Dienstag, 12. Dezember 2017
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Müllers „Digitalfeuerwerk über Berlin“

be.digital.berlin am 7.12.2015

/// Kommentar /// – Gestern wurde in der Technischen Universität Berlin ein weiteres „Digitalfeuerwerk“ für Berlin entzündet. Neue Begriffe, Neologismen und Akronyme platzten wie Feuerwerksbomben über den Köpfen der Zuhörer. Schon im Sommer besetzte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer mit „Creating Urban Tech“ und „Smart-City“-Themen weitere Begriffe des Innovations-Feuerwerks. Gemeinsam umgaben sich auch Müller und Yzer als Gastgeber des Nationalen IT-Gipfels mit einer immensen Wortwolke neuester technologischer Neologismen. „Digital“ und „Digitalisierung“ sind dabei die neuen Zauberworte.

be.digital.berlin am 7.12.2015
be.digital.berlin am 7.12.2015 – Regierender Bürgermeister Michael Müller in der TU-Berlin – Foto: Pressefoto Philipp Arnold * (Screenshot-Auszug)

Es geht eigentlich nur um Nullen und Einser, die aber in der Informatik Gedanken bestimmen – und so aus einem schlichten Denker oder Forscher einen „digitalen Kopf“ werden lassen.

Gemeinsam wurde vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller und dem Präsident der Technischen Universität Berlin Prof. Dr. Christian Thomsen die Agenda „Berlin auf dem Weg zur Digitalen Hauptstadt“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Aufbauend auf vielen Vorüberlegungen aus dem Wissenschaftsjahr 2014, wurden die damals unter Ägide des Bundesministeriums für Bildung und Forschung begonnenen Initiativen nun auf Berliner Niveau fortgesetzt.

Der damals von den Mitgliedern der Gesellschaft für Informatik e.V. iniierte Verein „Digitale Köpfe e.V.“ unter dem umtriebigen Christoph Krachten und Sprecherin Prof. Dr. Anja Feldmann (TU Berlin) nahm im Februar 2015 seine Tätigkeit auf, und strukturiert so eine ambitionierte Informatik-Forschungsinitiative.

Zunächst: es sind viele tolle Projekte dabei, es stehen viele renommierte Personen, Firmen und Institute hinter der Initiative. Doch die politische Programmsprache ist nicht auf der Höhe der Zeit und kann modernen Anforderungen des weltwirtschaftlichen Wettbewerbs nicht genügen.

Immerhin 5 Mio. € werden 2016 für die neue Netzwerkarbeit in Sachen „Digitalisierung“ ausgegeben. 50 führende Köpfe wurden unter Begleitung der TU und durch die Berliner Senatskanzlei zum Dialog zusammengeführt, die nun vorwiegend IT- und Informatik Forschungsinteressen zusammenführen, um tragende Begründungen für 30 neue Professuren zu liefern.

Dennoch muss ein kritischer Kommentar geschrieben werden, weil es um die Zukunft innovativer Wertschöpfung und um Ökonomie und Wohlstand der „Smart-City“ geht – und weil wichtige strategische Lücken in der Programmplanung erkennbar sind.

Was wäre, wenn es ein Projekt gibt, das jeden Monat eine digitale Dividende für die Stadt Berlin abwirft, in Höhe von mindestens 5 Millionen Euro? – Müßte das Herrn Böhning und Frau Augenstein in der Senatskanzlein inspirieren, noch bedeutendere Politik-Entwürfe für den Regierenden Bürgermeister zu schreiben?

Die Berliner 10-Punkte-Agenda

01. Berlin schafft 30 neue IT-Professuren
Der Originalton hört sich bekannt an: „Berlin schafft zunächst 30 neue zusätzliche Professuren, 25 Juniorprofessuren und fünf W2-Professuren die nach inhaltlichen Kriterien über die Berliner Universitäten und Fachhochschulen verteilt werden, teilweise auch in Kooperation mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen.“
So kennt man die gute alte TU, das war schon in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein universitäres Vorgehensmodell zur Innovationsbeschleunigung. – Doch fast alle wichtigen Innovationen dieser Ära laufen heute weltweit in Unternehmen, die entweder einen Sitz in USA, Südkorea, Taiwan, Japan oder China haben.

