Donnerstag, 14. Dezember 2017
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digitale Nachwuchsmisere

Polizei Berlin:
digitale Nachwuchsmisere

Polizei Berlin sucht BewerberInnen

Am 16.November 2014 meldete die Pressestelle des Polizeipräsident in Berlin, das Online-Bewerbungsportal der Polizei Berlin werde ab 1. Dezember geöffnet.

Darin wurde auch die geplante Zahl der Neueinstellungen veröffentlicht:

„Interessierte haben vom 1. Dezember 2015 bis zum 31. Januar 2016 wieder die Möglichkeit, sich für eine Ausbildung bei der Polizei Berlin zu bewerben.
Eingestellt werden insgesamt 264 Anwärter/innen im mittleren Dienst der Schutzpolizei, darunter auch Lebensältere (30 bis 39 Jahre), 180 Anwärter/innen im gehobenen Dienst der Schutz- und 90 im gehobenen Dienst der Kriminalpolizei. Bei erfolgreicher Absolvierung des Einstellungstests sowie der ärztlichen Untersuchung beginnt die Ausbildung am 1. September 2016 (mittlerer Dienst) bzw. am 4. Oktober 2016 (gehobener Dienst).
Bewerber/innen für den gehobenen Dienst der Schutzpolizei können im Bewerbungsbogen vermerken, dass die Bewerbung auch für den mittleren Dienst berücksichtigt werden kann. Bei Bewerbungen für die Kriminalpolizei kann der Wunsch angegeben werden, auch für den gehobenen Dienst der Schutzpolizei berücksichtigt zu werden.“

Auch die Einstellungsvoraussetzungen der Polizei Berlin werden detailliert aufgeführt:

Deutsche/r oder Staatsangehörigkeit eines Mitgliedslandes der EU
(für Angehörige anderer Nationalitäten gelten Sonderregelungen – einfach bei unserer Berufsinfo nachfragen),
– Bekennung zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung,
– Fahrerlaubnis muss spätestens während der Ausbildung erworben werden,
– Nachweis über die Fähigkeit, mindestens 200 Meter zu schwimmen,
– Mindestgröße 160 cm (Frauen) bzw. 165 cm (Männer),
– die Einstellungsprüfung bestehen,
– bestandene ärztliche Tauglichkeitsuntersuchung,
– einwandfreier Leumund,
– keine mit Sommerkleidung sichtbaren Tätowierungen

Zusätzlich mittlerer Dienst der Schutzpolizei:
– mindestens erweiterte Berufsbildungsreife,
– 16 bis 29 Jahre alt,
– lebensältere Bewerber/innen (30 bis 39 Jahre) mit abgeschlossener Berufsausbildung und zweijährige hauptberufliche Tätigkeit

Zusätzlich gehobener Dienst der Schutz-/Kriminalpolizei:

– mindestens die Fachhochschulreife oder gleichwertig,
– maximal 31 Jahre alt.

Spannend wird es bei den Details und Ausnahmeregelungen, die auf dem Bewerberportal zu finden sind:

In der Pressemeldung steht unten ein Link:

Details und Ausnahmeregelungen finden Sie hier. Dieser Link führt auf das Bewerberportal der Polizei Berlin mit dem Titel: „Polizist/Polizistin werden“ der zuständigen zuständigen Abteilung:

Polizeipräsident in Berlin
Werbung und Einstellung
– PPr St SE C 21/22 –
Keibelstraße 36
10178 Berlin

Hier wird das Bild einer modernen Hauptstadtpolizei für künftige Bewerber beschrieben:

„Als moderne Hauptstadtpolizei stellt sich die Polizei Berlin den vielschichtigen Anforderungen einer multikulturellen Weltmetropole. Dazu gehören Großveranstaltungen, wie zum Beispiel Demonstrationen, Sportveranstaltungen, Staatsbesuche und Straßenfeste. Auch das alltägliche Zusammenleben der Bürgerinnen und Bürger stellt die Polizei vor immer neue Herausforderungen. So unterschiedlich und facettenreich die Menschen in dieser Stadt sind, so abwechslungsreich ist auch der Beruf einer Polizeibeamtin bzw. eines Polizeibeamten.“

Ermutigend ist auch der Hinweis auf Praktikumsstellen:

„Darüber hinaus bietet Ihnen die Polizei Berlin die Möglichkeit zur Teilnahme an Schüler-, Studenten- und Berufspraktika sowie Hospitationen.“

Der umfangreiche und lesenswerte Text findet jedoch einen unerwarteten und jähen Abschluß:

„Derzeit werden keine Bewerbungen mehr angenommen. Der nächste Einstellungstermin ist voraussichtlich der 1. September 2016 für den mittleren Dienst der Schutzpolizei und der 4. Oktober 2016 für den gehobenen Dienst der Schutz- bzw. Kriminalpolizei . Der Bewerbungszeitraum hierfür wird voraussichtlich ab Dezember 2015 beginnen.

Auch auf einer eigens für die Nachwuchswerbung angelegten Twitter-Seite der Polizei Berlin hat sich seit dem 1. Juni 2014 nicht getan, als für Frau Kulli der Link auf das Bewerberportal veröffentlicht wurde.

Tapfere Polizistenanwärter gesucht?

Das Bewerberportal sieht auch ganz anders aus, als die Pressemeldung und die Webseiten von Berlin.de vermuten lassen, hier der vollständige Link:

https://www.hrd-portal.de/polizei-berlin/custom/polizei-berlin/register.jsp

Es könnte tatsächlich die Berliner Polizei sein, die hier die Dateneingabe-Maske beauftragt hat. Aber: wir haben es hier mit einem ungeklärten Fall von Outsourcing zu tun, vor dem mögliche Bewerber nicht gewarnt werden.

Vorsicht! Datenschutzfrage ungeklärt!

Wie sieht es mit der Internet-Domain aus? Wer steht hinter der Adresse www.hrd-portal.de ?

Eine Abfrage bei DENIC verweist auf einen Herrn Andreas Frintrup bei einer HR Diagnostics AG in der Koenigstr. 20 in 70173 Stuttgart.

Kommentar

Eigentlich sollte ein hilfreicher, positiv gestimmter Hinweis auf das neue Bewerbungsportal der Berliner Polizei veröffentlicht werden. Doch nun ist ein „Fall“ daraus geworden! Für den Datenschutzbeauftragten des Landes Berlin, für den Polizeipräsidenten von Berlin, für die Pressestelle und Internet-Redaktion der Polizei – und natürlich für das Büro des zuständigen Innensenators Frank Henkel, der jetzt die veröffentlichten und internetöffentlichen Informationen einer neuen Inhaltskontrolle und Aufräumaktion unterziehen lassen muss.

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m/s