Freitag, 20. Oktober 2017
Home > Kultur > Mittelalter-Mucke im Herz-Jesu-Kloster

Mittelalter-Mucke im Herz-Jesu-Kloster

Herz-Jesu-Kloster Prenzlauer Berg

Es ist eines der ältesten Gebäude in der Greifswalder Straße, Ende des 19. Jahrhunderts erbaut als Katharinenstift. Hier lebten und wirkten einst die Arenberger Dominikanerinnen. Heute wohnen, leben und arbeiten fünf Herz-Jesu-Priester in dem ehrwürdigen und schönen roten Backsteinkomplex, der versteckt hinter dem Hauseingang Nummer 18 im Innenhof zu finden ist. Auch die Kirche Mater Dolorosa und das katholische Schulzentrum Edith Stein sowie die portugiesisch-sprachige Gemeinde haben hier ihren Sitz.

Herz-Jesu-Kloster Prenzlauer Berg
Herz-Jesu-Kloster Prenzlauer Berg – Kirche Mater Dolorosa – Pressebild

Die Patres des Herz-Jesu-Klosters haben sich für 2016 einen Leitspruch gegeben: „Durchstarten!“. „Durchstarten – das passt auf vielfältige Weise zu uns“, sagt Pater Ryszard Krupa. „Durchstarten soll auch als Inspiration für unsere Besucher und alle Menschen dienen.“ Pater Krupa sieht es auch als Aufforderung zum Handeln, gemeint sei „Durchstarten“ auf beruflicher, privater und auch zwischenmenschlicher Ebene. „Wir wollen anregen endlich etwa zu tun, was man lange vorhatte“, sagt der Ordensmann Krupa.

Das Herz-Jesu-Kloster startet auch durch, als Kulturort, an den unterschiedliche Interessensgruppen zusammenfinden können. Von Theaterstücken über einen Gottesdienst für Singles bis hin zu einem Hip-Hop-Konzert eines katholischen Priesters.

„Auch wir im Kloster wollen Durchstarten“, sagt Pater Krupa und will das bewährte Programm aus den Vorjahren fortsetzen.

„Mittelalter-Mucke“ am 27.Februar 2016

Zum 200-jährigen Jubiläum von Ernst Litfaß wurden Plakate an Litfaßsäulen und im Bötzowkiez von Prenzlauer Berg geklebt, die von „Kiez-Kultur im Kloster“ künden. Mit lockerer Sprache wird ein jüngeres Publikum angesprochen und eingeladen. Etwas verwegen klingt es schon, wenn in der „Klostermail“ das „Ensemble fluensaer“ als „Mittelalter-Mucke“ angekündigt wird. Tatsächlich wird das Publikum mit spirituellen Liedern und Klängen aus dem Mittelalter auf eine Zeitreise gelockt. Petra Koerdt und Stefanie Weiner interpretieren die außergewöhnlichen Gesänge von Hildegard von Bingen.

Zu Beginn erklingen Cantigas de amigo aus dem Martim Codax (um 1230), das zu den frühesten überlieferten Liedern des galizisch-portugiesischen Sprachraums zählt. Der Gesang wird von Shrutibox, Glocken und Streichinstrument begleitet.

fluensaer - Konzertplakat

Herz-Jesu-Priester in Prenzlauer Berg

Die Herz-Jesu-Priester sind ein weltweiter Orden der Katholischen Kirche, gegründet vom Franzosen Leo Dehon im Jahr 1878. Noch heute kennt man die Glaubensbrüder auch unter dem Namen „Dehonianer“.
In Deutschland sind die Herz-Jesu-Priester seit 1908 präsent. Heute zählen über 50 Mitbrüder aus dem In- und Ausland zum Orden, der in Berlin, Freiburg im Breisgau, Handrup (Emsland), Maria Martental (Eifel), Neustadt an der Weinstraße und Oberhausen vertreten ist.
Der Orden steht für eine die Zeiten überdauernde Form der Hilfsbereitschaft, die am Besten mit den Worten des Ordens wieder gegeben wird: „Das Herz Jesu steht im Zentrum unserer Spiritualität. Wir betrachten es als Symbol für die Art Jesu, sich dem Menschen zuzuwenden. Seine Liebe, seine Hilfsbereitschaft, sein Großmut, seine Freundschaft – das ist unser Vorbild. Auf Fremde zugehen, egal für wie armselig und verkorkst sie andere halten. Sie willkommen heißen, vorurteils- und voraussetzungslos, den eigenen Horizont und das Herz für sie weitend.“

