Montag, 20. November 2017
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Natur erobert Brache zurück

Natur erobert die Brachfläche zurück!

Auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofes Pankow hat die regenreiche Witterung der letzten Wochen eine Wiederbegrünung gefördert. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten erobern das im Februar planierte und aufgewählte Terrain zurück. In den von schweren Erdbaumaschinen hinterlassenen Fahrspuren und Löchern hat sich Regenwasser gesammelt. Neue Laichplätze für Amphibien sind entstanden, Mikrobiotope, die einen neuen Jahrgang aufwachsen lassen, wenn die Trockenheit nicht zu schnell zuschlägt.

Natur erobert die Brachfläche zurück!
Am Pankower Tor: Natur erobert die Brachfläche zurück!

Auch einige Naturkundler haben das Gelände zwischenzeitlich besucht, und mit neuen Kartierungen begonnen. Unter den Brutvögeln sind Feldlerchen und der überaus seltene Brachpieper gesichtet worden. Auch eine neue Erdkröten-Population baut sich auf, denn Kröten sind auch entlang der Pankeaue neu zugewandert. Auch zwei Eidechsenarten zählen zu den besonders geschützten Arten.

Die Natur sucht sich neue Lebenschancen, und die Rodung hat nun sogar Platz für neue Feuchtflächen geschaffen und sogenannte Brachland-Pionierarten geschaffen, die überaus selten sind, und sogar einige Rote Liste Arten unter den Insekten und Faltern scheinen neu hinzuzukommen.

Hat sich der Investor selbst ein Bein gestellt?

Das jahrelange Zögern des Investors, und das noch immer nicht vorhandene Planungsrecht tragen nun indirekt dazu bei, dass eine natürliche Neubesiedlung stattfindet.

Im Jahr 2011 hatte der Investor Krieger noch eine Umsiedlung der auf der roten Liste stehende Erdkröten-Population versprochen. Doch danach wendete sich das Blatt. Hatte noch im Jahr 2012 der Naturschutzbund Berlin (NABU e.V.) ein umfangreiches Biotopgutachten zur Sicherung erstellt, so wurde 2013 und 2014 für den Gutachter des NABU ein „Betretungsverbot“ vom Investor verhängt.
Dazu muss bedacht werden: der NABU ist als anerkannter Träger öffentlicher Belange nach dem Bundesnaturschutzgesetz bzw. dem Berliner Naturschutzgesetz anerkannt. Das Betretungsverbot ist schon für sich ein Skandalthema – denn der Naturschutz verpflichtet auch Eigentümer auf Privatgrundstücken zur Rücksichtnahme.

Die öffentliche Kenntnis von dem Betretungsverbot sollte offenbar geheim gehalten werden, denn die Information über den Tatbestand wurde nicht von der NABU-Geschäftsstelle, sondern von ehrenamtlichen Natürschützern aus anderen Naturschutzverbänden vermittelt, die sich als Amphibienschützer engagieren.

Da auch Rückfragen bei zuständigen Fachbehörden auf „informelle Hindernisse“ stießen, ist praktisch von wichtigen Akteuren ein „Schweigekartell“ in Gang gesetzt worden. Vor allem die in Naturschutz-Zuständigkeiten verantwortlichen Bezirksverordneten im Grünflächen-Ausschuß scheinen das Thema ausgeblendet zu haben.
Zwischen den Abteilungen Stadtentwicklung und Natur- und Umweltschutz im Pankower Bezirksamt scheint es auch eine „Planungslücke“ zu geben. Immerhin: Stadtrat Dr. Torsten Kühne hat schnell mit einem Baustopp gehandelt, und das ordnungsrechtliche Verfahren gegen den Investor in Gang gesetzt.

Neubesiedlung der Brachfläche am Pankower Tor
Neubesiedlung der Brachfläche am Pankower Tor: Bodenverdichtungen und Fahrspuren der Erdbaumaschinen werden zu Mikro-Biotopen

Dilemma: fehlendes Planungsrecht und damit fehlende Handlungsmöglichkeite im Naturschutz

Aufgrund des bisher fehlenden Planungsrechts gibt es jedoch ein „verwaltungsrechtliches Dilemma“: solange kein Planungsrecht besteht, kann auch keine naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme in Gang gesetzt werden.
Den Investor hätte dies längst zu freiwilligen, vorbereitenden Maßnahmen veranlassen müssen, denn die Brisanz des Naturschutzes wurde bisher offensichtlich als „Nebensache“ betrachtet, die sich durch „Beräumung und Erdbaumaßnahmen“ aus dem Weg schaffen lässt.

Doch das noch laufende Bußgeldverfahren gegen den Investor wegen ungenehmigter Erdbaumaßnahmen im Februar wird nun für weitere Verzögerungen sorgen. Die Natur hat praktisch ein Jahr Zeit gewonnen – und die Neubesiedlung könnte nun ganz neue naturschutzrechtliche Tatsachen und Einspruchsmöglichkeiten schaffen.

Fotos und Schutz von schützenswerten Arten

Die Redaktion hat inzwischen eine ganze Reihe von Fotos erhalten, die die schützenswerte Neubesiedlung dokumentieren. Da das Geländ ungesichert und an mehreren Stellen offen ist, werden diese Fotos nicht veröffentlicht, um die Tiere vor ungebetenen Besuchern während der Brutzeit zu schützen.

Auch hier hat eigentlich der Investor eine Verantwortung, die er durch eine Geländesicherung und ggf. durch Warnschilder wahrnehmen muss.

siehe auch:

Pankower Tor: wo Wohnen Krötenleben kostet! | 14.05.2016 | Michael Springer | Pankower Allgemeine Zeitung

Wie geht´s weiter am Pankower Tor? | 6.06.2016 | Michael Springer | Pankower Allgemeine Zeitung

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m/s