Montag, 21. August 2017
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Neues vom Pankower Tor

Rundlokschuppen in Pankow-Heinersdorf Innenansicht

Absichtsbekundungen in der Stadtplanung sind politisch sehr beliebt. Am 6.10.2014 führte Kurt Krieger wieder eine Delegation über das Gelände des ehemaligen Güter- und Rangierbahnhofs Pankow.

Rundlokschuppen in Pankow-Heinersdorf Innenansicht
Rundlokschuppen in Pankow-Heinersdorf Innenansicht

Krieger brachte die frohe Botschaft mit: er will 1000 Arbeitsplätze in Pankow schaffen. Nach zehn Jahren Planung wurde auch ein neuer Rekord aufgestellt: Krieger präsentierte die nunmehr zwanzigste Planänderung. Damit liegt die Quote der Planänderungen nun bei „Zweikommanull pro Jahr“.

Stefan Strauß von der Berliner Zeitung berichtet dazu: „Rangierbahnhof Pankow: Krieger will 1000 Arbeitsplätze in Pankow schaffen – 6.10.2014 – Berliner Zeitung.

Mit dabei Fraktionsvorsitzender Raed Saleh (MdA-SPD) auf parteiinterner Wahlkampftour um das Amt des künftigen Regierenden Bürgermeisters, dazu Torsten Schneider (MdA-SPD) und Alt-Pankower Wahlkreisabgeordneter. Last, but not least: Sandra Scheeres (SPD), Schul- und Bildungssenatorin. Und natürlich Kurt Krieger, der hier auch als Pankower um sein Lebenswerk kämpft. Zum Gruppenfoto traf man sich an der roten Info-Box.

Zwei Schulen als Sperrgrundstücke

Die Pankower Sozialdemokraten haben Kurt Krieger das Versprechen abgerungen, zwei Schulen zu finanzieren. Eine Grundschule soll am S-Bahnhof-Pankow entstehen, auf einer Fläche zwischen Mühlenstraße und Berliner Straße, für 400 Schüler-Plätze.

Die größere weiterführende Schule mit 1.200 Plätzen soll am S-Bahnhof-Heinersdorf entstehen, jener Fläche, auf der einst Kurt Krieger selbst einmal zur Schule ging.

Der erste, ursprünglich geplante Schulstandort nahe dem S-Bahnhof-Pankow, dort wo im letzten Jahr der Weihnachtsmarkt platziert wurde, ist aufgegeben worden. Es stellte sich heraus: die Schule würde die städtebauliche Entwicklung der Gesamtfläche zu sehr einengen.

Sandra Scheeres ist momentan glücklich über die beiden Schulen, denn es enthebt sie scheinbar drängender Probleme bei der Anpassung der Schulplatzkapazitäten an das stete Wachstum der Schülerzahlen.

Doch die beiden Schulgrundstücke sind Standorte“, die mehr mit „Stadtentwicklungspolitik“, und weniger mit Stadtplanung zu tun haben.

Beide Grundstücke liegen auf der Achse der von Verkehrsplanern des Senats favorisierten „POW“ – der Planstraße Ost-West, die den Autobahnabzweig Pankow-Heinersdorf mit der Mühlenstraße und der Grüntaler Straße verbinden soll.

Diese Planstraße soll nach dem bisher bekundeten Willen von Pankows Stadtentwicklungspolitikern unbedingt verhindert werden.

Ob nun der Vorsitzende des Pankower BVV-Stadtentwicklungsausschuß Roland Schröder (SPD) oder der Vorsitzende des BVV-Verkehrsausschuß Wolfram Kempe die Idee mit den beiden Schulstandorten ausgeheckt haben, ist noch nicht geklärt.

Schulstandort neben der Autobahn?

