Freitag, 20. Oktober 2017
Home > Bezirksnachrichten > Pankow wächst –
Grundschulen vor dem Kollaps?

Pankow wächst –
Grundschulen vor dem Kollaps?

Grundschule am Kollwitzplatz

Pankow ist einer der hoch attraktiven Berliner Bezirke und steht vor einem weiteren Einwohnerwachstum. Nach neuer Prognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt wird ein Anstieg der Wohnbevölkerung um 16,3 Prozent bis zum Jahr 2030 erwartet.
Das sind rund 60.000 zusätzliche Einwohner – das entspricht einem ganzen Ortsteil wie Alt-Pankow.

Grundschule am KollwitzplatzGrundschule am Kollwitzplatz

Die Einwohnerzahl von 375.900 (2012) wird damit im Jahr 2030 auf voraussichtlich rund 437.200 Einwohner steigen.
Für den Zeitraum 2011-2020 wird allein ein Zuwachs von 39.400 Einwohnern erwartet. Das entspricht einem Bedarf von ca. 15.760 Wohneinheiten (bei jeweils 2,5 Einwohnern pro Wohnung).
Jährlich entspricht das einem Zuwachs um ca. 4.378 Einwohnern – und damit einem Neubau-Bedarf von 1.750 Wohnungen im Jahr.
Der Entwurf des Stadtentwicklungsplans Wohnen (STEP Wohnen 2012) der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt sieht ein Potential von 18.699 neuen Wohnungen in ganz Pankow – wobei allein in Buch rund 3.150 neue Wohnungen gebaut werden könnten.

Der STEP Wohnen 2012 befindet sich gerade in der stadtplanerischen Abstimmung zwischen Senat und dem Bezirksamt Pankow – das die tatsächlichen Potentiale erheblich niedriger ansetzen will. Pankow sieht aktuell nur bebaubare Flächen für rund 7.850 Wohnungen als unstrittig an. Die Differenz erklärt sich vor allem mit dem Schutz der im Bezirk vorhandenen Kleingarten-Flächen – während im STEP Wohnen 2012 auch Kleingartenflächen zur Disposition gestellt werden.

Pankow hat im Jahr 2011 einen Neubau von 1.161 Wohnungen zu verzeichnen – und ist damit bereits an der Spitze aller Berliner Bezirke bei den Neubauten.
Besonders erfreulich: Pankow ist nach wie vor für Familien interessant. Bei den über 3.000 Wohnungen, die in den Jahren 2011 und 2012 in Pankow neu gebaut wurden, wohnt im Durchschnitt aller Wohnungen ein Kind zwischen 0 und 18 Jahren. Auch das ist ein absoluter Spitzenwert in Berlin.
Der hohe Zuwachs ist aber auch eine große Herausforderung für die bezirkliche Infrastruktur und für die Finanzplanung – denn für die zuzätzlichen Einwohner müssen vor allem auch ausreichend Kita-Plätze und Grundschulen zur Verfügung stehen.

Bezirksstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD)Bezirksstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD)

„Wir freuen uns über die Attraktivität des Bezirks und den Bau neuer Wohnungen. Allerdings erfüllt es mich mit großer Sorge, dass wir nicht die Mittel haben, um die Infrastruktur gleichermaßen zu entwickeln und die Schulversorgung langfristig sicher zu stellen“, erklärt die für Schule zuständige Bezirksstadträtin, Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD).

Der Bezirk hat bereits von 2007 bis 2011 nach Kräften versucht, dieser Entwicklung Rechnung zu tragen. Durch die Eröffnung fünf neuer Grundschulen, die Umwandlung einer Schule zu einer Grundschule, zwei neue Gemeinschaftsschulen und die Erweiterung einer Grundschule sind insgesamt 8,3 neue Grundschulen mit rund 3.000 neuen Plätzen entstanden.

Doch der Bauboom läuft jetzt zu Spitzenwerten auf, weshalb diese zusätzlichen Plätze nicht ausreichen. Bis zum Jahr 2017 muss mit einem Anstieg der Zahl der Pankower Grundschüler um ca. 8.000 Kinder gerechnet werden. Dabei sind Wohnungsbauvorhaben, die jetzt im Bau, in der Planung oder nur im Kopf von Investoren sind, noch gar nicht berücksichtigt. Nur etwa 2.000 Kinder können noch in das bestehende Grundschulnetz integriert werden, der Rest der Plätze muss neu geschaffen werden.

Die Bezirksstadträtin befürchtet den Kollaps bei den Grundschulen – und fordert Unterstützung von Finanzsenat und Landespolitik für den mit 24,5 Mio. € hoch verschuldeten Bezirk Pankow.

Zürn-Kasztantowicz konstatiert: „Nach dem Kraftakt der letzten Jahre, in denen wir alle irgendwie noch verfügbaren Gebäudereserven aktiviert haben, fehlt es jetzt an allem: An Gebäuden, die man reaktivieren könnte, an Grundstücken, auf denen man bauen könnte, an Geld, um überhaupt bauen zu können sowie an Personal, um diese Entwicklung anständig begleiten zu können“.

Ergänzend fügt sie hinzu: „ Es müssen schnell realisierbare Möglichkeiten bereits für 2014 und die folgenden Jahre gefunden und umgesetzt werden. Und das ist auch möglich. Wir arbeiten mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft an einem entsprechenden Konzept. Doch eins ist klar: Der Bezirk Pankow kann dies mit eigenen Mitteln nicht schaffen. Wir brauchen die Unterstützung des Finanzsenators und des Abgeordnetenhauses bereits bei der Aufstellung des Doppelhaushaltes 2014/15. Pankows Grundschulen stehen vor dem Kollaps!“

Update vom 28.Januar 2013:
Heute reicht das Bezirksamt Pankow eine Presseerklärung nach, die den Hilferuf der Bezirksstadträtin näher erläutert und über die schwierige Lage aufklärt. Die Presseerklärung wird unkommentiert im Wortlauf veröffentlicht.

