Sonntag, 19. November 2017
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Möbelhäuser – Standortpoker

HÖFFNER neu am Sachsendamm

Der Blick von der Fußgängerbrücke über den Sachsendamm zeigt die bekannte Marke von Höffner im frischen rot am großen Möbelhaus. Noch im Frühjahr war Marke Möbel Kraft an der Fassade zu sehen. Am 4. September 2016 war die große Eröffnung, mit Riesen-Glücksrad, Sonderangeboten, Freiluft-Lounge, Bierwagen und Bratwurst-Zelt. Das große Gebäude am Autobahnkreuz Schöneberg, nur etwa 1 km vom Bahnhof Südkreuz liegt in zentraler Lage.

Das große Möbelhaus mit rund 40.000 m² Verkaufsfläche auf vier Etagen eröffnete ursprünglich als Möbel Kraft am 6. September 2007 mit 500 Mitarbeitern. Das Gebäude wurde auf dem Gelände der ehemaligen Radrennbahn Schöneberg errichtet und war in der Planfeststellung hoch umstritten. Um die Anfahrt von der Stadtautobahn aus östlicher Richtung zu ermöglichen, wurde am Autobahnkreuz Schöneberg die bis dahin noch fehlende nordöstliche Verbindungskurve in Richtung Sachsendamm realisiert.

Im neuen Höffner Möbelhaus geht der Trend zum Einkaufserlebnis weiter. Ein Dachgarten lockt auch zu besonderen Ereignissen ins Möbelhaus. Das erste Konzert ist schon angekündigt: „Mia live über den Dächern Berlins!“ Es steigt am 27.8. in Schöneberg auf dem Dach – ab 18 Uhr gibt es das exklusive Rooftop-Konzert!

Möbel Kraft und Höffner – Zusammenarbeit und Zusammenschluß

Die Möbel Kraft AG ist ein Möbel-Einzelhandelsunternehmen mit Sitz in Bad Segeberg, Schleswig-Holstein. Das Unternehmen betreibt insgesamt sieben Einrichtungshäuser in sechs Bundesländern, das Familienunternehmen der Brüder Reinhard und Gerhard Kraft wurde im Dezember 2003 zu 50% an Möbel Höffner verkauft. Der Berliner Unternehmer Kurt Krieger hatte 5 Jahre lang die beiden Brüder geradezu bekniet, diesen Schritt zu tun.

Zuvort hatte Krieger durch Beteiligungen an Möbel Walther die Expansion eingeleitet.

Nachdem das Bundeskartellamt zugestimmt hatte, ging die Geschichte eines 110-jährigen reinen Familienunternehmens Kraft zu Ende. Krieger und die Krafts stiegen danach zu Deutschlands zweitgrößtem Möbelhändler hinter Ikea auf, und konnten nun bei den Möbelherstellern die Einkaufspreise besser aushandeln.

Doch eine vollständige Integration von Möbel Kraft in die Höffner-Gruppe war nicht geplant. „Kraft bleibt Kraft und Höffner bleibt Höffner“, sagte der damalige Kraft-Sprecher Guido Steffen. „Die Krafts werden auch weiterhin die Geschäfte bei Möbel Kraft führen“, sagte damals auch Kurt Krieger.

Die Brüder Reinhard und Gerhard Kraft wollen den ihnen gehörenden Teil des Unternehmens wie schon die Generationen davor an ihre Kinder übergeben.

Nummer Zwei im Möbelhandel – der Grundstein für weitere Expansion

Auch Möbel Kraft expandierte danach. Nach Ausbau der beiden Einrichtungshäuser in Bad Segeberg und Buchholz wurden 2007 in Berlin-Schöneberg und in Berlin-Vogelsdorf die Möbelhäuser Nr. 3 und Nr. 4. eröffnet.
2010 erfolgte die Umwandlung der Häuser in Bad Segeberg und Buchholz in die Möbel Kraft AG. Kurt Krieger ist als Anteilseigner Vorsitzender des Aufsichtsrat des Unternehmens.

Der Grundstein für die weitere Expansion war damit gelegt. Die Höffner-Gruppe betreibt allein neun Einrichtungshäuser in Ostdeutschland.

Am 1. Juli 2006 wurden neun der zehn deutschen Einrichtungshäuser der Möbel Walther AG in Höffner umbenannt. Diese hatte der Möbel-Walther-Mehrheitsaktionär und Höffner-Inhaber Kurt Krieger vorher gekauft. Die Sconto-SB-Möbelmärkte blieben Teil der Möbel Walther AG und übernahmen im Gegenzug die Möbel-Tick-Mitnahmemärkte von Höffner.

