Samstag, 19. August 2017
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Mausbach: „Das Tempelhofer Feld muss frei bleiben“

Tempelhofer Feld

In einem Gastbeitrag im TAGESSPIEGEL am 26.4.2016 hat der Stadtplaner und ehemalige Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (1995 bis 2009), Florian Mausbach eine Offenhaltung des Tempelhofer Feldes gefordert. Der 71-jährige in Berlin lebende Experte macht sieht Berlin auf dem Weg in eine 4-Millionen-Metropole in einer neuen Gründerzeit, und plädiert für eine stärkere städtebauliche Akzentuierung.

Tempelhofer Feld
Tempelhofer Feld – die Freiheit des offenen Horizonts – Foto: H. Barges

Mausbach plädiert für eine Höherentwicklung und Gestaltung einer Skyline und eines „metropolitanen Stadtbildes“ und sieht auch das Potential, von der sozialen Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Kultur zu lernen.

Pladoyer für Offenhaltung

Mausbach: „Weil Berlin wächst, muss das Tempelhofer Feld frei bleiben. Eine Metropole braucht öffentlichen Freiraum auch für Open-Air-Events, unverträglich mit Wohnbauten an den Rändern. Lollapalooza gehört aufs Tempelhofer Feld mitten in die Stadt wie im Grant Park in Chicago. Die „Mutter aller Flughäfen“ ist ein Welterbe, das als Ganzes unter Schutz gehört: Gebäude und Flugfeld.

Start- und Landebahnen mit den Großzeichen des Flugleitsystems und die ungestörte Weite des Flugfeldes machen den Reiz der Tempelhofer Freiheit aus. Es ist ein Volkspark neuen Typs, ein City-Park wie der am Gleisdreieck mit den Spuren des Eisenbahnknotens oder wie der Mauerpark mit Karaoke-Messen und Graffiti auf der Hinterlandmauer der früheren Grenze. Es sind Zeugnisse der Stadtgeschichte und als metropolitane Freiräume unverzichtbare Begegnungsorte für die Integration im Schmelztiegel Berlin.“

Hauptstadt der sitzenden Arbeit braucht Mobilität und Bewegungsausgleich

Mausbach greift als namhafter Stadtplaner in die Stadtdebatte ein, und konterkariert damit das unter dem ehemaligen Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) verfolgte Ziel einer Bebauung.

Die inzwischen aufgekommene Diskussion um neue „Smart City“ – Leitbilder wird die Debatte weiter beflügeln, denn die Mischung der Berliner Luft ist längst unzumutbar für gesunde Lebens- und Arbeitsverhältnisse.

In der Smart City und der „Hauptstadt der sitzenden Arbeit“ werden Freiflächen und Flächen zum Bewegungsausgleich immer wichtiger und zur Voraussetzung für Gesundheit und Lebensqualität.

Schon heute sind Tagesdistanzen von rund 60-70 Kilometer für Hin- und Rückfahrt zu kalkulieren, wenn man aus der Stadt in die freie Landschaft streben will. Für Familien zu viel: Familien mit Kindern brauchen wohnortnahe Bewegungs- und Freiflächen.

Die alten Berliner Stadtplaner und Landschaftsarchitekten wußten das noch. Heute müssen fachfremde Stadtentwicklungs-Senatoren an die Grundlagen von Stadtplanung erinnert werden.

Smog und Dunstglocke über Berlin
Smog und Dunstglocke über Berlin: Blick von Bord eines Airbus im Anflug auf Schönefeld am 26.4.2016 ca. 15 Uhr – Foto: M/S

Mit der Ablösung des Diesel- und Verbrennungsmotors wird sich auch das Verhältnis aller Stadtbewohner zur Mobilität verändern – eine Entwicklung, die sich weltweit abzeichnet.

Die Chance für Berlin: die Tempelhofer Freiheit könnte viele Zwecke gleichzeitig, nebeneinander und in programmierten Zeitfenstern erfüllen: Festival-Ort für Großveranstaltungen, eFahrzeug-Rennen und Messen, Nachbarschaftspark und Freizeitpark mit Bewegungssport und Spiel, dazu Design- Innovationspark für „Urban Mobility & Sport Mobility.“

Auch digitale Produktion und Montage von Elektrofahrzeugen und eMobility-Lösungen wären angesichts der baulichen vorhandenen Möglichkeiten umweltfreundlich integrierbar.

Als Innovationspark und am Rand des S-Bahn-Rings können Wohnen, Arbeiten Kultur und Kunst zwischen Tempelhofer Damm und Hermannstraße in Neukölln eine „zukunftsgerichtete und wirtschaftlich stabile Berliner Mischung“ mit hoher Attraktivität ergeben.

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m/s