Die Berliner Innovations-Kultur der „Themenfeuerwerke“ und „Bankette“ fördert in Berlin vor allem die „Antragskultur“ und den Blick auf den Senat – nicht aber die wichtigen „Anwendungs- und Investitions-Absichten“.

Ein kleiner Blick nach Babelsberg zeigt: Investoren- und Anwendungsinteressen lassen sich auch unter einer sozialdemokratischen Regierung mit mehr Kapital, mehr Ambitionen, mehr Köpfen und Impact und noch mehr Output organisieren.

02. Berlin beantragt bei der Einstein Stiftung ein Zentrum „Digitale Zukunft“
Das Zentrum soll die Koordination und die Finanzierung mit regeln. Hochmodern: „Berlin wird eine umfassende Open-Access-Kultur für die öffentlich finanzierten Wissenschafts- und Kulturbereiche etablieren.“ Das ist natürlich auch eine Einladung an alle weltweit agierenden Patenttrolle und -Kopierer, Gaststudenten und -Dozenten, um sich den eigenen Technologie-Transfer zu beflügeln.
Wenn man eine Berliner Zukunft erdenken will, dann muss man sich auch mit der ökonomischen Topologie von „Open-Access“ befassen, die längst durch Firmen wie die ABC.XYZ Holding per werbefinanzierter Querfinanzierung Zukunftsnärkte „vorstrukturieren“ und Kapital im Markt für neue Ideen- und Innovationsankäufe einsammeln. In diesem Marktmodell bliebe Berlin nur Versuchslabor – zu wenig um den Wohlstand zu sichern.

Innovation ist nicht nur Technik, sondern vor allem Markt, Intellectual Property, Zugangsrecht, Wertschöpfung und Long-Tail der Wertschöpfung, Umsatz und Gewinn.

Das deutsche Mobilfunk-Desaster, mit Patentausverkauf nach Taiwan, und das Nokia-Desaster rufen in Erinnerung, nach viel gründlicheren Strategien zu forschen. Hinzu kommt das massive Innovationswachstum amerikanischer Unternehmen, die die Übertragungsprotokolle für das Internet der Dinge als Open-Source bereitstellen, und parallel die wachsende Marktmacht chinesischer Unternehmen, die auf einen riesigen IT-Personalpool zugreifen können, und schon bis 2020 unsere mobilen Funknetze mit ihren Standards besetzen.

03. Berlin holt die besten digitalen Köpfe in die Hauptstadt
Das neue Programm soll vor allem Visiting Fellows und Wissenschaftler nach Berlin holen. Wobei die Frage entsteht, ob damit der richtige Schwerpunkt gesetzt wird, beruhten doch die meisten modern Innovationen auf Labor- und Anwendungsentwicklung, auf Testfelder und auf ein ausgefeiltes Intellectual Property Management, Patentsharing und -investing.
Bedenkt man die Patentdichte, die in einem einzigen Smartphone zwischen 1.500-2.400 Patente vereinigt, dann reichen „digitale Köpfe“ dafür nicht aus. Nicht die besten Köpfe, sondern die besten Patentabteilungen entscheiden heute darüber, was umsetzbar ist. Man schaue sich die Patentabteilungen von ABC.XYZ, SAMSUNG, Apple, Microsoft und anderen an – deren Kopf-Stärke heute Maßstäbe setzt.

