Donnerstag, 17. August 2017
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“Grünes Band Berlin”

Mauergrünzug
“Grünes Band Berlin”

Mauerpark - das grüne Band Berlins

Das „Grüne Band Berlin“ verläuft vom Nordbahnhof über die Gedenkstätte Berliner Mauer, den Mauerpark und den Schwedter Steg. sowie Bösebrücke an der Bornholmer Straße bis zum Nordrand der Stadt. Hier beginnt der offene Landschaftsraum des Berliner Barnim, der Ziel vieler Ausflüge ist. In einer mehrteiligen Artikel-Serie wird dem aktuellen Zustand des Grünen Bandes in Pankow nachgespürt.

Mauerpark - das grüne Band Berlins
Regenbogen-Spielplatz im Mauerpark

Die Idee des „Grünen Bandes in Berlin“ ist an das europäische „European Green Belt“ Projekt angelehnt. Die ehemalige Grenzzone von der Barentssee bis zum Schwarzen Meer, die während des Kalten Krieges Ost- und West-Europa trennte – wird zu einem naturbelassenen und naturnahen grünen Band und Biotopverbundsystem ausgebaut.

Grünes Band - Karte
Grünes Band – Kartenausschnitt Quelle: SenStadtUm

In Berlin zeichnet das „Grüne Band Berlin“ die ca. 15 km lange, ehemalige Grenzlinie von der Innenstadt bis zum nordöstlich gelegenen Naherholungsgebiet des Berlner Barnim nach. Das „Grüne Band Berlin“ verläuft vom Nordbahnhof über die Gedenkstätte Berliner Mauer, den Mauerpark, Schwedter Steg und die Bösebrücke an der Bornholmer Straße bis zum Nordrand der Stadt im Landkreis Barnim.

Für Berlin-Mitte und Pankow ist das grüne Band eine wichtige Verbindung, die für Spaziergänger und Radfahrer ins Umland führt. Gleichzeitig ist das grüne Band eine wichtige Zukunftschance für die Naherholung und den nachhaltigen Tourismus.

Grünes Band
Fußweg an der Mauergedenkstätte. Blick von der Schwedter Strasse

Grünes Band - Amphitheater
Amphitheater an einem Wochentag

Entlang des „Grünen Band Berlin“ sind die Spuren der jüngsten Stadtgeschichte noch immer in Spuren „erlebbar“ und „ablesbar“.
Die Mauergedenkstätte an der Bernauer Strasse markiert einen rund 2km langen Abschnitt im Berliner Bezirk Mitte. Etwas unscheinbar endet der Weg an der Schwedter Strasse und zwingt Spaziergänger und Radfahrer zum Überqueren der Kreuzung an der Oderberger/Schwedter Str. über die Bernauer Strasse. Hier setzt sich das grüne Band als Mauerpark fort.

Unmittelbar gegenüber beginnt der sehr belebte Teil des Mauerparks – der im südlichen Teil als beliebte Freizeitfläche, auch als Sonnenbank, Grillplatz und Party-Zone genutzt wird. Der Mythos „Mauerpark“ ist vor allem als Bild über Menschen, Originale und skurrile Typen im Mauerpark entstanden, die diesen Ort zu ihrem Lebens- und Spielort machen.
Das Bild als naturnaher Freiraum verblasst dagegen etwas. Doch Musik und Freiluft-Karaoke spielen meist am Wochenende, auf Höhe des Amphittheaters. In der Woche ist es zumeist gähnend leer und ruhig. So bietet der Mauerpark in der Woche einen ruhigen und naturnahen Anblick, bei dem nur die Abfall-Behälter des Bezirksamtes Pankow etwas vom möglichen Treiben im Park bezeugen.

Der langgestreckte Parkweg wird in der Woche vorwiegend von Radfahrern und touristischen Führungen genutzt, einzelne Jogger ziehen hier ihre Bahn. Der Mauerpark hebt sich wohltuend vom hektischen Treiben der Stadt ab und bietet eine beschauliche grüne Ruhezone, die dem Auge einen freien Blick über die Stadtsilhouette bietet.

