Dienstag, 17. Oktober 2017
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Schifffahrt & Stacheldraht sind kein Geschäft

LÉ Eithne (P31) - Patrol Vessel

/// Kommentar /// – Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat heute in der Flüchtlingskrise die richtigen Worte gesagt, um die CDU und auch die Deutschen auf den richtigen Kurs einzustimmen. In der konkreten „Flüchtlingspolitik“ haben sich jedoch die Kritiker Gehör verschafft. Es sind längst Maßnahmen zur Begrenzung der Flüchtlingsbewegung in Gang gesetzt. In der Frage der Abschiebung drohen nun zum Teil völlig inhumane individuelle Massnahmen.

LÉ Eithne (P31) - Patrol Vessel
Irish Naval personnel from the LÉ Eithne (P31) rescuing migrants as part of Operation Triton – Foto: CC BY 2.0

Die Maßnahmen zur Begrenzung der Zuwanderung sind jetzt neu auf dem Tisch der EU abgeladen, die nun über ein verschärftes Grenzschutz-Regime und eine verstärkte FRONTEX-Küstenwache zu entscheiden hat.

Sind Deutschland und Europa auf dem richtigen Weg?

Doch ist das der richtige Weg? Soll nun im großen Stil in Küstenwachschiffe, FRONTEX-Kommandos und in Stacheldraht an den EU-Außengrenzen investiert werden? Gibt es keinen anderen Weg? Ist es unausweichlich, sich der Flüchtlingsfrage so zu stellen, indem man Flüchtlinge abwehrt, sie zwangsweise in Lager einweist und wieder in die sicheren Staaten zurückschickt?

Gewaltige Flüchtlingszahlen sind auch eine Chance

Es gibt diese uralte Verkäufergeschichte, vom Schuhverkäufer der nach Afrika entsendet wurde, um ein Geschäft aufzubauen. Er kam völlig frustriert zurück: „Keine Geschäft zu machen: alle laufen Barfuss!“ – Sein Nachfolger aber sollte schon eine Fabrik bauen, denn er erfragte die Menschen, und bekam ihre Wünsche zu hören: „Wie wollen nicht immer nur barfuss laufen!“

Wir dürfen uns nicht über die flüchtenden Menschen stellen und über sie denken, was sie brauchen könnten, wie wir sie „integrieren“ können.

Es ist richtiger, in ihnen unsere Freunde, Partner, Kunden und Geschäftspartner zu sehen – und mit ihnen den guten alten Kapitalismus mit einem sozialen und fairen Antlitz weiter zu entwickeln. Fairer Handel ist Pflicht, und soziale Standards auch – wenn wir nicht immer neue Menschen in Afrika in „Fluchtzustand“ versetzen wollen.

Und wenn sie kein Geld und keine Arbeit haben, dann müssen eben auch Bausparkassen, Kredite und Arbeitsmöglichkeiten mit geschaffen werden!

Auch wir müssen uns dabei qualifizieren, denn fairer Handel ist eine Verhandlung auf Gegenseitigkeit, bei der wir auch bisher mißratener Praxis selbst entsagen müssen.

60 Millionen Flüchtlinge sind eine Aufgabe für soziale Marktwirtschaft

Aktuell sind rund 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Sie flüchten vor Krieg, Bürgerkrieg, Religionskrieg und Hunger. Und es gibt auch „Chancensucher“, die zu uns kommen, um ihre in der Heimat verbliebenen Familien von Ferne mit Geld zu versorgen. Wir sollten zusammen mit den „Chancensuchern“ und den „Bildungs-Suchern“ nach gemeinsamen Chancen suchen, auch Qualifizierung und Beschäftigungschancen entwickeln.

60 Millionen Flüchtlinge – das ist der Bedarf für 60 neue Millionenstädte!

Seit dem europäischen Mittelalter haben es Kaufleute und Händler geschafft, über weite Distanzen Geschäfte zu unterhalten und zu entwickeln. Inzwischen ist vor allem Deutschland Exportweltmeister und wichtiger Partner für wirtschaftliche Entwicklung. In der laufenden Offensive internationaler Entwicklungszusammenarbeit laufen aktuell fast 7.000 Projekte. Es werden immer mehr. Eine Riesenchance baut sich auf.
60 neue Millionenstädte und zugehörige ländliche Zonen müssen nachhaltig entwickelt werden, damit die Bewohner vor Ort Wasser, sichere Behausungen, Nahrung und Lebenserwerb finden. Eine gewaltige Aufgabe, eine Herausforderung an technische, wirtschaftliche Intelligenz – die bewältigt werden muss.

