Montag, 23. Oktober 2017
Home > Bezirksnachrichten > Pankower Register 2012

Pankower Register 2012

In Pankow gibt es seit 2005 das „Pankower Register“ der [moskito] Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Vielfalt. Die Netzwerkstelle ist als Projekt im Pfefferberg Verbund etabliert und wird öffentlich gefördert. Alljährlich wird eine Statistik erstellt, über gemeldete Vorfälle, bei denen das Motiv gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (Rassismus, Antisemitismus, Homophobie oder Transphobie) und / oder das einer insgesamt rechtspopulistischen, rechtsextremen bis neonazistische Einstellung war.

Im Frühjahr wird jeweils die Statistik des Vorjahrs veröffentlicht – und eine Bilanz gezogen, in der Tendenzen und Entwicklungen bewertet werden.

Auswertung des Pankower Register 2012
[moskito] Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Vielfalt registrierte für das Jahr 2012 im Großbezirk Pankow 95 Vorfälle, bei denen das Motiv gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (Rassismus, Antisemitismus, Homophobie/Transphobie) und / oder
das einer insgesamt rechtspopulistischen, rechtsextremen bis neonazistische Einstellung war. Dies ist ein auffälliger Rückgang von Vorfällen gegenüber dem Vorjahr 2011, in dem 116 Vorfälle registriert worden sind.

Entsprechend wurden 21 Vorfälle weniger als im Vorjahr registriert. Allerdings ist dies kein Grund zur Entwarnung. Denn der Rückgang ist vor allem bei Vorfällen mit rechtspopulistischen Hintergrund festzustellen.
Trotz des Rückgangs bei der Gesamtzahl der Vorfälle, kam es zu einem quantitativen Anstieg von Vorfällen mit neonazistischem Akteur/innen – die betraf vor allem Personen mit dem Hintergrund „NPD/Autonome Nationalist/innen“.

Zu den Tatmotiven
Die rückläufige Gesamt-Entwicklung mit Rückgang der Vorfälle mit rechtspopulistischen Hintergrund – bei gleichzeitiger Zunahme der Vorfälle mit neonazistischen Hintergrund – spiegelt sich auch bei den gemeldeten Motiven der Vorfälle wieder. Vorfälle, bei denen rechte Selbstdarstellung das Motiv war, gingen deutlich zurück. 2012 wurden nur 21 Vorfälle (2011: 43) registriert.

Gleichzeitig kam es zu einem auffälligen Anstieg von Vorfällen bei denen das Motiv NS-Verherrlichung war.

Insgesamt wurden 36 dieser Vorfälle dokumentiert (2011: 25). Auffällig ist der Rückgang an Vorfällen mit rassistischem Motiv. Insgesamt kam es 2012 zu 15 rassistischen Vorfällen (2011: 24).

Zu einem Rückgang kam es ebenfalls beim Antisemitismus (2012: 4, 2011: 7) und bei Homophobie/Transphobie (2012: 0, 2011: 3).
In 16 Fällen war das Motiv „Bekämpfung politischer Gegner_innen“ (Antifaschist_innen, Linke, Menschen mit alternativen Lebensweisen) zu
klassifizieren (2011: 14).

Zuordnung aller Vorfälle in Pankow zu den Tatkategorien

Die benannte Entwicklung spiegelt sich auch bei den Tatkategorien wieder. Besonders auffällig ist der Rückgang bei Veranstaltungen (2012: 6, 2011: 21). Insgesamt fanden 2012 somit 15 Veranstaltungen weniger statt als im Vorjahr. Ebenso kam es zu einem Rückgang an
Propagandavorfällen (2012: 55, 2011: 63), dies entspricht acht Vorfällen weniger als im Vorjahr. 2012 kam es zu 33 (verbalen) Angriffen, Übergriffen und Sachbeschädigungen in Pankow (2011: 31), wobei es sich bei den meisten Vorfällen um Sachbeschädigungen handelt.

Zu einer auffälligen Abnahme kam es auch bei verbalen Angriffen. Insgesamt wurden 2012 nur 5 Vorfälle von Bedrohung, Beleidigung und/oder Pöbelei registriert (2011:11). Quantitativ fanden nahezu genauso viele gewalttätige Angriffe auf Personen wie im Vorjahr statt: Gewaltdelikte (2012: 4, 2011: 5) und Körperverletzung (2012: 6, 2011: 6).
Zudem kam es zu einer massiven Zunahme an Sachbeschädigungen, 2012 wurden insgesamt 18 Vorfälle (2011: 7) registriert.

Zuordnung aller Vorfälle in Pankow zu den Tatorten

Als besonders problematisch im Hinblick auf die Tatorte ist die Entwicklung im Pankower Ortsteil Buch zu sehen. Lange Zeit war Buch ein relativ unauffälliger Ortsteil, im letzten Jahr kam es hier jedoch zu 23 Vorfällen (2011: 5). Somit ist Buch der Ortsteil mit den dritt meisten Vorfällen.
Die meisten Vorfälle wie bereits in den Vorjahren wurden im Prenzlauer Berg registriert (2012: 30, 2011:35). Auch wie im Vorjahr ist Weißensee, der Ortsteil mit den zweitmeisten Vorfällen (2012: 24, 2011: 30).
An vierter Stelle steht der Ortsteil Pankow (2012: 8,2011: 17).

Zuordnung aller Vorfälle in Pankow nach den Monaten

Bei der Verteilung der Vorfälle auf die Monate ist festzustellen, dass sich die meisten Vorfälle im Juni ereigneten (2012: 16, 2011:14). Gefolgt vom Oktober (2012: 13, 2011: 6) Juli (2012:10, 2011: 3) und August (2012: 10, 2011: 22).
Im Jahr 2011 stellte sich die Reihenfolge folgendermaßen dar: August 22 Vorfälle, Mai 18 Vorfälle und September 15 Vorfälle.

Angriffe und Übergriffe in Pankow

Insgesamt sind 15 Fälle von Bedrohung über Gewaltdelikt bis Körperverletzung in Pankow dokumentiert worden.Bezüglich (verbaler) Angriffe und Gewaltdelikte stellen die Ortsteile Prenzlauer Berg (6 Vorfälle) und Weißensee (4 Vorfälle) die Spitze dar.
Die meisten Angriffe auf Personen ereigneten sich im Prenzlauer Berg, hier kam es zu drei Gewaltdelikten und drei Körperverletzungen. In Weißensee kam es zu einer Bedrohung, einem Gewaltdelikt und zwei Körperverletzungen.
In Niederschönhausen kam es zu einer Körperverletzung. In Buch kam es zu drei Bedrohungen und zu einer Bedrohung kam es in Pankow. Insgesamt war in elf Fällen war das Motiv Rassismus Grund des Angriffs, in vier Fällen war das Motiv „Politische Gegner_in“ entscheidend.

Mehr Informationen:

www.pankower-register.de

[moskito] Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus – für Demokratie und Vielfalt
Fehrbelliner Str. 92 | 10119 Berlin

I Tel +49.30.443 71-79 I Fax 443 71-71
moskito@pfefferwerk.de I http://pankower-register.de

Save this post as PDF

m/s