Montag, 26. September 2016
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Pointilismus im Mauerpark

Pointilismus im Mauerpark - Foto: Szenenfoto "Mauerpark" www.mauerpark.com

/// KOMMENTAR /// Der pointenreiche Film „Mauerpark“ trägt viele kleine Geschichten, die sich auch als Allegorien auf das Vorhaben der Mauerparkbebauung anschauen lassen. Jener israelische Künstler, der jeden Tag in den Park kommt, den Horizont per Fernglas abtastet und danach ganz pointierte, einzelne Pinselstriche auf die Leinwand bannt ist so ein Bild. Ist er vielleicht eine Allegorie des modernen Architekten, der seine Ideen-Tupfer auf das Grundstück des Mauerparks malt?

Pointilismus im Mauerpark - Foto: Szenenfoto "Mauerpark" www.mauerpark.com
Mauerpark als Freiluftatelier – Szenenfoto: www.mauerpark.com

Der Künstler sucht die Realität, und tupft ein Bild, das sich nach und nach auf der Leinwand zusammensetzt – und gerät dabei mit den Parkbesuchern ins Gespräch, Gespräche, die immer mehr Oberhand gewinnen. Am Ende ist der Kostenvorschuß des Galeristen aufgebraucht, und er muß sein Bild schnell fertig malen …. am Ende nimmt er seine Leinwand, und er kehrt dem Mauerpark den Rücken.

Der Pointilismus in der Malerei ist dem „Post-Impressionismus“ zuzurechnen – der seine Blütezeit genau in jener Ära erlebte, in der der einstige Exerzierplatz zum Eisenbahngelände umgewidmet wurde – dem heutigen Mauerpark.

George Seurat entwickeltde damals seinen „Punktierstil“, bei dem sich aus verschiedenen nebeneinander liegenden Farbtupfern das Bild im Auge des Betrachters erst zusammensetzte. Additive Farbmischung und optische Verschmelzung von Einzelheiten formten erst das Bild.

So etwa gelangt auch der Tatmensch und Investor Klaus Groth nun selbst in die „post-impressionistische Phase“ seines Schaffens, wird selbst zum „Maler-Investor“. Seit Eintritt in den städtebaulichen Vertrag setzt er keine neuen „Fakten“, sondern immer mehr neue „Farbtupfer“ in der Debatte, die sich offenbar zu einem Gesamtbild „Mauerpark-Bebauung“ zusammensetzen sollen.

Die dem „politischen Post-Impressionismus“ verpflichtetetn Gegner der Mauerpark-Bebauung lassen sich davon einfach nicht beeindrucken, und entfalten seit Jahren schon einen finten- und pointenreichen Kampf. Aus Investorensicht ein bunter Haufen, störend, hinderlich.

Nun ist es dem Investor offenbar zu bunt geworden, der Kragen ist geplatzt: er hat im Vorfeld eines Bebauungplanverfahrens Abmahn-Anwälte in Gang gesetzt, um die Bürgerwerkstatt zu disziplinieren.

Die pointenreiche Geschichte um die Bebauung des Mauerparks bekommt eine weitere „Groß-Pointe“ hinzugefügt: „Statt mit Bodengutachtern und Verkehrsplanern“ einen Vorhaben-Erschließungsplan einzureichen, werden „rhetorische Farbtupfer“ mit Anwaltsschreiben gesetzt.

Investor Klaus Groth begeht gemeinsam mit seinem Anwalt Dr. Klaus-Martin Groth obendrein eine farbenfrohe Indiskretion, weil man sich auf internen Schriftverkehr „Dritter“ bezieht.

Eine renommierte Großkanzlei wie Gassner, Groth, Siederer & Coll, die sich zu solchen bunten Moritaten herablässt, und obendrein frei gewählte Bezirksverordnete per Tischvorlage beeindrucken will – wer hätte sich so etwas ausmalen können?

Neues Rot im Mai

Im Mai mischte sich Rot ins Bild, richtig kräftige rote Tupfer, sozusagen „sozialdeomokratisches Urgesteinsrot“:

Die oberste sozialdemokratische „Mauerparks-Bebauungs-Lobbyistin“ aus Berlin-Mitte wurde am letzten Wochenende zur Berliner Spitzenkandidatin der SPD gekürt: Eva Högl.

Und sie hat einen prominenten Neu-Weddinger zum Nachbarn bekommen: den ehemaligen Staatssekretär, Landesminister, Ministerpräsident, Bundesfinanzminister und aktuellen Bundeskanzlerkandidaten der SPD, Peer Steinbrück.

Peer Steinbrück kann nun als ganz einfacher Bürger im weiteren Planungsverfahren seine Meinung einbringen, und als Kanzlerkandidat die Kompetenz in Sachen Wohnungsbaupolitik, sozialen Städtebau, Bürgerbeteiligung und Klimaschutz an seinem eigenen Wohnort am praktischen Beispiel mikrokosmisch exemplarisch ausprobieren.