04. Berlin setzt auf Zukunftstechnologie 5G
Der Ausbau des kommenden Mobilfunkstandards 5G soll 2020 eingeführt werden, mit einer durchschnittliche Übertragungsrate von 100 MBit/s (Spitze bis 100 GBit/s). Doch hier ist der Zug eigentlich schon abgefahren, denn der chinesische Konzern Huawei hat schon kommerzielle Verträge in Europa für den Standard 4.5 G mit Übertragungsraten von 1 GBit/s unterzeichnet und beginnt 2016 mit der Markteinführung. Auch große Netzbetreiber in Europa prüfen den Einsatz. Bevor also irgendein Staatssekretär eine neue 5G-Ausschreibung verfasst hat, wird schon bei üppigen 1 GBit/s Geld im Markt verdient.

05. Der Wissenschaftsstandort Berlin stärkt seine E-Health-Kompetenz
Das ist inzwischen schon fast ein Selbstläufer, der durch Investoren a und Bundesforschungsprogramme ngetrieben wird. Allein zur kommenden conhit 2016 wird ein Schub an Innovationen erwartet, wie der Call-for-Papers mit 162 eingereichte Vorschlägen ergab. Das ist übrigens ein Erfolg bisheriger Senatspolitik, die 20 Jahre durchgehalten wurde.

06. Berlin verbessert Perspektiven für Frauen in der IT-Forschung
Warum dieser Punkt noch auf eine IT Agenda gehört, ist wohl zur politischen Folklore zu rechnen. „Wir haben 2015!“ – um ein geflügeltes Wort von Justin Pierre James Trudeau zu benutzen. Nur in der Informatik noch nicht – von einigen Ausnahmen einmal abgesehen!

07. Berlin bewirbt sich um Exzellenz-Projekte
Der Originaltext liest sich wie Realsatire, denn Anwendungsbezug und Ziele für „Impact und Output“ fehlen: „Die Berliner Universitäten und die Charité bereiten im nächsten Jahr bei der Ausschreibung zur Exzellenzinitiative einen gemeinsamen Antrag zur Digitalisierung vor“. Das Thema Digitalisierung ist in diesem Wettbewerb ideal für einen solchen gemeinsamen Berliner Antrag geeignet. Denn es besitzt eine inhaltliche Breite, die nahezu alle Bereiche der Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft betrifft, und gerade der Wissenschaftsstandort der Region ist stark in dieser Vielfalt.“

Weiter heisst es:

„Darüber hinaus erfolgt ergänzend dazu die Bewerbung um ein nationales „Internet-Institut“ für Forschungsfragen der digitalen Gesellschaft, das weitere Akteure am Standort zusammenführt und bereits vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschrieben worden ist. Die wichtigsten Institutionen aus der Berliner und Brandenburger Wissenschafts- und Forschungsszene haben sich hierfür zusammengetan. Mitglieder des Kernteams, das eine vorläufige Skizze für ein Berliner Institut für Digitalisierung und Gesellschaft erarbeitet, sind Gesche Joost (UdK) in der Rolle als Sprecherin, Jeanette Hofmann (WZB und HIIG), Axel Metzger (HU), Barbara Pfetsch und Martin Emmer (FU Berlin), Ina Schieferdecker (TU Berlin und Fraunhofer FOKUS), Björn Scheuermann (HU) sowie Oliver Günther (Uni Potsdam).“

Excellenz wird hier als Selbstzweck beschrieben, zudem wird Digitalisierung als „Zielkategorie“ verwendet, wo es doch allenfalls eine „Werkzeugkategorie“ ist, die Informationstechniken, Dienste, Prozesse und Steuerungen in Gang setzt.

Im Rahmen der Excellenz-Initiative sollte endlich auch der Aprilscherz vom 1.4.2013 geprüft werden, der einen wichtigen fehlenden Innovationscluster in der Berliner Innovationsstrategie beschreibt, und ein enormes Potential für Design-Innovationen und Industrie 4.0 mit der Berliner Kreativwirtschaft verbindet – gute lokale Arbeit dazu!

