Samstag, 19. August 2017
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The art of living together

Pflegeanweisungen
The art of living together

PFLEGEANWEISUNGEN - THE ART OF LIVING TOGETHER

Die Berliner Kunstszene – ein Ökosystem? Eine Ausstellung und eine Veranstaltungsreihe unternimmt einen Versuch, die Diskussion um die Überlebensbedingungen für Kunst und freie Szene auf neue Weise anzugehen. Es geht nicht nur um neue Metaphern, sondern um etwas ganz Grundsätzliches.

PFLEGEANWEISUNGEN - THE ART OF LIVING TOGETHER
PFLEGEANWEISUNGEN – THE ART OF LIVING TOGETHER – Grafik von Georg Reinhardt

Der Blick geht in den Nachbarbezirk Wedding, genauer in die Galerie Wedding. Hier stehen Pflanzen, Zimmerpflanzen als Subjekte und Objekte im Raum, und inspirieren zu einem neuen Blick:

Pflegeanweisungen – The Art Of Living Together

Eine botanische Ausstellung über koevolutionäre Prozesse in einer wachsenden Gemeinschaft kultureller Organismen in Berlin, die Bedingungen des Bodens, wo zeitgenössische Kunst produziert und präsentiert wird und (Öko) Systeme der Pflege.

A botanical exhibition on the coevolution processes between a growing community of representative cultural organisms in Berlin, the conditions of the soil where contemporary art is produced and presented, and (eco) systems of care. 

Eine Vortrags- und Diskussionsreihe begleitet die Ausstellung, die noch bis zum 24. Januar 2015 zu sehen ist.

13.1.2015 / Panel und Performances ab 19 Uhr
Bewässerungsplan – Politische Diskussion über Förderung, Transparenz und Pflegesysteme.

Zum Diskurs über Förderung, Transparenz und Pflegesysteme haben wir Vertreter von Künstlerorganisationen, der staatlichen Seite und Künstler eingeladen.

Die Podiumsdiskussion dreht sich um folgende Fragen:

∘ Who cares? Wer kümmert sich?
∘ Worauf richtet sich Ihre Pflege? Um was/wen kümmern Sie sich?
∘ Wie kümmern Sie sich? Womit unterstützen Sie?
∘ Wie haben Sie Ihr Pflegesystem erweitert?
∘ Ist Ihr Pflegesystem transparent?
∘ Wie reagieren Sie mit Ihrem Pflegesystem auf neu auftretende Bedürfnisse?

Teilnehmer Podium:
Tiny Domingos – Netzwerk freier Berliner Projekträume und -initiativen
Sandra Klöss – LAFT – Landesverband freie darstellende Künste Berlin e.V.
Dr. Ute Müller – Tischler – Bezirksamt Mitte von Berlin / Amt für Weiterbildung und Kultur
Sabine Schneider – Verein Berliner Künstler
Heidi Sill – Deutscher Künstlerbund
Dr. Ingrid Wagner – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten Berlin

Öffnungszeiten der Galerie Wedding: Mo – Sa 12-18 Uhr

Galerie Wedding | Müllerstr. 146/147 | 13353 Berlin | www.galeriewedding.de

Gibt es eine Ökologie des Menschen?

Die Kuratoren der Ausstellung haben einen Leittext geschrieben, der zugleich eine Mahnung an die Politik – vor allem an die Kulturpolitik ist. Tatsächlich steht der Berliner Kunstszene nicht das Wasser bis zum Hals, sondern sie droht auszutrocknen – weil Geld fehlt – das symbolische Nass.
Aus der Pflanzenökologie gibt es einen Punkt, der den Austrocknungsprozeß unumkehrbar macht, weil eine Pflanze ihre Regenerationskraft verliert. Der „permanente Welkepunkt“ (PWP) könnte bereits für viele Akteure, Netzwerke und Projekte erreicht sein, denn wichtige Zusagen des Senats unter Klaus Wowereit sind offen geblieben.

Zugleich führen Mieterhöhungen, Mindestlohngesetz und eine harte Sparpolitik bei der Grundsicherung zu einer brutalen Auslese, nach der Berlin im Jahr 2015 womöglich kaum noch als Ort einer freien Szene erkennbar ist.
Die 26 Mio. € Einnahmen aus der neuen „Übernachtungssteuer“ stehen insgesamt unter juristischen Vorbehalt, denn das „ÜnStG“ könnte womöglich rechtswidrig sein. Die Hoffnung auf rund 10 Mio. € für die freie Szene sind nur noch als vage zu bezeichnen.

Pflegeanweisungen - Art of living
Pflegeanweisungen – Art of living – Foto: Galerie Wedding

15 heimische Pflanzenarten sind bedroht

Die Ausstellung in der Galerie Wedding ist zugleich der Versuch, auf „15 heimischen Pflanzenarten“ aufmerksam zu machen,
die in Gefahr sind:

AbBA, Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser | KGB – Kommunale Galerien Berlin | Koalition der Freien Szene |Initiative Stadt Neudenken | Haben und Brauchen | Netzwerk freie Projekträume | LAFT – Landesverband freie darstellende Künste Berlin | Rat für die Künste | Interflugs | NGBK -Neue Gesellschaft für Bildende Kunst | NBK – Neuer Berliner Kunstverein | IGBK – Internationale Gesellschaft Bildender Künstler | BBK – berufsverband bildender künstler berlin | Deutscher Künstlerbund | VBK – Verein Berliner Künstler.

