Donnerstag, 19. Oktober 2017
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Post-Postdemokratie

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Ein neuer Begriff wurde geprägt, der als Beschreibung für die aktuelle Lage in Europa taugt. Geord Diez hat den neuen Begriff in seiner Kolummne geprägt, in der er ein verlorenes Europa beklagt:

S.P.O.N. – Der Kritiker: Die Heimat, die Europa war
Eine Kolumne von Georg Diez | SPIEGEL Online | 1.11.2015 – Link

Diez klagt an: „Europa rühmt sich seiner Werte. Doch welche sind das eigentlich? Demokratie etwa? Wohl kaum, wenn man sieht, wie über den gesamten Kontinent hinweg Grundrechte geschwächt und Wählerwillen ignoriert werden.“

Was ist Postdemokratie?

Der Begriff der Postdemokratie stammt vom britischen Politikwissenschaftlers Colin Crouch, definiert die idealtypische Postdemokratie folgendermaßen:

… „ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden […], in dem allerdings konkurrierende Teams professioneller PR-Experten die öffentliche Debatte während der Wahlkämpfe so stark kontrollieren, daß sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur über eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgewählt haben.

Postdemokratie wurde als Begriff seit den 1990er-Jahren in den Sozialwissenschaften vermehrt verwendet, um eine aktuelle generelle Veränderung demokratischer Systeme zu erfassen. Grundthese ist, dass es einen Rückbau tatsächlicher politischer Partizipation gibt zugunsten einer lediglich demonstrierten Demokratie, in dem z.B. Wahlen zu einem im Wortsinn formalen und tatsächlich folgenlosem Verfahren werden.

Steigerungsform: PostPostdemokratie

Diez hat nun die Steigerungsform der PostPostdemokratie formuliert, und spielt damit auf die historisch letztmögliche Form der Demokratie an: „ein Gemeinwesen, in dem nicht mehr die Werte der Demokratie gelten, sondern die der Finanzwirtschaft. Nicht mehr der Willen der Wähler zählt, sondern die Interessen der Banken.

Literaturhinweis:

Colin Crouch: Post-Democracy, Oxford 2004,
deutsch: Postdemokratie, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-12540-3.

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m/s