Zwei der größten Möbelhändler in Europas sitzen in der Hauptstadtregion. Weitere tolle Neologismen müssten auch die UdK und die Kunsthochschule Weißensee inspirieren: „„Art, Design & Industries“ und ein Institut für Design-Robotik und fortgeschrittene Produktions-Robotik 4.0. – Gebrauchte Industrieroboter könnte man von der Automobilindustrie geschenkt bekommen, wenn man sich verpflichtet, keine Autoteile zu bauen.

08. Berlin stärkt digitale Inhalte in der Aus- und Weiterbildung
Die Digitalisierung verändert nicht nur die Berufsprofile im universitären Umfeld, auch für Ausbildungsberufe ergeben sich neue Anforderungen. Wirtschafts- und Sozialpartner sowie die Kammern entwickeln daher zusammen mit Vertretern von Startups, etablierter Wirtschaft und Verwaltung neue Ausbildungsmodule zum Thema Digitalisierung im Rahmen bestehender Ausbildungsberufe und etablieren – wo nötig – komplett neue Ausbildungsberufe. Dazu konstituiert sich 2016 eine entsprechende Projektgruppe.
Das ist „Mega“ – würde Spitzenkoch Frank Rosin sagen, wenn er in die Senatskantine kommt. Aber: das gibt es alles schon! Es muss nur noch lizensiert und kopiert werden. Denn die Zukunft der Ausbildung ist schon da und hat schon am 24.4.2015 das Bundesverdienstkreuz am Bande aus der Hand der Berliner Arbeitssenatorin Dilek Kolat erhalten. Besonders: trotz Bildungsföderalismus wurde eine bundeseinheitliche modulare Ausbildung für Mechatroniker mit bundeseinheitlicher synchroner Abschlußprüfung etabliert, bei der die Prüfungsunterlagen zentral digital übermittelt werden.

09. Berlin stellt Weichen für ein digitales CityLAB
Das hört sich toll an: CityLab. „Das CityLAB Berlin ist ein Ort, an dem schwerpunktmäßig zu den Themenkomplexen Digitalisierung und Smart City anwendungsbezogene Lösungen erdacht, entwickelt und mit Blick auf ihre praktische Umsetzbarkeit hin diskutiert werden. Wissenschaft, Kreativität und Stadtgesellschaft formulieren dabei alltagspraktische Herausforderungen der wachsenden Stadt Berlin und arbeiten an intelligenten Lösungen und Anwendungsbeispielen für innovative Produkte und Prozesse.“

Das wurde toll ausgedacht, aber auch das gibt es schon. In engagierter Verein betreibt z.B. eine Systemplattform, die wichtige Akteure kollaborativ zusammenarbeiten lässt.
Vor allem erarbeitet die Plattform eine millionenschwere digitale Dividende in der Berliner Wirtschaft, in der CO-2 Bilanz und im kommunalen Haushalt. Ab dem 1.1.2016 geht es im Echtbetrieb los.

Das derzeit wohl beste Berliner Excellenz- und Weltmarktprodukt wurde schon ganz nebenher öffentlich von Staatssekretär Gaebler präsentiert. Als Nichtbaufachmann hat es Michael Müller vermutlich in seinem wirtschaftlichen Wertschöpfungs-Potential noch nicht richtig erkannt, obwohl er das Projekt als Stadtentwicklungssenator maßgeblich mit vorangetrieben hat (Mehr dazu folgt in einem Beitrag: „Berlin wird von unten smart“).Es gehört unbedingt in eine Zukunftsagenda hinein – auf Bundesebene!

10. Berlin richtet seine Förderangebote auf Digitalisierung aus
„Produktivitätsfortschritte durch Digitalisierung und Industrie 4.0 bieten große Potentiale und Chancen für den Wirtschaftsstandort Berlin. Das Land Berlin und die Investitionsbank Berlin (IBB) bauen daher ihr Finanzierungsangebot im Digitalbereich aus und stärken damit sowohl innovative Gründungen und Startups als auch die Digitalisierung des breiten Mittelstandes. Neben dem Fokus auf digitale Unternehmen aus dem IKT-Cluster werden auch in anderen Branchen Investitionen in die Nutzung und Adaption von IT-Lösungen und in die digitale Vernetzung in Produktion und Service gefördert.“