Obendrein bekommt Peer Steinbrück hier einen Prüfstein quasi auf die Fußmatte gelegt, wie das künftige Verhältnis von „bunten Investorenträumen“ und „noch bunteren Bürgerinteressen“ in rechtskonformen, bürokratiegrauen und papierweiß dokumentierten Planungsverfahren sauber justiert werden kann.

Mauerpark: Prüfsteine und Pointen

Doch zuvor muß man sich den vielen bunten Pointen stellen, die sich um die „Mauerpark-Bebauung“ ranken und eine allparteienbunte Politik-Folklore antreiben:

  • War es klug, eine städtebauliche Erholungsachse und Klimaschutzfläche für eine Bebauung anzuvisieren?
  • War es klug, dabei auch noch geltende, langfristige Planungs- und Rechtsziele in Frage zu stellen, bis hin zun Flächennutzungplan?
  • War es klug und rechtskonform, einen städtebaulichen Vertrag trotz Koppelungsverbot VOR einem Bebauungsplanverfahren zu unterzeichnen?
  • War es klug und rechtskonform, für das vertragliche Nichtgelingen staatlichen Schadensersatz zu gewähren?
  • War es klug und ökonomisch sinnvoll, ohne Verkehrs- und Erschließungsplan einen städtebaulichen Entwurf zu verfassen?
  • War es klug und sinnvoll, ohne Wegerechte und nachbarschaftliche Zustimmung in einen städtebaulichen Vertrag einzutreten?
  • Ist es klug, praktisch ohne genehmigungsfähige Erschließung ein Bebauungsplan-Verfahren zu starten?
  • Ist es klug, dies obendrein auch noch mitten im Bundestagswahlkampf zu versuchen?
  • Ist es klug, Rechtsanwaltshonorare vor Planungshonoraren für Verkehrsplaner und Bodengutachter auszugeben?
  • Ist es klug, ein vereinfachtes Bebauungsplanverfahren nach §13 BauGB zu versuchen, wenn dem Vorhaben die einfache Erschließung fehlt?
  • Ist es klug, wenn ausgerechnet sozialdemokratische Amtsträger so ein „Bauvorhaben“ gegen langjährig erstrittene und erkämpfte Planungsabsichten ihrer sozialdemokratischen AmtsvorgängerInnen durchsetzen wollen?
  • Ist es klug, in einer Hauptstadt auf Planungssicherheit zu verzichten, wenn man glaubwürdig um neue Nachhaltigkeitsziele wirbt?

Es wird langsam zu bunt:

Das sich bietende allzu bunte Bild der Pointen, Rechtsverstöße und „Dinge die man einfach nicht tut“, setzt sich inzwischen zu einem noch nie dagewesenen Gesamtkunstwerk politischer Ökonomie und „städtebaulicher Planung in Berlin“ zusammen.

Wie „betongold-bunt“ geht es obendrein in den Köpfen von Stadtentwicklungssenator, Staatsekretär für Stadtentwicklung und Bezirksstadtrat in Mitte zu, die ein derartiges „Mauerpark-Planungstheater“ als Festivaldirektoren, Intendanten und Regisseure für den Investor noch in Gang halten?

Wie farbenfroh ist vor allem ihr Rechtsstaatsverständnis, wenn man Grundsätze des Verwaltungsverfahrengesetzes bricht, und fiskalisch begünstigenden Schadensersatz aus öffentlichen Kassen einer hoch verschuldeten Stadt noch VOR planungsrechtlicher Sicherheit und Planreife gewährt?

Szenenwechsel, wir sind wieder im Mauerpark-Film:

Rentner im Mauerpark
Renter beim Sonnenbad – Szenenfoto www.mauerpark.com

Ein Rentner sitzt im Mauerpark und sonnt sich, gibt ein wenig aus seinem Leben Preis … . Er nimnt eine weiße Wassersprühflasche und benetzt sich mit Wasser. Er macht sich „nass“, um seine Sonnenbräune zu intensivieren – und setzt nebenbei einen unvergeßlichen filmischen Farbtupfer in der unendlichen Mauerparkgeschichte.

Der Pointilismus im Mauerpark wirkt: Farbtropfen des Künstlers, die Farbtupfer des Investors und der Politik und die sonnenbräunenden Wassertropfen vermischen sich zu einer wunderbaren Allegorie.

Der Mauerpark ist längst zur „Mischpalette der Republik“ geworden -auf der unser aller Zukunft entworfen wird.

Sonnenbräune, politische Kunst, Investoren-Blütenträume, allparteienbunte Politik, bunte Moritaten und farbenfroher Bürgerwiderstand vermengen sich zum „buntesten aller Theaterstücke“. Doch alles trocknet in der Sonne ab.

Der Künstler im Film nimmt, nachdem die Farben getrocknet sind, seine Leinwand und entschwindet aus dem Park.

Der Mauerpark bleibt unverändert grün – und er selbst hat sich mehr unterhalten, als gemalt! Seine Ideen und Erfahrungen aber trägt er mit, aus dem Mauerpark in die große Welt. m/s

Weitere Information:

mauerpark – der film: www. mauerpark.com

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m/s