„Schulen auf Vorrat“ dürfen Bezirke nicht bauen

„Pankows Schulen stehen vor dem Kollaps“, mit dieser Pressemitteilung wandte sich die für Schule zuständige Bezirksstadträtin, Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) am vergangenen Freitag an die Öffentlichkeit. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich und oftmals von einer Unkenntnis der realen Situation der Bezirke gekennzeichnet. Bezirke dürfen keine Schulen auf Vorrat bauen, das lässt allein die Kostenleistungsrechnung nicht zu, die für die Finanzen der Bezirke die einzige Richtschur ist. Nicht benutzte Schulplätze würden nämlich sofort zu einem hohen Defizit führen, das sich kein Bezirk leisten kann, schon gar nicht ein Konsolidierungsbezirk wie Pankow. „Noch vor zwei Jahren“, so die für Schule zuständige Bezirksstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD), „wurden wir von der Senatsverwaltung für Finanzen aufgefordert Schulen zu schließen, um unser Defizit schneller abzubauen.“ Auch die Investitionsplanung ist ein völlig untaugliches Mittel, um auf solche Sprünge in der Bevölkerung zu reagieren. Jede Anmeldung für die I-Planung muss fünf Jahre bevor eine Baumaßnahme überhaupt begonnen werden darf, beantragt werden. Sie wird dann in der Regel in drei bis vier Jahresscheiben nach Ablauf der 5-Jahresfrist genehmigt. Zürn-Kasztantowicz: „Dies bedeutet, dass von der Anmeldung bis zur Fertigstellung einer Baumaßnahme, wenn alles gut geht, mindestens acht Jahre vergehen. Dies ist für unseren Bezirk ein völlig ungangbarer Weg um neuen Schulen zu errichten. Hinzu kommt, dass wir alle Anträge auf Neubau mit harten Fakten belegen müssen, mit den Ist-Zahlen der bereits geborenen Kinder und der zu diesem Zeitpunkt aktuellen Senatsprognose für den ganzen Bezirk. Vor fünf Jahren konnte deshalb der jetzige Aufwuchs mit allein mehr als 3000 Wohnungen in 2011/2012 nicht in Zahlen belegt werden.“ Weiteres Hindernis: In den letzten Jahren durften gar keine neuen Baumaßnahmen für die Investitionsplanung angemeldet. werden. Der Finanzsenator hat dies sowohl 2010, als auch 2012 unmissverständlich mitgeteilt und 2010/11 beantragte „Neubeginner“ gestrichen. Das Ergebnis des jetzigen Verfahrens kennen wir noch nicht. Eine neue vierzügige Schule gemäß jetzt geltenden Landesvorgaben kostet etwa 25 – 30 Mio. EUR, kann also nur über die Landesinvestitionsplanung realisiert werden. Bezirksamt Pankow von Berlin – Pressestelle – 28.1.2013 – 7:17 Uhr.

Liste der Grundschulen in Pankow:

Prenzlauer Berg
Bornholmer Grundschule
Carl-Humann-Grundschule
Grundschule am Kollwitzplatz
Grundschule am Planetarium
Grundschule am Teutoburger Platz
Grundschule an der Marie
Grundschule im Blumenviertel
Heinrich-Roller-Grundschule
Homer-Grundschule
Paul-Lincke-Grundschule
Schule am Falkplatz
Schule am Senefelderplatz
Schule am Senefelderplatz
Thomas-Mann-Grundschule
Turnvater Jahn-Grundschule

Weißensee
Grundschule am Weißen See
Grundschule im Moselviertel
Picasso-Grundschule
Schule am Hamburger Platz
Schule im Komponistenviertel

Blankenburg
Grundschule unter den Bäumen

Heinersdorf
Grundschule am Wasserturm

Karow
Grundschule Alt-Karow
Grundschule am Hohen Feld
Grundschule im Panketal

Pankow
Arnold-Zweig-Grundschule
Elizabeth-Shaw-Grundschule
Grundschule Wolkenstein
Klecks-Grundschule
Mendel-Grundschule
Trelleborg-Schule
PLANUNG: Schule am Pankower Tor (ab 2015-16)

Blankenfelde
Platanengrundschule

Buch
Grundschule Am Sandhaus
Evangelische Schule Buch (im Bau – Start 2013)

Französisch Buchholz
Grundschule in Französisch-Buchholz
Schule am Birkenhof
Schule am Birkenhof (Förderzentrum)

Niederschönhausen
Elisabeth-Christinen-Grundschule
Grundschule an den Buchen
Grundschule im Hasengrund

Rosenthal
Rudolf-Dörrier-Grundschule

Private Schulen
BIP-Kreativitätsgrundschule Pankow
Evangelische Schule Pankow (Grundschule)
Freie Evangelische Schule Berlin
Freie Grundschule Pfefferwerk
Freie Integrative Montessori Grundschule Pankow
Freie Naturschule im StadtGUT (Grundschule)
Freie Schule Pankow
Klax-Grundschule
Schule Eins (Grundschule)
Ting-Schule

Informationen für Eltern:
Das Internet-Angebot GRUNDSCHULE IN BERLIN zeigt die aktuellen Links zu allen Schulen an. Das Internet-Angebot zeigt jeweils auch die geografisch nächste Schule an.
www.grundschule-in-berlin.de

Save this post as PDF

m/s