Auch die Förderstrategie des Landes Berlin ist noch nicht zukunftssicher aufgestellt. Haben wir nicht längst eine Entwicklung in Richtung auf Industrie 5.0, die durch eine „Mensch-Roboter-Kooperation“ beschrieben werden kann? Kamera-Drohnen, die dem Jogger autonom folgen, gibt es im Elektronikmarkt. Autonome Assistenz-Roboter werden zum Helfer, Begleiter und Co-Worker des Menschen, wenn man sich bei Spielzeug-, Waffenentwicklern und internationalen Technologie-Konzernen, und in Serviceunternehmen umblickt.

Ausgerechnet das Tempelhofer Feld und die Nachnutzung des Flughafen Tegel bieten als Freiflächen Gelegenheit, autonome Fahrzeuge und Technologien im Umfeld von Menschen, beim Einsatz von Sport- und Reha-Technologien zu testen.

Brauchen wir auch bessere Fördersysteme für eine innovative „Eigenkapitalbildung“ und „schnelles StartUp-Wachstum“ in den Anwendungstechnologien? Noch immer müssen zu hohe Bauinvestitionen und Investitionen in Testfelder getätigt werden. Wie wäre es mit „Testfeldern zum Mieten“, mit „Engine-Sharing“, mit eigenkapitalbildenden Technologie-Genossenschaften, die Grundstück, Bau und Facility Management finanzieren, und so den Weg für viele kleinere StartUps mit kurzen Projektzyklen freimachen?

Könnte so auch die Art-Design- und Kreativwirtschaft zu besseren Strukturen für „gute Arbeit“ kommmen? Ist es künftig möglich, in Berlin Pilotexemplare eines Designproduktes in einer Woche nur zu Mietkosten und Servicekosten zu produzieren?

ABB Industrieroboter IRB 2300
ABB-Roboter Typ IRB 2600 gibt auf Knopfdruck besondere Schuhmodelle an den Kunden aus und stellt diese auch wieder in ein passendes Regalfach zurück. – Pressefoto ABB

10 Punkte sind noch keine Zukunftsstrategie

10 Punkte und 5 Millionen Euro Etat sind angesichts der Ambitionen und ausgelobten Kostenstellen ein schlechter Witz! Allein die Schulsenatorin Scheeres hat ein von ihr betriebenes Projekt für die Schul-IT im Wert von 18 Millionen € nicht in Betrieb nehmen können. In Verantwortung von Müller ist ein umfangreiche Projektmanagement-IT am Flughafen BER „gescheitert“ – dazu wurden wenigstes 50 Mio. € für Brandschutzsteuerungen fehlinvestiert.

Und zu der Herausforderung, die Hauptstadt-IT zu erneuern, und bis 2020 rund 30% des Personals in Rente zu schicken, fehlt eine klare E-Government-Strategie. Probleme beim Service-Portal, die Zuständigkeit des Innensenators für das Landesamt für Informationstechnik – hier müsste längst eine „arbeitswissenschaftliche Forschung“ ansetzen, wieso in Berlin Technik entwickelt wird, aber nicht angewendet wird – und nach Verhinderung durch Personalräte in Kellern verstaubt.

Nun also weitere Innovation: Die gute alte Forschungskooperation zwischen Staat und Universität soll neu aufblühen. Ob dies Erfolg zeitigt, ist heute dringend zu hinterfragen, denn viele an deutschen technischen Universitäten entwickelte Technologien und Patente gelangten erst in USA, in Südkorea, Taiwan und neuerdings in China zur Marktreife und treiben heute ganze Industriezweige an.

Insbesondere der Erfolg von Silicon Valley, der natürlich gern in Reden über Digitalisierung und IT herbeigesehnt wird, wurde ausdrücklich nicht von Professoren, sondern von Studienabbrechern, Regelbrechern und Risikoinvestoren ermöglicht, die auch bei Steuerregeln höchste Kreativität und „disruptive Depot-Innovationen“ auflegten.

