Montag, 24. Juli 2017
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Nilgänse als neue Brutvögel gesichtet

Nilgans - Alopochen aegyptiacus

Es ist die 186. Brutvogelart, die in Berlin nachgewiesen wurde: die Nilgans (Alopochen aegyptiacus), einer der häufigsten afrotropischen Entenvögel wird in Berlin heimisch. Am 22. September konnte der Nachweis über den neuen Brutvogel fotografisch erbracht werden. Am Rand eines Kleingewässers im Naturschutzgebiet (NSG) Falkenberger Rieselfelder im Norden des Bezirks Lichtenbergs wurden fünf Nilgänse, darunter vier Jungvögel gesichtet.

Nilgans - Alopochen aegyptiacus
Nilgans – Alopochen aegyptiacus – Foto: Jean-Pol GRANDMONT CC BY 3.0

Die Jungvögel sind echte Berliner. Die Reste des Dunengefieders bei den Jungen zeigen, dass es sich um nicht flugfähige und damit im NSG erbrütete Nilgänse handelt. Da Nilgänse eine natürliche Lebenserwartung von bis zu 15 Jahren haben, könnte sich in den Falkenberger Rieselfeldern eine stabile Population entwickeln.

Ursprung in Afrika – Import durch Vogelliebbhaber

Die Nilgans wird seit dem 18. Jahrhundertals Ziergeflügel in Europa gehalten. Erste freilebende Brutpopulationen gab es in Großbritannien gegen Ende des 18. Jahrhunderts, die auf vierhundert bis fünfhundert Individuen begrenzt war.
Diese kleine Population freibrütender Nilgänse in England blieb bis in die 1970er Jahre weitgehend stabil. Seit den siebziger Jahren erfolgt aber eine rasante Ausbreitung von Nilgänsen von einer aus den Niederlanden stammenden, wohl durch Aussetzungen und durch entfleuchte Tiere gebildeten Population. Diese Ausbreitungswelle erfolgt entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse und hat inzwischen im Süden die Grenze zur Schweiz erreicht, im Osten über die Donau auch Österreich. Als Brutvogel ist sie aktuell auch in Belgien und den Niederlanden etabliert.

Bisher waren Brutvorkommen der Nilgans in allen deutschen Bundesländern außer Berlin bekannt. Mit 8.000 Brutpaaren ist sie nun in ganz Deutschland verbreitet. Die Nilgans gehört damit zu einer der erfolgreichsten Neozoen. Darunter versteht man Arten, die sich seit 1492 ohne oder mit menschlicher Einflussnahme in einem Gebiet etabliert haben, in dem sie zuvor nicht regional verbreitet waren.

Drohende Verdrängung anderer Vögel?

Die Nilgans gilt als besonders anpassungsfähig. Doch ob diese aggressiven Neozoen den Bestand anderer Vögel wirklich bedrohen, ist noch unklar. Ihre Größe von 60 bis 75 cm sorgt allein schon für eine körperliche Dominanz.

Die schnelle Verbreitung der Nilgans ist neben ihrer Anpassungsfähigkeit auf ihr aggressives Verhalten gegenüber anderen Tieren zurückzuführen. Die Art ist in der Brutzeit sehr territorial und vertreibt andere Entenvögel aus ihrem Revier. Dies wird zum Problem für andere Vögel und Wasservögel, denn die ilgans brütet nicht nur am Boden, in einem mit Dunen ausgepolsterten Nest, sondern auch in Baumhöhlen und auf größeren Nestern und Greifvogelhorsten in einer Höhe bis zu 20 Metern.

Ornithologen können auch von Fällen berichten, in denen Nilgänse Storchennester und sogar ein Falkennest übernommen haben. Auf dem Wasser sind nur Schwäne in der Lage, Nilgänse zu verjagen.

Es ist derzeit nicht abzusehen, wie sich der Bestand in Berlin weiter entwickelt. Gerade in Jahren, in denen umfangreiche Wasserflächen im NSG Falkenberger Rieselfelder vorhanden sind und damit viele Wasservögel zur Brut schreiten wollen, können wenige aggressive Nilgänse zu Beeinträchtigungen anderer Wasservögel führen und deren Bestände gefährden.

Anja Sorges vom NABU Berlin meint dazu: „Deshalb bedarf es einer Diskussion und naturschutzgerechten Entscheidung über die Zukunft der Nilgans in Berlin.“

Weitere Informationen:

www.nabu-berlin.de

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– Nilgänse in Pankow gesichtet? Wer sendet das erste Foto?
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redaktion@pankower-allgemeine-zeitung.de

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m/s