„Das Menschliche formt die Natur. Wir sind eine Gemeinschaft lebender Organismen, bestimmt durch ein Netzwerk an Interaktionen untereinander, sowie zwischen uns und unserer Umwelt. Ökosysteme werden sowohl durch externe als auch interne Faktoren gesteuert.
Durch den Nährstoftkreislauf und Energieflüsse sind wir konditioniert und miteinander verbunden und wir umgeben einen konkret limitierten Raum zum leben.
Die Bedingungen, in denen das Ökosystem zeitgenössischer Kunst in Berlin produziert, präsentiert und erhalten wird, sind die „Daseinsberechtigung“ (selbst) organisierter Strukturen, die wir in dieser Ausstellung zeigen.

Gruppen die die Wünsche von Vielen vertreten und repräsentieren. Diese Initiativen entstehen als einheimische Antwort auf das organische Wachsen bestimmter Bereiche in der Kunstszene durch den Bedarf an Repräsentation genauso wie als Reaktion aufökonomische und politische Umstände, die dieses organische Wachstum bedrohen. (Wert von Land und Boden. Privatisierung von Ressourcen und die Instrumentalisierung der Kunst dieses zu überbrückenl Zwischennutzungsprinzip).

Bei ihrer Entstehung bilden selbstorganisierte Strukturen eine Dialog-Position mit den „Externen Faktoren“ die zu ihrem Überleben beitragen: Politikmachen und Finanzierungssysteme. Je näher man an den Wurzeln des Bodens ist wo Kunst produziert
wird, in umso besserer Position sind jene Initiativen die die Bedürfnisse des Individuums zu benennen und in ein ausbalancie|1es und nachhaltiges Ökosystem zu transferieren. Die Kunst als eine gemeinschaftsorientierte Aktivität begreifend, mobilisieren. bauen und bilden diese Plattformen die öffentliche Meinung, stellen Kritik dar und nehmen die anderen in die Verantwortung der Teilhabe an der allgemeinen Aufgabe zur Wahrung des Erbes und des Wertes unabhängiger Kulturproduktionen.

Mit diesem Ziel lokalisieren sie Leerstand, formulieren Bedürfnisse und repräsentieren eine Position des Widerstands gleichermaßen wie sie neue Wege der Kultivierung mit einer Langzeitvision nahelegen.

Der bekannte Soziologe Zygmunt Bauman behauptete, dass Modernität immer von einer „dualen“ Natur charakterisiert wurde. Einerseits sah Baumann die moderne Gesellschaft charakterisiert durch das Bedürfnis nach Ordnung – das Bedürfnis die Welt zu zähmen kategorisieren und rationalisieren, sodass sie kontrollierbar und verständlich wird. Es ist jene ordnende und rationalisierende Tendenz in der Max Weber die charakteristische Kraft der Modernisierung sah.

Andererseits wird Modernität aber auch durch radikale Veränderungen geprägt, in dem man die Traditionen und die traditionellen Formen von Wirtschaft, Kultur und Beziehungen über Bord wirft. Nach Bauman ist die Postmoderne das Ergebnis des Versagens der Moderne die Welt zu rationalisieren und ihre Kapazität für konstante Veränderungen zu erweitern.

Pflegeanweisungen. The art of living together ist ein Versuch diese Debatten in der Form einer Ausstellung auüubereiten. die:
1. die wichtigsten Interessengruppen in Berlin repräsentiert.
2. die verschiedenen Ebenen von Interaktion und Wechselbeziehungen zwischen ihnen und ihrem Umfeld visualisiert.
3. die Brüchigkeit des Systems und dessen Scheitern befragt.
4. die subjektiven Wahrnehmungen wiedergibt, die durch unausgesprochene psychologische Spannungen in jenem Bedürfnis nach Ordnung hervorgerufen werden.

Der gemeinsame Leitfaden aller ausgestellter Arbeiten sind geplante Bewässerungssysteme:

Wasser als Brücke zwischen natürlichen Ressourcen und unseren subsequenten Wegen es zu rationalisieren. „Pflege“ .. den „Wertekreislauf“ und die Kartografie von transparenten Wasserspuren bereitzustellen.
Die Ausstellung wird von einem Veranstaltungsprogramm begleitet, das absteigende, aufsteigende und periphere Bewegungen aufgreift.

Nächste Veranstaltungs-Termine:

17.01.15 Collaborative Underground (C/U Berlin)
– Ein Fest der rhizomatischen Kräfte. die den kollektiven Boden der unabhängigen Kunstproduktion repräsentieren.
Wiki space mapping der kollaborativen Initiativen. open source-Party und eine Pilzsuppe.

24.01.15 Permaculture
Zu re-generativen und selbsterhaltenden Lebensräumen und alternative zukünftige Lebensformen.

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m/s