Der kreative „kalifornische Impuls“ wird von unfairen Finanzierungsbedingungen und Querfinanzungen getragen, die nicht im Sinne der reinen Lehre von der freien Marktwirtschaft sind. Visionen, Anwendungs-Interessen und gewaltige Mengen Kapital sowie ziemlich innovative Investoren getreiben Silicon Valley an. Der „asiatische Impuls“ schafft nun einen neuen Impact: Fertigungstiefe, Fleiss, gewaltige personelle Ressourcen und ein technologischer Überrundungs-Prozeß sind im Gange, der Berlin wie ein „digitales Dorf“ aussehen lässt.
2030 wird Deutschland im weltweiten Vergleich nur noch ca. 1,4% des Personals in den Hochtechnologie-Branchen stellen, wenn man bekannte Prognosen fortschreibt.
Statt einer „digitalen To-Do-Liste“ sind viel wichtigere Frage zu klären: „Wo kann Berlin neue Standards für die Welt setzen?
Welche Projekte, Dienste, Plattformen, Dinge, Produkte und Services tragen die Welt von Morgen?

Händedruck: Roboterhand - Mensch
In der Service_Robotik eröffnet die 5-Finger-Greifhand SCHUNK SVH neue Möglichkeiten beim Greifen und Manipulieren. Zudem erlaubt sie eine Mensch-Roboter-Kommunikation über Gesten. – Bild: Schunk

Die Informatik-Visionen von einer „Always-on-Gesellschaft“ und von einem „Zusammenwachsen von Mensch und IT“ könnten auch völlig falsch gedacht sein! Und auch die Digitale Agenda der Bundesregierung und das geplante Digitalprogramm der Sozialdemokraten ist kein großer Wurf.

Die viel größere und die ganze Welt rettende „digitale Dividende“ könnte durch Kooperation, Kollaboration, Weltoffenheit und eine als universell zu begreifende „Servicialisierung“ erarbeitet werden, in der autonome und vernetzte Roboter und Technlogien dem Menschen „zur Seite“ stehen, statt ihn per Big-Data und Zugangsgebühren zum abhängigen „Objekt“ zu machen.

Auch die politische „hauptstadtübliche“ Formel trägt nicht weit: „Berlin will in Deutschland Vorreiter der Digitalisierung sein.“ Wäre nur ein einziger Betriebswirt unter den 50 digitalen Köpfen, hätte der gesagt: „Vorreiten ist nicht genug!“

Wir wollen Markt- und Technologieführer sein, Kostenführerschaft, Qualität und Servicialisierung perfektionieren und weltweit Kunden und Projekte mit einem nachhaltigen Long-Tail“ gewinnen.“ Dabei wollen wir eine innovative wirtschaftliche Kooperation entwickeln, die komparative Kostenvorteile und Gewinne fair aufteilt.

Berlin sollte deshalb Innovations- und Investitionszentrum für digitale Technologien werden. Als Marktplatz für Ideen, digitale Rechte, Patente, Schutzrechte und Lizenzen könnte Berlin sich positionieren und behaupten – auch als ein weltoffener „Hub“ für Open-Source und Open-Access-Technologien und Datenprotokollen.

Vor allem aber hat Berlin ein Vernetzungspotential – das Kollaboration zum universellen Wertschöpfungsprozess reifen lässt.
Ob als weltweites Netz – wie etwa www.researchgate.net – oder der unter der Ägide des einstigen Stadtentwicklungssenators Müller entwickelte „Baustellen-Atlas“, der als lokale kollaborative City-Plattform die Basis für alle Smart-Cities der Welt legt.

