Mittwoch, 18. Oktober 2017
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Last Call: Tempelhofer Feld retten!

Nur noch wenige Tage bleiben für die Unterschrift unter das Volksbegehren „Tempelhofer Feld retten!“

Am Freitag, Samstag und Sonntag werden auch in Prenzlauer Berg Unterschriften gesammelt. Am U-Bhf. Eberswalder Strasse sind von 11-16 Uhr Vertreter der örtlichen Bürgerinitiativen zu treffen.

Tempelhofer Feld mit Blick auf das Flughafengebäude, Drachen in der Luft, Festzelte auf dem Runway

Marion Detjen Historikerin an der Humboldt Universität zu Berlin schrieb dazu Anfang Januar 2014 ein engagierten Beitrag im Blog der Frankfurter Allgemeine Zeitung, der hier wiedergegeben wird:

„Kennen Sie das Tempelhofer Feld? Das riesige Gelände des ehemaligen Flughafens, auf dem schon bevor der Flughafen dort stand die Menschen flanierten und den Horizont betrachteten, in den Pausen zwischen den militärischen Aufmärschen, für die das Feld eigentlich bestimmt war. Eine Fläche größer als der Central Park in New York, größer als Hampsted Heath in London, viel viel größer als der Tiergarten und so flach und weit wie das Meer. Die Leere par excellence. Am Ostrand lagern sich abends die Leute, um vom Hang in die untergehende Sonne und in den Horizont zu schauen. Irgendwo steht verloren eine „Allmende“, ein kunterbuntes Sammelsurium von Blumen- und Gemüseanbauten, erinnert an altmodische Bauerngärten und gibt eine Vision für die Zukunft. Hier darf jeder sein, es kostet nichts, kein Müll liegt herum (was von der „freien Natur“ oft nicht mehr zu erwarten ist). Die größte öffentliche Freiheits-Nische dieser Stadt und ein weltweit einmaliger Platz.

Und nun hat der Berliner Senat, unter dem enormen Druck des Immobilienmarktes und der Eitelkeit seines Regierenden Bürgermeisters, eine Agentur eingerichtet, deren Zweck darin besteht, diesen Ort symbolisch und materiell zu zerstören. Unter der an Niedertracht kaum zu überbietenden Handelsmarke „Tempelhofer Freiheit“ wird das Feld „erschlossen“, angeblich behutsam und im Interesse des Gemeinwohls: Auf dem Hang mit dem einmaligen Blick werden „Wohnquartiere“ entstehen, im Süden ein „Businesscenter“, und am Tempelhofer Damm ein „Bildungsquartier“ mit einer höchst umstrittenen Bibliothek als „Ankerinvestition“. Die Sprache, mit der die „Erschließung“ von den GmbH’s des Senats betrieben wird, ist nicht die Sprache der Verwaltung oder der Politik, sondern der Immobilien- und der Werbebranche. „Wenn Sie an Flächen auf der Tempelhofer Freiheit interessiert sind, kontaktieren Sie uns“, heißt es auf der Website. Die Bürger werden herzlich eingeladen, sich an dem angeblichen „Modellort der partizipativen Stadtentwicklung“ einzubringen, in einen „formalen Planungsprozess“, dessen Ergebnis längst beschlossene Sache ist. Dabei weiß man: „Die spontane, ungeplante Nutzung freier Flächen ist charakteristisch für Berlin“, und will daraus noch Marktwert schlagen, bevor man es kaputt macht. Wer auf dem um ein Drittel geschrumpften Rest-Feld etwas unternehmen will, darf sich als „Pionier“ registrieren lassen, ein „Pionierverfahren“ durchlaufen und sein „Pionierprojekt“ an ein „Pionierfeld“ anpassen. Klingt irgendwie nach DDR? Ist es aber nicht: nur ein bisschen Pionier-Yoga, zwischen Stadtquartier, Businesscenter und Eventlocation in urbaner Parklandschaft.

Bis zum 13. Januar läuft ein Volksbegehren, das zeigen will, was an „partizipativer Stadtentwicklung“ tatsächlich möglich ist: die Nutzung eines demokratischen Verfahrens, um ein Schutzgesetz durchzusetzen, damit Berlin inne hält und Luft gewinnt gegen den Ansturm auf seine Lücken und Leerstellen und auf seinen öffentlichen Raum: http://www.thf100.de.

Der Ausgang des Volksbegehrens wird knapp, sehr knapp. Es kommt auf jede Stimme an! Bis jetzt wurden rund 140.000 Stimmen abgegeben. Bis zum 13.1.2013 müssen jedoch 170.000 gültige Stimmen beim Landeswahlleiter abgegeben sein. m/s

Weitere Informationen:

Berliner Freiheit GmbH? Der Ausverkauf des öffentlichen Raums am Tempelhofer Feld
von Marion Detjen
Frankfurter Allgemeine Blogs – 3.1.2014

Mitmachen beim Unterschriften-Sammeln: www.thf100.de

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m/s