Das Selbstverständnis der Dehonianer sorgt dafür, sich dem Menschen zuzuwenden: „Sich vom Herzen Jesu inspirieren zu lassen, das bedeutet Innerlichkeit, sich emotional dem Geheimnis Gottes zu nähern. Es verpflichtet uns aber auch, unseren Verstand einzuschalten. Wir wollen lernen, wie dieser Mann aus Nazareth zu denken und zu handeln. Wir wollen für diejenigen eintreten, die gescheitert oder isoliert sind, denen beistehen, die verspottet, vertrieben oder vergessen werden. Wenn es sein muss auch gegen bestehende Regeln und auf unkonventionellen Wegen.“

Die internationale Kommunität der Dehonianer in Berlin ist als weltweit katholische Gemeinschaft mit 2.300 Ordensangehörigen in 42 Ländern vertreten.

Herz-Jesu-Kloster Prenzlauer Berg
Herz-Jesu-Kloster Prenzlauer Berg – Kirche Mater Dolorosa – Pressebild

Der Kirchenbau

Die katholische Kirche im Katharinenstift wurde als Hallenkirche 1895/1896 hinter einer Häusergruppe in der Greifswalder Straße gebaut. Baumeister war Carl Koeppen, August Menken war der Architekt. Es sind verputzte Mauerwerksbauten, die mit Klinkern abgesetzt sind mit Elementen von Historismus und Neogotik. Die Kirche hat einen eingezogenen rechteckigen Chor. Das Innere des Kirchenschiffs ist mit einer umlaufenden Empore aus Holz versehen, ein hölzernes Spitztonnengewölbe bildet das Dach.
Die Glasmalereien zeigen das Gastmahl in Bethanien, Jesus Christus als Freund der Kinder und das Letzte Abendmahl. Drei Fenstner sind noch von der Erstausstattung erhalten, die 1895 von der Mayer’schen Hofkunstanstalt gefertigt wurden.

Gespräche über Gott bei Gagarin

Die Ordensmänner laden jeden 3. Mittwoch im Monat zum Gespräch ein. Der Ort ist weniger für Fasten-Aktionen, als für Frohsinn bekannt: die Bar Gagarin in der Knaackstraße. Die Patres Ryszard Krupa, Markus Mönch und Markus Nowak sind reihum ansprechbar.
Die Kneipen-Gesprächsreihe „Über Gott bei Gagarin“ ist ernsthafte und auch durchaus frohsinnige Gelegenheit, um ins Gespräch zu kommen. Am 16. März um 20.15 Uhr trifft man sich wieder in dr „Bar Gagarin“ in der Knaackstraße 22.

Durchstarten auch im Bötzokiez

Pater Krupa möchte sich gegenüber den Kiez weiter öffnen. Neben dem Kulturprogramm und den gemeinsamen Fastengebeten (immer donnerstags, 18.02./25.02./3.03./10.03/17.03.2016, 7:45 Uhr, Klosterkirche) ist auch eine Teilnahme am Straßenfest im Berliner Bötzowkiez („Kloster goes Kietzfest“, 9.07.2016) geplant.

Im Klosterhof soll im April ein urbaner Kloster-Klostergarten nagelegt werden, eine Mitmachaktion für Nachbarn aus dem Kiez: „Urban gardening mit Geist – Klosterhof“.

Weitere Informationen:

www.scj.de

www.fluensaer.com

Save this post as PDF

m/s