Montag, 23. Oktober 2017
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Müllers Kieztour wurde zur Kaperfahrt

Kieztour mit Michael Müller (SPD) im Wahlkreis Tempelhof am 28.8.2016. Im Vordergrund: Heinrich Strößenreuther, der Tod fährt symbolisch mit! Foto: Initiative Volksentscheid Fahrrad

Heute ist die Kiez-Radtour des Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, von der Initiative Volksentscheid “gekapert” worden, um wichtige Fahrrad-Problemstellen im Bezirk Tempelhof per Rad abzufahren. Der Tod fuhr symbolisch mit. Fahrrad-Lobbyist Heinrich Strößenreuther hatte ein Skelett als Beifahrer auf seinem Tandem. Müller wurde von dem Coup völlig überrascht, das Foto mit einem radelnden, breit lächelnden Stadtoberhaupt und den „Tod im Nacken“ dürfte in die Annalen der Stadtgeschichte eingehen.

Kieztour mit Michael Müller (SPD) im Wahlkreis Tempelhof am 28.8.2016. Im Vordergrund: Heinrich Strößenreuther, der Tod fährt symbolisch mit! Foto: Initiative Volksentscheid Fahrrad
Kieztour mit Michael Müller (SPD) im Wahlkreis Tempelhof am 28.8.2016. Im Vordergrund: Heinrich Strößenreuther, der Tod fährt symbolisch mit! Foto: Initiative Volksentscheid Fahrrad

Die Initiative Volksentscheid Fahrrad und Strößenreuthers öffentlichkeitswirksame Aktionen setzen der Regierungspartei SPD zu. Rund 80 % der SPD-Wahlkandidaten scheinen zu befürworten, künftig mehr für den Ausbau von Radwegen zu tun, und dafür auch Parkplätze und Autospuren in Frage zu stellen. Abgeordnetenwatch hatte diese Zahl am letzten Donnerstag veröffentlicht.

Die geplante Wahlkampf Kieztour im Bezirk Tempelhof wurde zum „Urban-Hack“: knapp die Hälfte der Teilnehmer erschienen in T-shirts mit Volksentscheids-Aufdruck. Bei brütender Hitze wurden dann auch wichtige Gefahrenstellen für den Radverkehr zusammen abgefahren und diskutiert. Insbesondere die Verkehrsführung auf dem Tempelhofer Damm ist für den Radverkehr nicht tragbar.
Im Anschluss kam es zu einem kleinen Wortduell zwischen Müller und Strößenreuther, von der Initiative Volksentscheid Fahrrad: Aus “Verstetigen und Beschleunigen des Radverkehrsausbaus” (Michael Müller) wurde ein “Beschleunigen und Verstetigen” (Strößenreuther).

Forderungen nach breiten Radwegen und Fahrradstraßen erneut bekräftigt

„Unsere Forderungen im Radverkehrsgesetz nach zwei Meter breiten Radwegen und Fahrradstraßen haben auch in Tempelhof ihre Berechtigung“, so Strößenreuther „Auch Tempelhof würde gerade für Kinder und Senioren auf dem Rad sicherer werden, würde Radverkehr Chefsache werden und die SPD-Kandidaten sich auch öffentlich dafür einsetzen.

Die Umfrage von Abgeordnetenwatch hat alle Direktkandidierenden für die Abgeordnetenhauswahl zu verschiedenen Themen befragt und die Ergebnisse veröffentlicht. Einem Ausbau von Radwegen zulasten des Kraftverkehrs stimmten mehr als 80% der Kandidierenden von Grünen, Linke und der SPD zu. Lediglich AfD, FDP und CDU wollen sich der Aussage nicht anschließen.

Offengelegt; Müllers Fahrrad-Politik ohne Basis der eigenen Partei

„Dass die große Mehrheit der SPD-Kandidaten so klar Stellung bezieht, hat uns völlig überrascht“, sagte Strößenreuther am Rande der Tour. „Im Wahlkampf bekommt man davon nichts mit. Es entsteht der Eindruck, dass die Befürworter besserer und sicherer Radinfrastruktur zum Schweigen angehalten sind”.

Strößenreuther sieht Müller unter Druck, und sagte kess: „Wir sind überrascht, dass die Zahl der Radgenossen die Minderheit der Autosozen deutlich überwiegt. Bleibt abzuwarten, dass sich das auch bei dem Spitzenkandidaten herumspricht.“

Der muss nun reagieren, denn die 105.425 abgegebenen Unterschriften des Volksentscheids Fahrrad entsprechen 7 % der Wählerstimmer der letzten Abgeordnetenhauswahl. Das Radverkehrsthema ist damit möglicherweise das Zünglein an der Waage.

Weitere Informationen:

Auswertung von Abgeordnetenwatch zum Ausbau Radinfrastruktur: Link ( Frage 12 )

Detailauswertung nach Parteien

Volksentscheid Fahrrad – www.volksentscheid-fahrrad.de

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m/s