Auf die Idee muß man erst einmal kommen: eine neue Schule direkt neben eine Autobahnabfahrt zu bauen, obendrein in Leelage zur Hauptwindrichtung.
In Köln-Ehrenfeld neben Autobahn A 57 steht so ein „Prachtstück“ in „Luv-Lage“ und kann dennoch wegen Lärm und Abgasen nur mit einer Lüftungsanlage betrieben werden. Die Fenster sind konsequenterweise auch nicht zum Lüften zu öffnen.
Die Frage wird sich spätestens 2016 stellen: sollte man trotzdem eine neue Schule so bauen?

Kommt die Planstraße POW doch ins Spiel?

Investor Krieger hat auch längst ein Verkehrsgutachten bei einer Münchner Planungsgesellschaft beauftragt, übrigens in enger Abstimmung mit dem Pankower Amt für Stadtentwicklung. Das Gutachten soll noch zum Jahresende vorliegen, und vorurteilsfrei die Verkehrssituation und Planung untersuchen. Ein wichtiger Schritt, der zu einer genehmigungsfähigen Planung heute zwingend dazu gehört.

Die POW wäre auch für Kriegers Pläne für einen Baumarkt und ein Einkaufszentrum problematisch, weil sich die eher schmale Grundstücksfläche des ehemaligen Rangierbahnhofs erheblich verengt und viele Zwangspunkte schafft.

Andererseits könnte die Kapazität der bisherigen Erschließungsstraßen zu knapp für Kriegers ganz große Pläne sein. Das Gutachten muß noch abgewartet werden, das Ergebnis wird mit besonderer Spannung bis zum Jahresende 2014 erwartet.

Kommunalpolitik aktuell in Pankow

Verkehrspläne und Stadtwachstum

Da Stadtentwicklungsenator Michael Müller noch viel mit Pankow vor hat, und schon weitergehende Pläne für eine neue „Parkstadt Pankow“ mit 20.000 zusätzlichen Einwohnern skizzieren ließ, könnte er auch beide „Sperrgrundstücke“ wegwischen, und die Planungshoheit an sich ziehen.

Die Prenzlberger Stimme hat die Gedankengänge dazu schon publiziert: Senat plant 5.000 Wohnungen in der Elisabethaue – 1.10.2014 – Prenzlberger Stimme.
Wenn sich diese über den bisherigen STEP-Wohnen 2015 hinausgehenden Pläne auch unter einem neuen Regierenden Bürgermeister durchsetzen, droht in Pankow ein Großkonflikt in der Stadtentwicklungspolitik.

Schon jetzt ist auch erkennbar: die beiden Schulen kommen für Sandra Scheeres um mindestens zwei bis drei Jahre zu spät. Schon vorher wachsen Schülerzahlen heran, die ein Zuwarten auf das Planverfahren Pankower Tor eigentlich verbieten.

Mach nur einen Plan … und einen 21.Plan

Kurt Krieger ist nicht nur Unternehmer, sondern auch ein sympathischer Idealist. Er will auch kostengünstigen Wohnungsbau anbieten. Doch die neu geäußerten Zahlen verringern sich. Nur noch etwa 750 Wohnungen passen in den Plan. 250 davon sollen für 5,50 € Miete gebaut werden. Der Vorsitzende des Pankower BVV-Stadtentwicklungsausschuß Roland Schröder (SPD) ging im November 2013 sogar von nur 650 möglichen Wohnungen aus, weil sonst zu dicht gebaut wird.

Neu ist nun auch Kriegers Absicht, den alten denkmalgeschützten Lokschuppen zu demontieren, und auf der gegenüberliegenden Seite neu aufzubauen.

Auch dieser Plan ist natürlich phantastisch. Der 1893 errichtete Rundlokschuppen mit seinen 60 Metern Durchmesser wird von gußeisernen Stützen und einer Stützkonstruktion getragen. Schweißfachleute würden bei dieser Idee gleich abraten – das alte Eisen kann nicht mehr neu verschweißt werden. Und eine Wiedererrichtung wäre ein „Neubau“ mit einer „nicht normgerechten Grundkonstruktion.“

Pankow kann nun getrost auf den 21. Plan der Krieger Grundstücksgesellschaft warten! Die Planungsunsicherheit in Alt-Pankow wird weiter andauern!

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m/s