Dienstag, 17. Oktober 2017
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blasen alles weg!

Laub-Lärmbläser
blasen alles weg!

Laub-Blasgerät im Einsatz

Herbstzeit, eine urspünglich beschauliche und besinnliche Zeit. Der Herbstwind bläst die Blätter vom Baum, Blätter tanzen im Wind, sinken hernieder – Laub bedeckt Wege und Wiesen. Doch nicht lange – und dann wird dem biologischen Treiben mit fossiler Energie zu Leibe gerückt.

Laub-Blasgerät im Einsatz
Laub-Blasgerät im Einsatz

Die modernen Gärtner kommen, mit Ohrenschützern und ohrenbetäubenden Lärm. Benzingetriebene „Laub-Lärmbläser“ blasen alles, aber wirklich auch „Alles“ weg. Man könnte meinen, der Lärm verlagert die Blätter, die erschreckt das Weite suchen, doch physikalisch gesehen ist es ein unbändiger Luftstrom, der durch einen Ventilator oder eine Turbine ausgeströmt wird.

Die Mitarbeiter der Grünflächenamter sind von der Fächerharke auf die modernen Geräte umgestiegen, und ganz klare Favoriten: „Die Benziner – auf jeden Fall.“

Mit Ohrenschutz und Laubblasgerät
Der moderne Gärtner: Mit Ohrenschutz und Laubblasgerät

Diese Geräte haben viel mehr Power, erledigten dadurch die Arbeit schneller. Bei motorgetriebenen Schultergeräten ist auch der Tragekomfort besser, die die Elektrogeräte belasten die Arme stärker. Im Praxistest haben Elektrogeräte auch ein recht heftiges Drehmoment, und sorgen beim Anspringen für einen Rückstoß in den Armen.

Benzingetriebene Laubblasgeräte verbreiten einen Hollenlärm, der bis 97 Dezibel reicht. Die Gärtner tragen Ohrenschützer – aber die Anwohner nicht!

Naturschützer hadern mit den Laubbläsern

Auch Naturschützer sind generell gegenüber Laubbläsern bedenklich eingestellt. „Da werden Tiere durch die Druckluft verletzt“, sagte etwa Berthold Langenhorst, Referent beim hessischen Nabu, „und es wird die wertvolle Humusschicht weggeblasen.“ Tatsächlich krabbeln aus den Laubhaufen noch tagelang Insekten, Marienkäfer und anderes Getier, das noch vor dem Abtransport dem jämmerlichen Tod durch Zerquetschen im Greifer, im LKW oder später in der Kompostanlage zu entgehen versucht.

Auch treiben die Gärtner vielfach die Humusschicht auf Wege, und insbesondere die wassergebundenen Wege werden damit verschmutzt, und verlieren ihre Wasserdurchlässigkeit.

Wege wegblasen inklusive

Insbesondere Radfahr haben für intakte Parkwege ein Gespür. Bei neuen Wegen aus Promenadengrant ist ein stetiges Knirschen der tragenden Gesteinskörner zu hören, die sich in den sandig-lehmigen Belag einarbeiten, wenn das Rad darüber rollt.

Die Tragschichten der „wassergebundenen Decken“ sind eine dynamische Angelegenheit. Der nächste Regen wächst das Tragkorn frei, bis der nächste Radler kommt, und es wieder in die Sand-Lehm-Schicht eindrückt.

Doch was passiert, wenn der Gärtner das lose Tragkorn zusammen mit dem Laub vom Weg „wegbläst“? Fehlt das Tragkorn, sinkt das Rad ein, die Wegedecke wird uneben, es bilden sich Pfützen, die Tragschicht entmischt, und wird schadhaft.

In vielen Berliner Grünanlagen ist es zu sehen, es gibt Wege, in denen im Laufe von 10-20 Jahren die gesamte Tragschicht weggeblasen und weggeharkt wurde.
Radfahrer spüren dann das Spitzkorn der Drainageschichten, die die Reifen quält, und den Fahrspaß zermürbt.

Die Laub-Lärmbläser blasen alles weg – sogar den Weg! Und unsere perfekte Zivilisation hat auch schon die Lösung bereit: Immer mehr Parkwege werden in Berlin asphaltiert!

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m/s