Montag, 24. Juli 2017
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Vier Haftbefehle vollstreckt

Rezept- und Abrechnungsbetrug:
Vier Haftbefehle vollstreckt

Medikamente und Geld

Betrug und Abrechnungsbetrug um Gesundheitswesen gehören zu den umsatzträchstigsten Deliktarten, die Verbrechen wie Bankraub mit Millionen-Schadenssummen längst übertreffen. Die scheinbare Mühelosigkeit des Medikamenten- und Abrechnungsbetrugs hat aber längst die Aufmerksamkeit der Polizei und Kriminalpolizei, sowie der Kontrolldienste von Krankenkassen, Medizinischen Dienst und der Versicherungsträger und Justiz geweckt. Der Ermittlungsdruck und die Aufklärungsquote steigen.

In Berlin hat die Polizei nun einen gewichtigen Erfolg zu vermelden, der durch monatelange stille Ermittlungen möglich wurde.

In einer gemeinsamen Meldung Polizei und Staatsanwaltschaft Berlin wurde der Erfolg berichtet: „Fälschungen von Rezepten und Abrechnungsbetrug – Vier Haftbefehle vollstreckt.“

„Beamte des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft Berlin durchsuchten am 7.7.2017 20 Wohn- und Geschäftsräume in Berlin und Brandenburg und vollstreckten vier Haftbefehle.

Monatelange intensive Ermittlungen gegen eine mutmaßliche Bande von elf Personen, zehn Männer und eine Frau im Alter von 31 bis 64 Jahren, davon fünf Apothekern, führten zu den heutigen Maßnahmen.

Hohe Schadenssumme im Millionen-Bereich

Den Tatverdächtigen wird vorgeworfen, Rezepte für sehr hochpreisige Arzneimittel gefälscht und durch mehrere Apotheker bei den Krankenkassen zur Bezahlung eingereicht zu haben.

Der mutmaßliche Schaden pro Rezept lag bei durchschnittlich 15.000 Euro. Nach bisherigen Erkenntnissen konnte der verdächtigen Gruppe ein Schaden von 3,1 Millionen Euro zugeordnet werden.

Bandenkriminalität mit Apotheker-Wissen

Die Ermittler gehen von einem weitaus größeren Schaden aus, da nach den bisher gewonnenen Erkenntnissen die Tatverdächtigen seit etwa zehn Jahren aktiv sein sollen. Bei dem mutmaßlichen Kopf der Bande handelt es sich um einen einschlägig vorbestraften 54-jährigen Apotheker und seine 31 Jahre alte Lebensgefährtin. Beide leben in Bulgarien und sollen lediglich nach Berlin gekommen sein, um weitere Taten zu begehen bzw. diese zu organisieren.

Spezialeinsatzkräfte nahmen das Paar am 7. Juli morgens in einem Hotel in Treptow fest. Den Beiden sowie zwei 45 und 54 Jahre alten mutmaßlichen Mittätern wurden nach am selben Tag Haftbefehle verkündet.

Prävention und Tätermuster

Für die Prävention und Vorbeugung ist das Feld des Rezept- und Abrechnungsbetrugs bisher kaum durchschaubar. Vor allem durch falsche Identitäten und Gruppen- und Familienzusammenhänge lassen sich vielfältige Betrugsformen entwickeln. Gefälschte Rezepte sind in der Regel durch Nachkontrollen zu entdecken, weil die „Patienten“ in der Abrechnung der Krankenkassen „fehlen“, oder „auffällig“ werden.

„Falsche Kranke“ mit gefälschten Attesten können z.B. zum Dauerlieferanten von Medikamenten werden, die teuer auf dem Schwarzmarkt verkauft werden.

Gefälschte Medikamente

Gefälschte Medikamente aus Apotheken und im Internethandel haben inzwischen auch die EU-Kommission alarmiert. Auch der Vertrauensberuf „Apotheker“ gerät inzwischen ins Wanken. So ermitteln Staatsanwaltschaften gegen über 100 Apotheker, die Krebsmedikamente billig im Ausland eingekauft haben, in der Zubereitung Verdünnungen hergestell und zum Normalpreis verkauft haben. Von 22.000 Apothekern bundesweit haben 300 die Zulassung für die Herstellung von Krebsmedikamenten, sodass ein Drittel der lizensierten Apotheken im Zwielicht stehen (siehe auch: BILD: Staatsanwalt ermittelt gegen 100 Apotheker).

Für Patienten und Kranke gilt daher: Achten sie auf vertrauensvolle Beratung und kaufen Sie beim „Apotheker Ihres Vertrauens“ ein, der in guten Kontakt zu ihren Ärzten, Behandlungszentren und Kliniken steht.

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