Blick über den Hauptweg in Richtung Süden
Blick über den Hauptweg in Richtung Süden
Das im damaligen Bezirk Prenzlauer Berg gelegene 7,1 Hektar große Teilstück des ehemaligen Güterbahnhofgeländes wurde nach dem Plan des Hamburger Landschaftsarchitekten Gustav Lange gestaltet und 1994 fertiggestellt. 4,5 Mio € der Allianz-Umweltstiftung trugen zur Umsetzung der Planungsentscheidung bei. Die mit der Förderung verbundene Auflage, den Park auf insgesamt 10 Hektar zu vergrössern sorgt aber bis heute für anhaltenden Streit zwischen den Bezirken Berlin-Mitte und Pankow. Mehrere engagierte Bürgerinitiativen kämpfen gegen Bebauungspläne und Bauabsichten des Bezirks Mitte.

Der im damaligen Bezirk Wedding (heute Mitte) liegende Geländestreifen wurde nicht in die grüne Umgestaltung mit einbezogen, weil es der damaligen Verwaltung des Bundeseisenbahnvermögens der Bundesrepublik Deutschland gehörte. Deren Besitz ging 2001 auf die zur Vermarktung des Bundeseisenbahnvermögens gegründete Immobiliengesellschaft VIVICO über. 2008 wurde VIVICO vom Bund an die börsennotierte österreichische Immobiliengesellschaft CA Immo für 1,03 Mrd. € verkauft. Mit dem Geld verkaufte der Bund weite Teile von ehemaligen Eisenbanh-Liegenschaften – zugleich aber wurde der Verwertungsdruck auf die Flächen erheblich erhöht.

Die im Bezirk Mitte liegende Grundstücksteile werden von Zwischenmietern als Baustofflager, seit 2004 auch als Trödelmarkt genutzt. Im Jahr 2005 wurde auf Pankower Seite ein etwa zwei Hektar großes Teilstück nördlich der Gleimstraße als Grünfäche angeschlossen. Hier entstand auch der Kinderbauernhof „Moritzhof“ – unmittelbar am Ende der Kopenhagener Straße.
Der Kinderbauernhof lockte auch Kinder aus dem Brunnenviertel an – die hier erstmals Kontakt mit Ziegen, Schafen und Pferden finden – und sich als Tierpfleger engagieren. Auch Kochen und Putzen und Säuberung der Ställe und Koppel stehen an – wie auf einem richtigen Bauernhof. Die umliegenden Grünflächen werden sogar gepflegt und gesäubert – weil die Pferde und Schafe hier ihr Grünfutter bekommen können. So betreibt der Kinderbauernhof auch gleich Landschaftspflege im Park, und entlastet das Grünflächenamt.

Grünes Band Moritzhof
Der Kinderbauernhof Moritzhof
Im Sommer 2012 steht die Ruhe und Idylle im Mauerpark erneut auf dem Spiel. Zunächst die Vorgeschichte: Um die Bauabsichten der CA IMMO und die divergierenden Anprüche der Bürgerinitiativen und die Forderungen nach einer Erweiterung des Mauerparks zu konkretisieren, wurde die „Bürgerwerkstatt Mauerpark“ von der landeseigenen Grün Berlin GmbH ins Leben gerufen. Ziel war es, die weitere Ausgestaltung der im B-Plan-Entwurf 1–64 vorgesehenen zusätzlichen 5,8 Hektar Parkfläche zu konkretisieren. Für die Gestaltung der Baufelder wurde in einem separaten Verfahren ein städtebaulicher Wettbewerb durch die CA Immo durchgeführt.

