Donnerstag, 17. August 2017
Home > Kultur > Neues Denkzeichen in Buch

Neues Denkzeichen in Buch

Denkzeichen in Buch - Entwurfsansicht von Patricia Pisani

Der Kunstwettbewerb für ein Denkzeichen in Berlin-Buch in Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Zwangssterilisationen und „Euthanasie“–Morde ist durch die Jury entschieden worden. Preisträgerin ist die Berliner Künstlerin Patricia Pisani. Auf der Rasenfläche des Klinikgeländes des heutigen HELIOS Klinikums wird ein überdimensioniertes, weißes Kissen platziert.

Denkzeichen in Buch - Entwurfsansicht von Patricia Pisani
Denkzeichen in Buch – Entwurfsansicht von Patricia Pisani

Die ehemalige „Städtische Heil- und Pflegeanstalt Buch“, Bestandteil der Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Krankenhausstadt in Berlin-Buch, war zur Zeit des Nationalsozialismus einer der Ausgangspunkte für den Massenmord an geistig behinderten und psychisch kranken Menschen. Mehrere Jahrzehnte wurde dies in der Geschichte der Bucher Krankenanstalten verschwiegen.

Bezirksstadtrat Dr. Kühne: „An dem vom Bezirksamt Pankow anonym durchgeführten Einladungswettbewerb beteiligten sich acht Künstlerinnen und Künstler bzw. Künstlergruppen. Unter dem Vorsitz von Nicolaus Schmidt hat das Preisgericht einstimmig den Entwurf der Berliner Künstlerin Patricia Pisani zur Ausführung empfohlen. Standort für das Denkzeichen ist der Campus C.W. Hufeland auf dem Gelände des heutigen HELIOS Klinikums.

Die Realisierung des Denkzeichens ist für Herbst 2013 vorgesehen. Der Entwurf der Künstlerin Patricia Pisani sieht vor, auf der Rasenfläche des Klinikgeländes ein überdimensioniertes, weißes Kissen aus Kunstharz zu platzieren. Auf dem Kissen ist der Abdruck eines Kopfes zu erkennen. Die Vornamen der Opfer sind in Reliefbuchstaben auf der Oberseite des Kissens zu lesen und zu ertasten.

Mit dem Kissen entsteht ein Denkzeichen, das die Verbrechen an den Schutzbefohlenen auf vielschichtige und zugleich ambivalente Weise thematisiert. Hier wird nicht der Zeigefinger erhoben, sondern in poetischer Form eine Leerstelle markiert und ein Bezug zum heutigen Klinikstandort hergestellt. Ergänzend werden zwei Informationsträger realisiert“.

Die Künstlerin:

Patricia Pisani wurde 1958 in Buenos Aires geboren. Sie lebt und arbeitet seit 1990 in Deutschland. Nach Studium der Bildhauerei an der Academia de Bellas Artes P. Pueyrredon, Buenos Aires, Argentinien (1978-83) wurde sie Diplom Kunsterzieherin.

1990-93 begann sie eine Aufbaustudium an der Kunstakademie Stuttgart bei Prof. Inge Mahn. Danach folgten Lehraufträge für „Kunst und neuen Medien“ an der Universität der Künste, Berlin (1996-04), und an der Kunsthochschule für Gestaltung Berlin-Weißensee.
Hier führte sie das Seminare und Workshops wie z.B: „Redesign EU“ im interdisziplinaren Studiengang des KHB und „Grundlagen der Gestaltung“ an private Institute für Multimedia-Design.
2002 folgte ihre Gründung des Instituts für Identitätsstiftende Angelegenheiten. Seit 2005 ist Patricia Pisani auch Mitglied der Kommision für Kunst im öffentlichen Raum des BBK-Berlins.
Bekannt wurde die Künstlerin auch durch ihr Projekt „Meine Norddeutsche Kindheit“, in dem sie sich durch Aneignung, Interpretation, Fälschung und Neuerzählung an das Thema Identität und Heimat herangetastet und sich „Erinnerungen Dritter“ ausleiht und für die eigene Person verwendet.

Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse:

Alle eingereichten Wettbewerbsentwürfe werden vom 15.7. – 26.7.2013 in einer Ausstellung im Foyer der HELIOS – Klinik Berlin- Buch, Schwanebecker Chaussee 50, 13125 Berlin-Buch zu sehen sein.

Unterstützung und Förderer

Wesentliche Unterstützung hat das Vorhaben von Beginn an durch Bürgerinnen und Bürgern aus dem Ortsteil Buch, die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie den Bund der Euthanasiegeschädigten und Zwangssterilisierten erfahren. Für die Planung und Realisierung des Denkzeichens stehen 60.000 Euro zur Verfügung. Die Auslobung des Kunstwettbewerbs und die Realisierung des Denkzeichens werden durch Mittel aus dem Programm Künstlerische Gestaltung im Stadtraum der Senatskanzlei, Kulturelle Angelegenheiten, des Hauptstadtkulturfonds, des Bezirkskulturfonds Pankow sowie mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) in Kooperation mit der BBB Management GmbH, der Evangelischen Lungenklinik Berlin (ELK), des Immanuel Krankenhaus Berlin-Buch, der Akademie der Gesundheit Berlin/Brandenburg e.V., der HOWOGE und insbesondere des HELIOS Klinikums Berlin-Buch ermöglicht.

Weitere Informationen:

Webseite von Patricia Pisani

Helios Klinikum Buch

Save this post as PDF

m/s