Mittwoch, 18. Oktober 2017
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Modular ergänzende Bildungsbauten & Stärkung des Frontalunterricht?

Modulare Ergänzungsbauten

Die in Pankow vertretenen Parteien sind sich weitgehend einig, es muss mehr in Schulen und Bildung investiert werden. Die stark wachsenden Einwohnerzahlen sorgen jedoch für enorme Probleme. Die Einwohnerprognose für den Bezirk ist inzwischen von 430.000 auf 446.000 erhöht worden – doch es gibt gar nicht genug Flächen für neue Schulbauten.

67 Schulen gibt es in bezirklicher Trägerschaft, davon 16 Grundschulen. Sechs Sekundarschulen und drei Gymnasien sind die Vorzeigeschulen des Bezirks. Insgesamt werden in Pankow rund 31.000 Schüler ausgebildet.

Doch die Schülerzahlen wachsen schnell, bis 2024/25 wird eine Zahl von 39.000 Schülern erwartet. Das bedeutet: es fehlen wohnortnahe Grundschulen, denn Grundschüler haben einen gesetzlichen Anspruch. Ältere Schüler können auch weitere Wege zur Schule zugemutet werden. Bei Gymnasiasten ist selbst der Weg nach Zehlendorf zur Option geworden, wenn etwa Sprachangebote in Pankow nicht ausreichen.

Wo bauen – wann bauen – was bauen?

Die Schulbauplanung war unter der früheren Bezirksstadträtin Zürn-Kastantowicz nicht gut aufgehoben. Infolge der vergangenen Sparpolitk war das Amt personell unterbesetzt. Der einstige Schrumpfkurs und der haushaltspolitische Konsolidierungskurs haben eine lange „Schleifspur“ hinterlassen. Das Umsteuern und Kapazitätsanpassungen fallen nun schwer.

Unter Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel kamen dann die „Modualeren Ergänzungsbauten“ (MEB) in die Welt. Systembauten und schnelle Notlösungen, vor denen hier schon gewarnt wurde (27.8.2014 | Pankower Allgemeine Zeitung). Die MEB sind sicher besser, als die früheren Container-Bauten, doch es sind einfach konzipierte Bauten, in denen der Frontalunterricht wiederbelebt wird.
Zudem: die energetische Optimierung sorgt für Lüftungsprobleme und frühe Müdigkeit im Unterricht.
Immerhin: für MEB´s gibt es Platz auf einigen Schulgeländen – ein Zeitgewinn – aber sind MEB´s die Bildungsinvestitionen, mit denen Kinder für die Zukunft bestens ausgebildet werden?

Dazu kommt das strategische Versagen am Pankower Tor: hier sollten eine Grundschule und eine weiterführende Schule entstehen. Öffentliche Infrastruktur auf privaten Investoren-Grund, ohne städtebauliches Gesamtkonzept, an Straßen mit hohen Stickoxid- und Feinstaub-Emissionen – und ohne vereinbarten Planungswertausgleich und ohne neutrale städtebauliche Gutachter.
Jetzt befinden sich Pankow und der Berliner Senat im unabsehbaren Planungsdilemma, denn es ist gar nicht mehr so sicher, ob der Invstorenplan mit Möbelhäusern und Einkaufszentrum noch zeitgemäß ist. Veraltete Gebäude-Typologien der siebziger Jahre, die Zunahme des Online-Handels und der Einzug von „Virtual Reality“ im Möbelhandel wird wohl auch die Schulbau-Träume am Pankower Tor in Frage stellen. Zwei Schulstandorte, die sich für eine moderne Schularchitektur eignen, stehen womöglich noch jahrelang nicht zur Verfügung.

Alternative Standorte sind knapp. Die Bebauung eines Öko-Schulgartens und auch die Prüfung von Kleingärten als schnelle Ausweichlösungen ist im Gespräch.

Ernst wird es dazu am 20.Juni, um 17:00 Uhr am Eingang Ibsenstraße/Nordkapweg, wenn der Stellvertretende Bürgermeister und Stadtentwiclklungstadtrat Vollrad Kuhn und Vertreter aller in der BVV vertretenen fünf Parteien sowie je 3 Vertreter der Pankower Bezirksverbände der Kleingärtner in der Kleingartenanlage Bornholm II zusammen treffen. Auch Schulstadtrat Dr. Torsten Kühne und ein Vertreter der für den Schulneubau vorgesehenen Bauplanung sind dabei. Die Gärtner erwarten die Sitzung mit großer Spannung, denn nach einem Rundgang tagt die Runde im Vereinshaus.

Moderne leistungsfähige Schulbauten

Andere Bundesländer haben sich im Schulbau längst innovativen Konzepte der Schulbau-Architektur zugewendet. Auch dieses Thema wurde hier schon vorgestellt: „Moderne leistungsfähige Schulbauten“ (22.6.2016 | Pankower Allgemeine Zeitung).

Die Folge: die Berliner Schulsenatorin Sandra Scheeres ist danach aktiv geworden, und hat eine Delegation nach Hamburg geschickt, um das Hamburger Modell ggf. auch in Berlin anwenden zu können.

Zu letzt hatte der Landeselternausschuss im Februar 2017 Kritik geübt: „Landeselternausschuss fordert bessere Schulraumqualität“ ( 12.3.2017 | Pankower Allgemeine Zeitung ).

Heute stehen im Berliner Haushalt genügend Mittel für Neubauten und Neuplanungen zur Verfügung – aber die Grundstücke und Pilotprojekte für „Moderne leistungsfähige Schulbauten“ fehlen – ganz besonders in Pankow und Prenzlauer Berg.

Der Berliner Schulbau-Politik will offenbar der große Wurf nicht gelingen, die Schulbauoffensive 2017/2016 steckt noch in Phase I fest, weil es schlicht an Fachpersonal für Planung und Ausschreibung, an Zeit und an Grundstücken fehlt.

Drohende Rückkehr der Frontalunterichts?

Die politischen Parteien befinden sich im Bundestagswahlkampf, und übertreffen sich mit Zahlen zu Investitionen in „Bildung“ und „Bildungspolitik“. In Berlin sind aber Qualitätsfragen zu stellen: Das Menetekel hat Schulstadtrat Dr. Torsten Kühne längst formuliert: „Wir brauchen kreative Lösungen“, sagt der Stadtrat gegenüber den Prenzlauerberg Nachrichten (1.7.2017) und meinte damit: Modularen Ergänzungsbauten (MEBs), Hybridbauten aus Holz und Beton, die schnell hochgezogen seien, Containerreserven, die angeschafft werden sollen, um den Unterricht während der Sanierung von Schulen sicherzustellen. Und natürlich: Die Ausreizung des Bestandes.“

Nun darf man gespannt sein, ob sich Eltern, Schüler, Lehrer und Wähler weiter „ausreizen“ lassen! Die vier Bundestagskandidaten stellen dazu ihre Gedanken vor: ganz großes Kino! Heute 19 Uhr im Kinosaal des Zeiss-Großplanetariums in der Prenzlauer Allee.

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m/s