Vor allem aber fehlt noch das ganz große Theater! Ein Welttheater für 14-15 Millionen Euro! Ein Theater, das nicht nur Sternentheater, sondern „Weltbild- und Anschauungs-Theater“ ist, und von einer vorausschauenden Politik unter Klaus Wowereit aufgelegt wurde – das zudem den Tort des Großflughafens BER entschädigt und vergessen macht. 2016 wird das Full-Dome-Theater fertig – und es gehört unbedingt in eine Zukunftsagenda hinein!

Zugleich kann Berlin auch einfach Berlin sein – als Labor, Werkstatt, CityLab, Testfeld und Theater, Schau-Dom & Schaufenster zur Welt! Das alles kann Berlin schon ganz excellent! Sexy ist das alles auch noch! Nur an der Partitur muss noch ein bischen herumgekrittelt werden!

Kolja Kugler mit Druckluftroboter am Mauerpark
Kolja Kugler mit Druckluftroboter am Mauerpark

Nachbemerkung:
„Smart Urban-Tech, wie geil ist das denn? – so fragte man sich schon im Sommer. Und nun platzen Neolgismen wie Feuerwerksbomben über den Köpfen eines stauenden Publikums:

Smart Cities | Industrie 4.0 | Big Data | Cloud Computing | Mobilfunktechnologien | Smart Mobility | 3D-Technologien | Digital Humanities | Digital Democracy | Digitalisierung in der Schule | Digital Policies and Trust | E-Health | Smart Medical Data | Design & Human-Computer-Interaktion u.v.m..

Angesichts der Vielzahl neuer technologischer Akronyme und Neolgismen wurde schon im Sommer in der Redaktion begonnen, ein „smart-digitales Lexikon“ der Smart-Creative-City Berlin aufzulegen. Intern wird es nun „Projekt 11“ genannt. 2016 geht es online!

Vorschläge für weitere Akronyme und Neologismen können mit Autor, Firma, Link und Kurzbeschreibung gemeldet werden:
redaktion@pankower-allgemeine-zeitung.de

Weitere Informationen:
http://be-digital.berlin

Beiträge zum Themenkomplex „SmartCreativeCity Berlin“:

Zukunft der Arbeit – schon da! #1 | 2.5.2015 | Michael Springer | Pankower Allgemeine Zeitung

Klärwerk Schönerlinde mit erneuerbarer Energie | 15.5.2015 | Pankower Allgemeine Zeitung

Open Innovation Space Berlin eröffnet | 3.06.2015 | Pankower Allgemeine Zeitung

conhIT 2016 fokussiert Gesundheits-IT-Welt auf Berlin | 19.11.2015 | Pankower Allgemeine Zeitung

LOCAL MOTORS: Das Auto aus dem 3-D-Drucker | 24.11.2015 | Pankower Allgemeine Zeitung

Demnächst folgen:

„Berlin wird von unten smart!“ – Der Baustellen-Atlas als excellente Lösung & „Weltmarktprodukt“

Agenda 2030 für Wirtschaft, Innovation und Stadtentwicklung der SmartCreativeCity Berlin

5-D-Pädagogik – Wie Kinder spielerisch in eine innovative SmartCreativeCity hineinwachsen können, sich mit Kritzeln, Malen, Zeichnen, Modellieren und Inszenieren in die moderne Technologiewelt von 3-D-Druckern und dem Internet der Dinge „hineinträumen“ und „hineinüben“ können.

Innovationsstrategie: Vordenken – Kontextualisierung – Servicialisierung von Mensch-Maschine-Systemen – vor Digitalisierung. Anwendungsorientierung, Wertschöpfungs-Analyse und Entwurf für digitale Technologien methodisch optimieren.

* Anmerkung Bildrechte:
Das Titelbild wurde nach Anfrage bei der TU-Pressestelle zur Verwendung freigegeben. Auf Anfrage bei der Senatskanzlei wurde bezüglich des Titelbilds aber widersprechend auf das Landesarchiv verwiesen, das aber eine längere „Recherche“ benötigt. Smart ist das nicht! Um eine informelle Diskriminierung zu vermeiden, wurde ein Screenshot des Fotos im Auszug veröffentlicht!

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