeit drei aussichtsreiche Kandidaten: Stefan Liebich, Klaus Mindrup und mich. Ich hatte in den vergangenen Wochen und Monaten viele Gelegenheiten, mit den Pankowerinnen und Pankowern ins Gespräch zu kommen. Was viele Pankower eint ist das Interesse an politischen Themen. Da geht es mal um ein kommunales Anliegen, mal um bundespolitische Themen. Und dieses Interesse und die vielfältigen Anliegen machen den Bezirk so lebendig. Natürlich schlägt sich dies auch im Wahlkampf nieder, in dem mal leidenschaftlich diskutiert wird, aber regelmäßig auch der sachliche Diskurs im Vordergrund steht. Der Wahlkampf hat gezeigt, wie ein gutes demokratisches Miteinander gelingen kann – ohne persönliche Anfeindungen und mit viel inhaltlicher Debatte.“

Frage: „Was waren Ihre inhaltlichen Schwerpunkte im Wahlkampf?

Lars Zimmermann: „Das Thema Mieten beschäftigt uns alle. Die CDU Berlin hat hier im April dieses Jahres ein sehr gutes Programm vorgelegt für bezahlbare Mieten und Wohnungsneubau. Auch die Große Koalition im Land hat einiges auf en Weg gebracht. Klar ist doch: Eine gute Stadtentwicklungspolitik muss Mietenpolitik beinhalten. Die Politik, das Land, dürfen sich nicht zurückziehen. Aber ich denke, es ist auch jedem klar, dass Stadtentwicklung ein Gemeinschaftsprojekt ist: Bürger, Mieter, Vermieter, Investoren, Verwaltung: Sie alle sitzen in einem Boot. So war es für mich selbstverständlich, den Dialog sowohl mit Mieterverbänden, den Bürgerinitiativen und auch mit Eigentümerverbänden zu suchen. Meine feste Überzeugung ist es, dass nur im Zusammenspiel alle Beteiligten ein zukunftsfähiges Konzept gefunden werden kann. Kooperation statt Konfrontation, nur so gelingt die Zukunft der Stadt und des Bezirks. Berlin wird in den kommenden Jahren – erfreulicherweise – noch an Beliebtheit gewinnen. Die Lebensqualität ist hier sehr hoch. Doch in Pankow merkt man auch, welchen städtebaulichen Problemen sich ein wachsender Bezirk gegenübersieht. Die Infrastruktur muss den Anforderungen gerecht werden. Wir müssen alle lernen – von den Parteien, der Verwaltung bis hin zum Bürger – wie wir einen wachsenden Bezirk gestalten. Das ist doch eine tolle Aufgabe für uns alle!

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt ist für mich Berlin als digitale Stadt. In zahlreichen Start-ups arbeiten hervorragende, gut ausgebildete junge Menschen an spannenden Projekten. Zudem schaffen eben diese jungen Unternehmen famlienfreundliche Arbeitsplätze, die wir in Pankow dringend brauchen. Ziel muss es sein, auch die wachsenden Unternehmen im Bezirk zu halten und so die Wirtschaftsansiedlung in Berlin voranzutreiben. Also fragen wir uns auch hier: Welche Immobilienpolitik brauchen wir in einem Bezirk, in dem Arbeiten und Wohnen wieder näher zusammenwachsen wird? Aktuell spielt diese Frage keine Rolle, was ich sehr bedauere.

Lars Zimmermann an der Alten Mälzerei - Foto: Pankower Allgemeine Zeitung
Lars Zimmermann an der Alten Mälzerei - Foto: Pankower Allgemeine Zeitung

Frage: „Sie stehen dafür, dass neue Ideen eine Chance in der Politik bekommen und fordern neues Denken. Wie sieht das aus? Geben Sie uns einmal ein Beispiel.