Die Bürgerwerkstatt führte Mitglieder aus Prenzlauer Berg und Wedding zusammen, und konstituierte sich am 15. September 2010. Die erarbeitete Leitidee „Mauerpark: Frei-Raum der Begegnung – kulturelle Vielfalt für Berlin“ und weitere Eckpunkte Fertigstellung des Mauerparks sollten eine parkverträgliche Randbebauung sicherstellen. Im Gegenzug sollten 5,8 Hektar Freifläche dem bereits bestehenden Mauerpark neu zugestanden werden. Der favorisierte Architekten-Entwurf entpuppte sich auch nach einhelliger Ansicht der Beteiligten der Bürgerwerkstatt als eine zu massive Bebauung. Der von SPD und Grünen der BVV Mitte angestrebte Kompromiss „Baurecht gegen Freifläche“ im Bebauungsplan scheiterte 2011. Die Neuwahl des Abgeordnetenhauses 2011 brachte auch veränderte politische Mehrheiten – und die Ziele der Bürgerwerkstatt wurden an entscheidender Stelle aufgegeben – onwohl es einen breiten Konsens mit dem Bezirk Pankow gab.

Seit dem 13. Juni 2012 ist nun klar, eine zwischen Mitte und Pankow und allen Beteiligten erarbeitete Kompromißlinie wird aufgegeben. CDU und SPD in Berlin-Mitte legten einen Beschluß vor, der die gesamte, ca. 3,5 Hektar große Fläche nördlich der Gleimstraße als allgemeines Wohngebiet ausweisen soll. Der prämierte Entwurf aus städtebaulichen Wettbewerb der CA Immo des Architekturbüros Lorenzen – mit insgesam 600 Wohneinheiten und ca.58.000 Quadratmeter Geschossfläche – soll realsiert werden (siehe orange markierte Fläche).

Die überraschende Vorgehensweise wurde schon heftig öffentlich kritisiert (siehe auch PAZ vom 14.6.2012 ).
Am 23.August 2012 soll die Vorlage erneut in der BVV-Mitte zur Kenntnis vorgelegt werden – das bisherige demokratische Abstimmungsverfahren und die Bürgerbeteiligung werden damit einfach per Bezirksamtsbeschluß ausgehebelt.

Für die Idee des „Grünen Band Berlin“ bedeutet dies einen gravierenden Einschnitt. Im ehemaligen Wedding wird das Brunnenviertel vom Grünzug abgeschnitten. Ob es eine Grünverbindung vom Humboldthain zum Schwedter Steg geben wird, steht nun auch in Frage.
Ausgerechnet der Bezirk Mitte, schottet sein ehemals Weddinger Brunnenviertel gegenüber dem grünen Band ab.
Die Auseinandersetzung wird nach der Sommerpause in der letzten August-Woche kulminieren – das steht schon fest. Es ist auch unverständlich, wie man die für ganz Berlin-Mitte und Pankow wichtige Qualität des „Grünen Bandes Berlin“ an einer entscheidenden Nahtstelle durch Bezirksbeschlüsse schwächt. Wegen der zentralen Bedeutung der Grünachse für ganz Berlin wäre eigentlich auch das Abgeordnetenhaus Berlin gefragt.

Spielplatz am nördlichsten Ende des Mauerpark
Spielplatz am nördlichsten Ende des Mauerpark
Die letzte Station des grünen Bandes in Prenzlauer Berg ist der Spielplatz am nördlichsten Ende des Mauerpark. Markantes Zeichen ist der aus Beton modellierte Kletterfelsen, der vom deutschen Alpenverein als gut besuchte Trainingsanlage betrieben wird.
Auf der Pankower Parkseite ist seit den ersten Anfängen des Mauerparkes eine attraktive und vielseitige Grünanlage entstanden – und die Idee des grünen Bandes ist erfolgreich umgesetzt worden. Heute prägt der Mauerpark auch das Bild vom Prenzlauer Berg als weltoffenen und familienfreundlichen Stadtteil. Teil 1. m/s

Teil 2: Vom Schwedter Steg in die Schönholzer Heide folgt im August.

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m/s