Mit heute insgesamt 19 Einrichtungszentren ist der „Vollservicehändler“ (O-Ton) mit 6.000 Mitarbeitern, sechs Zentrallagern und über 750 LKW das zweitgrößte Möbelhandelsunternehmen Deutschlands. Sein Kernsortiment umfasst etwa 100.000 Produkte. Die Einrichtungszentren haben jeweils 30.000 bis 45.000 Quadratmeter Verkaufsfläche und bieten ca. 600 bis 1.500 kostenlose Parkplätze.

Möbel Höffner am Sachsendamm
Möbel Höffner am Sachsendamm: Viel Parkplatz mit Tiefgarage und vierreckig beschnittenen Bäumen

Möbel Kraft zieht nach Wedding um

Möbel Kraft zieht künftig in die Pankstraße 32-39 in 13357 Berlin, in den alten, zu klein gewordenen Weddinger HÖFFNER-Standort mit 35.000 Quadratmetern Einkaufsfläche.

Am 11. August 2016 wird dort neu eröffnet. Natürlich sind viele tolle Highlights und Angebote geplant, „wie zum Bespiel eine MEGA Hüpfburg, Kinderschinken, Ballon-Zauber, coole Wii-Station, herrlicher Kochspaß, kunterbunte Kreativwerkstatt, Verkleidungs-Fotostudio und viele Eröffnungsangebote“; heißt es auf der Facebook-Seite.

Höffner Eingangsportal in Schöneberg
Höffner Eingangsportal in Schöneberg

Neuigkeiten im Berliner Standortpoker um Möbelhäuser

Mit dem Eintritt von PORTA in Potsdam und der gefürchteten Konkurrenz von XXXLutz, das im Mai 2016 seinen bisher größten Mömax in Berlin-Schöneweide eröffnet hatte, geht der Standortpoker um die Berliner Marktführerschaft im stationären Möbelhandel in die nächste Runde.

Kurt Krieger kündigte schon an, in Lichtenberg an der Landsberger Allee ein Höffner-Einrichtungshaus sowie einen Sconto-Markt mit insgesamt 55.000 qm VK-Fläche errichten zu wollen, wie die Zeitschrift Möbelkultur online verlautbarte und aus der Bezirkspolitik berichtete:

„Mein Gefühl sagt mir, dass bei Höffner und Sconto an der Landsberger Allee schon 2017 Leute einkaufen werden“, wird Bezirksstadtrat Wilfried Nünthel zitiert. Vorausgesetzt, dass Kurt Krieger sein Vorhaben auch schnell in die Tat umsetzen wird. Da allerdings Ikea bereits angekündigt hat, zwei weitere Filialen in der Bundeshauptstadt errichten zu wollen, und auch XXXLutz über eine Baugenehmigung an der Märkischen Allee verfügt, wird Krieger das Projekt bestimmt nicht auf die lange Bank schieben.“

Doch bei Höffner gibt es nicht nur Neueröffnungen. Das Einrichtungshaus Kriegerhome in der Genthiner Straße – direkt vis-à-vis zu Möbel-Hübner – wurde geschlossen.

Zusammen mit dem Höffner-Möbelhaus in Mahrzahn in der Märkische Spitze 13, 12681 Berlin, versucht Krieger damit seine Marktposition zu halten.

Höffner-Sandburg vor dem Möbelhaus
Höffner-Sandburg vor dem Möbelhaus in Schöneberg

Pankower Tor – eine Sandburg als Omen?

Vor dem neuen Möbelhaus am Sachsendamm prangt auch eine große Sandburg. Für Kunden aus Pankow, die hier vom S-Bahnhof Südkreuz oder vom etwas näher gelegenen S-Bahnhof Schöneberg eintreffen, ist die Sandburg ein Zeichen, das unwillkürlich an das Pankower Tor erinnert. Auch hier sind vorwiegend Sandberge zu sehen. Ob noch ein weiteren Möbel Höffner plus SCONTO-Markt in Pankow gebaut wird, wird zunehmend fraglich. Die neue Konkurrenz von IKEA und XXXLLutz sorgt für scharfen Wettbewerb in der Hauptstadt. Zudem verstärkt sich immer mehr der Online-Handel, der mit kostenloser Lieferung große Vorteile hat.

Wenn die geplante Umweltplakette für Dieselfahrzeuge kommt, verändert sich ab 2018 auch das Einkaufsverhalten. Der Einkauf mit dem Auto wird unattraktiver.

Schon jetzt rückt das Möbelhaus am Südkreuz auf 35 Minuten S-Bahnfahrt plus Fußweg an Pankow heran. Die neuen Möbelhäusern von Höffner und SCONTO an der Landsberger Allee kann man künftig in 15 Minuten von Prenzlauer Berg Ost aus erreichen.

Das bereits vorhandene SCONTO am S-Bahnhof Storkower Straße könnte damit 2017 auch neu zur Disposition stehen – Markenwechsel nicht ausgeschlossen.

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