Nehmen wir einmal das Thema Bürgerbeteiligung in unserer Stadt oder dem Bezirk. Die beschränkt sich häufig darauf, dass Anwohner eingeladen und ein paar Tische in den Raum gestellt werden. Dann unterhält man sich über ein paar Fragen, Politik und Verwaltung hört zu, sagt danke und geht zurück ins Stille Kämmerlein. Ist das Bürgerbeteiligung? Nein, natürlich nicht.
Auf Bezirksebene ist es Zeit für einen ,kollaborativen‘ Ansatz, der neue Instrumente der Mitwirkung (zum Beispiel Bürgerdialoge, politische Mediation, Online-Beteiligung, Bürgerjurys) umfasst. Bürger, Unternehmen, Initiativen beteiligen sich aktiv. Organisation und Qualitätsmanagement liegen in den Händen einer unabhängigen Organisation. Diskussionen über die Zukunft des Mauerparks oder den Wohnungsbau würden so ganz anders geführt werden. Also, warum gründet man nicht eine Art Kompetenzzentrum „Bürgerbeteiligung“ in Berlin? Dort arbeiten Menschen, die Expertise in der Gestaltung von Beteiligungsprozessen haben und überall in Berlin solche Beteiligungsprozesse organisieren können. Bezirke können voneinander lernen, andere Städte dann auch von Berlin. Ich bin sicher, es gibt viele große deutsche Stiftungen, die ein solches Vorhaben mit finanzieren würden. Es gibt so viele Möglichkeiten, in dieser Frage weiter zu denken.“

Frage: Gibt es etwas, was Sie an Pankow besonders überrascht hat?

Lars Zimmermann: „Dieser Bezirk ist nach wie vor im Wandel. Hier trifft Jung auf Alt, Ost auf West, Bürgerlich auf Alternativ, Großstadt auf dörfliche Strukturen. Dabei entsteht der besondere Charme des Bezirks, den jeder hier wohl kennt. Gleichzeitig spiegeln sich hier große Trends wieder: Es findet ein starker Zuzug, insbesondere von vielen Familien, innerhalb Deutschlands nach Berlin und Pankow statt. Zweitens leben zunehmend jüngere Leuten, die Unternehmensgründer sind oder in Berlin einen einigermaßen guten Job haben und junge Familien in Pankow. In der Presse kann man oftmals lesen, was bei diesem Zusammenspiel nicht klappt. Überraschend ist aber, an wie vielen Stellen das Zusammenleben jedoch gut klappt. Es gibt unzählige Kiezvereine und Initiativen, in denen sich die Pankower engagieren. Die Konzertage in der Alten Mälzerei, auf einen wir gerade sind, ist eines von vielen guten Beispielen. Offen für alle. Das ist ein großes Potential für den Bezirk und immer wieder eine freudige Überraschung. Die Pankowerinnen und Pankower können stolz auf sich und ihr Gemeinwesen sein.

Frage: Was machen Sie in den letzten zwei Tagen bis zur Wahl?

Lars Zimmermann: „Ich werde bis zum 22.9. jede Gelegenheit nutzen, um mit möglichst vielen Pankowerinnen und Pankowern ins Gespräch zu kommen. Dazu bin ich von früh morgens an den S- und U-Bahnhöfen unseres Bezirk bis spät abends bei Initiativen und Vereinigungen unterwegs. Ich möchte für meine Positionen werben und mich um die Anliegen der Anwohner kümmern. Ich schätze die Diskussionen sehr und weiß, dass ich leider nicht alle Wählerinnen und Wähler von meinen Positionen und der CDU werde überzeugen können. Gleichwohl hoffe ich, dass viele von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Die Wahl in Bayern hat uns gezeigt, dass es trotz der viel beschriebenen Politikverdrossenheit wieder eine steigende Wahlbeteiligung geben kann. Deshalb möchte ich allen mit auf den Weg geben: Gehen Sie wählen! “

Michael Springer: Herr Zimmermann, vielen Dank für das Gespräch!

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m/s