Montag, 11. Dezember 2017
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Problem Homer-Grundschule doch lösbar?

Schüler der Homer Europaschule im Winter 2013

Die Situation um die Fortführung der Homer Europaschule in Pankow ist noch offen. Stefanie Remlinger (MdA Bündnis 90/Grüne) hat sich ausführlich im Berliner Abgeordnetenhaus für die SchülerInnen und Eltern eingesetzt. In der letzten Woche, einen Tag nach der Bezirksverordnetenversammlung am 21.5.2014 erreichte ein Beitrag mit ihrer aktuellen Einschätzung die Redaktion.

Schüler der Homer Europaschule im Winter 2013
Schüler der Homer Europaschule im Winter 2013 – Foto: Homer Elterninitiative

Stefanie Remlinger: Probleme mit der Einzügigkeit lösbar

Stefanie Remlinger hatte bereits im Dezember 2013 eine Kleine Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus gestartet und auch bald Antwort erhalten.

Die Drucksache 17 /13 017 „Kleine Anfrage der Abgeordneten Stefanie Remlinger (GRÜNE) vom 17. Dezember 2013 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 20. Dezember 2013) und Antwort zur Zukunft der Griechischen Europaschule(n) hatte zum Ziel, die Lage der Europaschulen einmal grundsätzlicher zu betrachten und Auskunft über bislang schlecht kommunizierte Planungen zu erlangen.

Insbesondere den Probleme mit der Einzügigkeit der Schulen galt das Augenmerk, das für die betroffenen Familien unzumutbare Härten und sogar Umzüge bedeuten würde.

Stefanie Remlinger (MdA Bündnis 90/Grüne)
Stefanie Remlinger (MdA Bündnis 90/Grüne)

In den vergangenen Wochen ist in Zusammenarbeit mit den Eltern, der BVV und der Grünen Fraktion aus dem Abgeordnetenhaus viel um den griechischen Europaschulzweig (SESB) an der Homer-Grundschule diskutiert worden.

Nach vielen Gesprächen und Interventionen ist Stefanie Remlinger jetzt optimistischer: “ Die Probleme sind lösbar! – „Wir loten die letzten Möglichkeiten bei der Senatsverwaltung aus!“ – so lautete ihre aktuelle Einschätzung vom 22. Mai 2014.

Einzügigkeit ein dünnes Argument

Die Senatsverwaltung hatte wie berichtet beschlossen, den SESB-Zweig an der Homer-Grundschule mit Beginn diesen Schuljahres zu schließen und den Familien anzubieten, stattdessen an die Athene-Grundschule im Bezirk Steglitz-Zehlendorf zu gehen.

Als Hauptargumente gelten die geringe Auslastung des SESB-Angebots mit nur einer Klasse pro Jahrgang, also die sogenannte Einzügigkeit. Außerdem habe der Bezirk den Raumbedarf geltend gemacht.
Die Informationslage wurde jedoch unzureichend vermittelt: Nach Angabe der Senatsverwaltung seien diese Überlegungen bereits 2011 mit dem Bezirksamt und dem Schulleiter kommuniziert worden, da eine Verfügung verabschiedet wurde, die perspektivisch alle einzügigen SESB-Angebote abschaffen und umlagern möchte, wie in der o.g. Drucksache KA 17/13017 geantwortet wurde.

Im letzten Jahr 2013 fiel dann die Entscheidung zur Verlagerung, da die strukturellen Bedingungen an der Athene-Grundschule dies möglich machten. Allerdings waren es zu dem Zeitpunkt nur noch drei Wochen bis zur Anmeldefrist für die Grundschulen. Die Eltern der Homer-Grundschule fielen aus allen Wolken. Einige von ihnen waren extra nach Pankow gezogen, um das Europaschul-Angebot wahrnehmen zu können oder haben sich schon lange im Bezirk eingelebt und wollten nun zukünftig das Geschwisterkind beim SESB-Zweig anmelden.

Der überraschend geplante Wegfall des SESB-Angebots hätte die die Eltern vor eigentlich unlösbare Entscheidungen gestellt:

– entweder nach Steglitz-Zehlendorf umzuziehen,
– den überaus langen täglichen Fahrtweg zu organisieren,
– oder sich sich nach einer anderen adäquaten Schule mit einem Griechisch-Angebot umzuschauen,
– oder ein privates, außerschulisches Angebot wahrzunehmen.

Sechs Wochen vor Schuljahresbeginn waren auch für so grundlegende Entscheidungen denkbar zu knapp sind, und das sahen zumindest auch die BVV Pankow und der Bezirkselternausschuss so. Es wurde versucht, den Kommunikationsfehler auszubügeln und die Verlagerung wenigstens um ein Jahr zu verschieben.
In dieser Zeit sollte nach Alternativen gesucht werden, um zumindest ein Griechisch-Angebot an der Schule einzurichten und den Eltern die zeitliche Chance zu geben, die Einschulung ihrer Kinder entsprechend vorzubereiten.

Senatsverwaltung lehnte zuerst ab

Die Senatsverwaltung lehnt zunächst auch nur eine Verschiebung weiterhin kategorisch ab. Doch in der letzten Sitzung des Bildungsausschusses am 15.5.2014 im Abgeordnetenhaus wurde Schulsenatorin Sandra Scheeres (MdA-SPD) von Stefanie Remlinger noch einmal mündlich zu dem Thema befragt, und plötzlich klang die Senatorin jedoch versöhnlicher.

Sandra Scheeres gestand ein, dass bei der Kommunikation mit den betroffenen Familien Fehler gemacht worden seien. Sie wollte zwar daran fest halten, dass Schulen mindestens zwei Klassen pro Jahrgang haben sollten, musste jedoch einräumen, dass die diesbezüglichen schulorganisatorischen Probleme lösbar sind.

In Praxis bedeutet es konkret: für die Aufrechterhaltung des Griechisch-Zweiges ander Homer-Grundschule wird praktisch nur eine Vollzeit-Stelle eines Lehrers benötigt.

Außerdem sagte die Schulsenatorin zu, ihren Beschluss noch einmal zu überdenken, wenn der Bezirk seine Meinung ändere und nicht mehr die unmittelbare Raumnot geltend machte.

Mit dem BVV-Beschluss vom 21. Mai (siehe Drucksache VII-0677) haben die Pankower Bezirksverordneten nun die Voraussetzung für eine neue Entscheidung geschaffen.

Die Senatsverwaltung wird nun ausdrücklich nochmals um die Verschiebung der Schließung gebeten, um Zeit zu gewinnen, eine andere Lösung zu finden und die Europaschule erhalten zu können.

Ausblick auf den 12. Juni 2014

Man darf gespannt sein, ob die Senatorin Wort hält und ihre Entscheidung tatsächlich noch einmal überdenkt. Bis zum 12. Juni sollte sie eine gute Antwort gefunden haben. Denn dann steht das Thema Homer Grundschule auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erneut auf der Tagesordnung des Bildungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus.

„Noch ist das letzte Wort Griechisch in Pankow also nicht gesprochen und der Kampf für den Erhalt der kulturellen Vielfalt auch in stürmischen Schulentwicklungszeiten nicht verloren,“ sagte Stefanie Remlinger.

Was Homer heute zum dem Drama sagen würde, wissen wir nicht.

Aber ein altes Homer-Zitat mag nun der Schulsenatorin in den Ohren klingen: „Ist auch dein Kreis unscheinbar, eng und klein, erfülle ihn mit deinem ganzen Wesen, bestrebe dich, ein guter Mensch zu sein.“ m/s

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m/s