Die noch größere Herausforderung baut sich weltweit auf, weitere 200 Millionen potentielle Klimaflüchtlinge sind schon auf den ökologischen Landkarten und Experten-Radars abgeschätzt worden. Der Kampf um das Überleben in den relativ stabilen Zonen muss gewonnen werden, bevor sich diese großen Welle der Klimaflüchtlinge in Gang setzt. Die Zeit drängt.

Flüchtlinge in Ungarn überwinden Natodraht
Flüchtlinge in Ungarn überwinden Natodraht – Foto: Screenshot YouTube

Der Betreuungsstaat in unseren Köpfen muss überwunden werden!

Stacheldraht und Küstenwache sind kein Geschäft, sie schaffen keine nachhaltige Perpektive. Wir selbst müssen uns für die neuen Herausforderungen der Menschheit qualifizierenm, und und aus unseren bürokratischen Perspektiven lösen:

1 Million Flüchtlinge sind kein „Flüchtlingsproblem“, sondern ein „Beherberungs- und Ansiedlungsproblem“! – Vor allem sind sie für uns eine unendliche Peinlichkeit, wenn wir bei allem Reichtum kein guter Gastgeber sind, bevor die Flüchtlinge uns erzählen, was sie sich wünschen, und tun möchten.

Statt immer neue bürokratische Ideen und Kontroll-Systeme zu entwickeln, müssen wir den Mangel an Ideen für Produkte, für Handel und Zusammenarbeit überwinden. Denn wir können nicht auf Dauer eine „ehrenamtliche Volkswirtschaft“ in Gang halten, die jeden Monat mehr als 1,5 Milliarden Euro kostet.

Wir sollten Flüchtlingen auch nicht mit „Integrationspflichtgesetzesentwürfen“ in der Flüchtlingsunterkunft bedrängen – denn zuerst haben wohl alle den Wunsch, freiwillig die Provisorien zu überwinden.

Schifffahrt und Commercien

Schon Friedrich der Große wußte es kurz und bündig zu sagen: „Schifffahrt und Commercien sind die führnehmsten Aufgaben des Staates“ – und meinte damit die Aufgabe, Wirtschaft durch Regierungskunst voranzutreiben.

Wenn es stimmt, dass nur jeder 50. Zuwanderer Arbeit in unseren hochqualifizierten Arbeitsplätzen findet, dann müssen wir auch über einfachere Arbeit nachdenken, und über neue Systeme und Produkte, die vielleicht bei uns nur zusammengesetzt werden – und dann exportiert werden. Ideen sind gefragt! Auch manche einfachen Handwerker haben geeignete Innovationen im Kopf.

Solaranlagen, Internet-Cafés, Schulen und städtische Gebäude könnte man auch per Container exportieren, und vor Ort aufstellen und aufbauen. Die Container könnten dabei vor Ort neu verwendet werden. Low-Tech-Ideen sind gefragt: Fahrrad-Werkstätten, Autoreparatur und -aufarbeitung. Und syrische Automechaniker haben bei Oldtimer-Fans einen guten Ruf.

Eine Aufhebung von Zollschranken würde eine afrikanische Computerindustrie entstehen lassen. Bisher ist es mit bis zu 30% Zollaufschlag verbunden, Computer-Teile in afrikanische Staaten zu importieren. In westafrikanischen Schulen wird bereits Untericht auf mobilen Tablets gegeben. Alles wurde vor Ort entwickelt.

Vor allem müssten die Deutschen wieder lernen, Projekte vor Ort zu finanzieren und zu entwickeln. Aufgaben und Herausforderungen gibt es genug.

Sind unsere Wasser- und Abwassertechnologien nicht weltweit gefragt? Können wir das System der Baugenossenschaften und Bausparkassen nach Afrika und in den Mittleren Osten exportieren?

Es ist das Exportgeschäft für Bauwirtschaft, Bauindustrie, Infrastruktur und Ausrüstungsindustrien, bis hin zu Energie- und Wassersystemen. Es ist auch ein Mega-Geschäft!

Es gibt unendlich viel zu tun! Die Flüchtlingskrise kann unmittelbar und sofort per Dekret und „Ordre de Mufti“ beendet werden! Wir investieren nicht mehr in Stacheldraht. Küstenwacht und totes Kapital und „Bürokratentechnologien“.

Wir akzeptieren nur noch Aufbaupläne, Entwicklungs- und Masterpläne, Finanzpläne, Baupläne, Projektpläne und Tarifverträge – und investieren nicht mehr in Sperrsysteme.

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m/s