Donnerstag, 19. Oktober 2017
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Mit 85 plötzlich ohne Zuhause

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Die neoliberale Wohnungspolitik von SPD und CDU schafft nun Unruhe in der Kernwählerschaft der „ehemaligen Volksparteien“.

Es trifft jetzt die wohl Schwächsten der Gesellschaft: alte und hochbetagte Menschen, die überraschend um eine sichere vierte Lebensphase fürchten müssen, und urplötzlich von Wohnungsnot und Zwangumzügen bedroht werden.

Das Wohnungsproblem der Alten entfaltet sich mit demographischer Macht: mit zunehmenden Zeitlauf kommen die geburtenstarken Jahrgänge in das Alter, in dem gesundheitliche Schicksalsschläge, plötzlicher Verlust des Partners, Pflegebedürftigkeit und plötzlich unbezahlbar gewordene Mieten zum Verlust von Wohnumfeld, freier Lebensgestaltung und Unabhängigkeit führen.

Der TAGESSPIEGEL hat das Thema in einem bemerkenswerten Beitrag aufgegriffen:

Berlin und die Gentrifizierung:
Mit 85 plötzlich ohne Zuhause
05.06.2014 von Verena Friederike Hasel – Link

Auch in Pankow häufen sich die Fälle, in denen Rentner durch Mieterhöhungen und Eigenbedarfsanmeldungen aus ihrem angestammten Wohnumfeld vedrängt werden. Viele MieterInnen gegen klein bei, und lassen sich in Altheime und ins Brandenburger Umland verdrängen.

In Berlin Weißensee ist z.B. eine heute 93-jährige Ärztin über sieben Jahre von einem westdeutschen Investor beklagt worden, und hat ihre Wohnung in allen Instanzen „verteidigt“. Ein Wunder, dass sie den damit verbundenen Streß bisher überlebt hat.

In einem anderen Fall ist die Ehefrau eines 86-jährigen Rentners plötzlich pflegebedürftig geworden. Das Ehepaar muß nun ein plötzlich zu große Wohnung von der Rente finanzieren, und einen Pflegeplatz.

Dieser Pflegeplatz ist aber teuer – und ein bezahlbare Einrichtung konnte nur in Neustadt/Dosse in Brandenburg gefunden werden.

Der 86-jährige Ehemann fährt nun jedes Wochenende mit dem PKW rund 100 km ins Westhavelland, manchmal auch mehrmals in der Woche, und versucht ein eheliches Zusammenleben zu wahren. Eine Aufgabe der Wohnung kommt nicht in Frage, weil sowohl in Berlin als auch in Neustadt/Dosse die Mieten zu sehr gestiegen sind, und ein Ausverkauf des gemeinsamen Hausrats undenkbar ist, solange eine Hoffnung auf Rückkehr aus der Pflegebedürftigkeit besteht.

Alle Betroffenen sind zutiefst erschüttert, weil sie sich lebenslang auf einen Sozialstaat eingerichtet haben, und nun auf ganz böse Weise allein gelassen sind. m/s

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m/s