Mittwoch, 22. November 2017
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Maison de France : Berthold Seliger: »Klassikkampf«

Berthold Seliger Klassikkampf

Die klassische Musik befindet sich in einer Krise: Auch die glamouröse Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie konnte dies nicht übertünchen: Sie ist im Ritual erstarrt, das Repertoire bleibt konventionell und Konzertbesuche dienen oft nur dem elitären Distinktionsbedürfnis.

Berthold Seliger spürt den Ursachen der Krise nach:

»Warum fasziniert uns Nachgeborene der Gesang von Maria Callas bis heute? Weil Maria Callas singt, wie Malcolm X und Martin Luther King ihre Reden hielten und Politik gemacht haben, mit Haltung, mit unbedingtem Einsatz und aus existenzieller Notwendigkeit heraus.«

Sinkende Verkäufe versuchen Musikkonzerne durch Verkauf von Entspannungs-CDs für gestresste Manager und mittels Inszenierung geigender Schönheiten aufzuhalten. Doch trotz dieser Anbiederung schreitet die Entfremdung der klassischen Musik von der Masse der Menschen immer weiter fort – wer würde heute noch davon zu träumen wagen, daß die sogenannte Unterschicht ihr Glück in der Klassik finden könnte?

Im Klappentext heißt es weiter:

„Angesichts dieses Elends der Ernsten Musik fordert Berthold Seliger einen neuen Klassikkampf um die verdrängten Potenziale der Musik. Er wirft einen kenntnisreichen Blick hinter die Kulissen des heutigen Klassikbetriebs und ruft mit Verve in Erinnerung, daß die Ernste Musik entgegen der heutigen Mutlosigkeit und Verflachung eigentlich von Mozart über Beethoven bis Eisler und Abbado immer auf die Revolutionierung der Schönheit und damit auch der realen gesellschaftlichen Verhältnisse zielte; es ging um nichts weniger als um Fortschritt und Glück.Seliger erklärt, was es mit ›Musik als Sprache, die (nicht) jeder versteht‹ auf sich hat, er plädiert ausdrücklich für die Trennung in Ernste und Unterhaltungsmusik (setzt sich allerdings für eine neue Kategorisierung jenseits von Klassik und Pop ein) und dafür, die Klassiker vom Podest zu holen und wieder zu nutzen, statt sie nur anzubeten.

In einem ausführlichen Kapitel zur Bildung fordert er eine komplette Revidierung der neoliberalen Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte zugunsten einer Neuorientierung an den ›humanities‹ und vor allem auch zugunsten der ›outerclass‹.
Schließlich schildert Seliger in einem großen Kapitel zu Beethoven den Komponisten als gesellschaftliches Wesen, der auch heutigen Musikerinnen und Musiker aller Sparten als Beispiel für eine Musik mit Haltung dienen kann, und erläutert das ›Prinzip Dire Straits‹, dem er das ›Prinzip Beethoven‹ entgegensetzt.

Seliger fordert nichts weniger als die Rettung des revolutionären Glutkerns der ›Klassik‹, die nur über ihre breite gesellschaftliche Wiederaneignung gelingen kann und die wie Bildung und Kultur in den letzten Jahrhunderten immer wieder aufs Neue erkämpft werden muss. So ist seine schonungslose Kritik an der gegenwärtigen Misere am Ende nichts weniger als eine flammende Liebeserklärung an die ›klassische‹, an die Ernste Musik.“

Über den Autor:

Berthold Seliger, geboren 1960, Konzertagent und Autor, vertritt unter anderem Künstler wie Patti Smith, The Residents, Television und Tortoise. Seliger publiziert regelmäßig über musik- und kulturpolitische Themen. Zuletzt erschien von ihm 2013 Das Geschäft mit der Musik. Ein Insiderbericht und 2015 I Have A Stream. Für die Abschaffung des gebührenfinanzierten Staatsfernsehens.

10.11.2017 | 20.00 Uhr
»Klassikkampf. Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle.«
Ein Diskussionsabend mit Berthold Seliger und Kultursenator Klaus Lederer
Moderation: Andreas Rötzer

Eintritt: 5.- Euro, Getränke: frei | Anmeldung unter: info@lpclassics.de

Maison de France | Kurfürstendamm 211 | 10719 Berlin

Berthold Seliger Klassikkampf

Berthold Seliger
Klassikkampf

Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle
Matthes & Seitz – Bestell-Link
496 Seiten, Softcover Taschenbuch
ISBN: 978-3-95757-467-1
24,00 €

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m/s